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Anstifter 2, 2021 der Stiftung Liebenau Österreich

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Schwerpunkt Vom Glück

Schwerpunkt Vom Glück im Heim zu sein Von Bewohnerinnen, die sich im Pflegeheim (wieder) zuhause fühlen Wer sich geborgen und umsorgt fühlt, menschliche Nähe und Abwechslung erlebt, empfindet meist ein hohes Maß an Zufriedenheit. Wer diesen Zustand nach einer Phase der Einsamkeit, Unsicherheit oder Niedergeschlagenheit wiedererlangt hat, spricht von Lebensqualität oder sogar von Glück. Die folgenden Berichte handeln von Bewohnerinnen, die dieses Glück im Pflegeheim (wieder-)gefunden haben. Seit 70 Jahren im St. Josefshaus daheim Kaum zu glauben, aber wahr: Ich, die Fini (Josefine Stelzhammer, Anm. d. Red.), lebe seit 70 Jahren im St. Josefsheim in Gaißau. Dorthin kam ich 1951 mit 14 Jahren wegen meiner körperlichen Behinderung. Das St. Josefshaus kannte ich schon von den letzten großen Ferien, war dort, weil meine herzkranke Pflegemutter Erholung brauchte. Jetzt sollte ich drei Monate bleiben. Allerdings waren die Gaißauer Schwestern nicht informiert und hatten kein freies Zimmer, sodass ich mein Lager oft wechseln musste. Weil sich der Gesundheitszustand meiner Pflegemutter nicht besserte, wurde mein Aufenthalt immer wieder verlängert. Nach zwei Jahren war klar: Ich bleibe. Es gab zu meinem Glück viele Bücher im Haus. Ich schrieb auch gerne Gedichte und Geschichten, später Beiträge für Zeitschriften, zuerst mit der Hand, dann mit der Schreibmaschine und schließlich auf dem Computer. Außerdem lernte ich Sprachen per Fernkurs und absolvierte ein kirchliches Diplom in Theologie. Da die Schwestern damals nicht allein in die Kirche oder aufs Feld gehen durften, nahmen sie mich auf allen möglichen Fahrgestellen mit; ich hatte ja noch keinen Rollstuhl. Auf den Feldern konnte ich beim Pflücken von Bohnen oder Erbsen helfen. Später habe ich hin und wieder die Kindergartenschwester für kurze Zeit abgelöst oder Schüler bei den Hausaufgaben betreut. So sind Freundschaften entstanden, die zum Teil bis heute gehalten haben. Nach einem Kurs in Sterbebegleitung habe ich dann auch bei vielen Sterbenden Sitzwache gehalten. Josefine Stelzhammer als Teenager Die Übernahme des St. Josefs ­ hauses durch die Stiftung Liebenau im Jahr 1999 habe ich kaum wahrgenommen; die gute Pflege und Betreuung unter christlichem Aspekt ist ja geblieben. Und auch ich bin geblieben. Weil es mir hier gut geht und ich hier zuhause und zufrieden bin. (js) 8 anstifter ÖSTERREICH 2 | 2021

Schwerpunkt der Kurzzeitpflege ins Haus St. Josef nach Schruns. Dort fühlte sie sich von Beginn an wohl: Sie genießt die sozialen Kontakte, das Essen schmeckt ihr wieder und auch der Humor ist zurück. „Es ist mir in meinem Leben noch nie so gut gegangen wie hier im Heim“, sagt Martha Holzer selbst, „ich werde um ­ sorgt und betreut, mir fehlt es an nichts.“ (ju) * Name wurde von der Redaktion geändert. Josefine Stelzhammer heute Glücklich im Haus St. Josef angekommen Martha Holzer * wurde 1928 im Silbertal im Montafon geboren. In den Fünfzigerjahren baute sie dort gemeinsam mit ihrem Ehemann ein Haus, das zum Zuhause für ihre drei Kinder wurde. Vor rund drei Jahren erlitt ihr Mann einen schweren Schlaganfall und benötigte Pflege und Betreuung rund um die Uhr. Als er im Jahr 2019 verstarb, fiel Martha Holzer in eine Depression. Sie hatte keinen Appetit mehr, nahm rapide an Gewicht ab und schaffte es nicht mehr, ihren Alltag zu meistern. Die Corona-Pandemie brachte ihr weitere Einschränkungen und noch mehr Einsamkeit. Dann stürzte sie schwer, kam ins Krankenhaus und musste sich mit einer eingeschränkten Mobilität abfinden. Nach zwei Monaten stürzte sie erneut. Diesmal wollte Martha Holzer nicht mehr ins Krankenhaus. Obwohl sie sich nur langsam erholte, hatte dieser Sturz keine weiteren schwerwiegenden Folgen. Um wieder zu Kräften zu kommen, zog sie im Rahmen Glücksgriff heimgebundene Wohnung Mit 95 Jahren war es für Aloisia Sommer im eigenen Haus alleine nicht mehr zu schaffen. Die Stufen sind zum Hindernis, der Garten zur Stolperfalle geworden. Nach einem Sturz auf der Treppe und ein paar Tagen im Krankenhaus war es für die ältere Dame nicht mehr möglich, ins Eigenheim zurückzukehren. In den näheren Alters- und Pflegeheimen stand zu diesem Zeitpunkt allerdings kein Platz zur Verfügung. Aufgrund ihres guten Allgemeinzustandes bestand auch keine Aussicht, zeitnah einen solchen zu bekommen. Nach einer Kurzzeitpflege in Linz erfuhr ihr Neffe von einer freigewordenen heimgebundenen Wohnung im Sozial zentrum Kloster Nazareth in Stadl-Paura. Aloisia Sommer willigte spontan und freudig ein. Seit ihrem Einzug vor acht Monaten kann sie den Tag wieder selbstständig verbringen, bekommt zu Mittag das Essen aus der Küche des Pflegeheims geliefert und genießt die Gemeinschaft mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der benachbarten Wohnungen. „Ich bin sehr glücklich mit dieser Lösung und meinem neuen Zuhause“, sagt sie selbst. Derselben Meinung ist auch Brigitta Hochleitner. Im eigenen Haus würde sie alleine nicht mehr zurechtkommen. Jetzt in anstifter ÖSTERREICH 2 | 2021 9

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