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Anstifter 2, 2021 der Stiftung Liebenau Österreich

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Schwerpunkt Beziehungsreich beschäftigen Denn aktiv sein allein, macht noch nicht glücklich „Glück und Zufriedenheit hängen nicht daran, was man den ganzen Tag macht, sondern wie man dabei in Beziehung zueinander tritt“, sagt Hausleiter Florian Seher. „Für Pflege- und Betreuungskräfte heißt das vor allem: Hinschauen, Beobachten und Einfühlen.“ Die folgenden Beispiele zeigen, wie durch das In-Beziehung- Treten die richtige Beschäftigung für den Einzelnen gefunden wurde. Oder wie durch Beschäftigungen neue Beziehungen entstanden sind. Oder warum hinter scheinbarem Nichtstun das größte Glück steckt. „Keine Beschäftigung der Welt kann das In-Beziehung-Treten ersetzen“, davon ist Florian Seher überzeugt. „Denn was das Richtige für jede und jeden Einzelnen ist, das weiß die- oder derjenige am besten selbst. Erst wenn wir sie oder ihn fragen, beobachten und uns in ihre oder seine Situation einfühlen, erfahren wir, was diesen Menschen bewegt, interessiert und begeistert.“ Als Hausleiter der Pflegeheime in Nüziders, Bartholomäberg und St. Gallenkirch kennt er viele Beispiele, die vor allem vom kleinen Glück der Bewohnerinnen und Bewohner handeln. „Einige sind schon selig, wenn sie den Nachmittag bei gutem Wetter und wohligem Nichtstun auf dem Balkon verbringen können“, sagt er. Kleines Glück und größte Freuden Für Herta Gstir wiederum sei es die größte Freude, wenn sie ihre Katze gemeinsam mit einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter pflegen und versorgen kann. Elisabeth Reichart stricke für ihr Leben gern, aber nicht einfach so, berichtet der Hausleiter. „Wichtig ist ihr, dass das Stricken Sinn macht, dass sie für jemanden stricken kann. Sie bekommt also kleine Aufträge von uns, strickt derzeit zum Beispiel Geburtstagssocken für eine Mitbewohnerin.“ Auch Theresia Häusle will gebraucht werden. „Dann fühlt sie sich wertvoll und auch wichtig“, erklärt Florian Seher. Für die regelmäßige Gymnastikrunde oder eine sportliche Einlage vor dem Mittagessen überlegt sich 12 anstifter ÖSTERREICH 2 | 2021

Schwerpunkt die 92-Jährige eine Übung, die sie vormacht. Außerdem poliert sie Abend für Abend das Besteck in ihrer Hausgemeinschaft. „In unseren Häusern gibt es zahlreiche ähnliche Beispiele. Es geht immer darum, dem einzelnen Menschen einen Wert und auch Verantwortung zu geben. Sich selbst im Wirken zu sehen und von anderen darin anerkannt zu werden, schafft Zufriedenheit – in jedem Alter“, betont der Hausleiter. Im Schaffen etwas wert sein Als Kunsttherapeutin im Haus St. Josef in Gmunden beschreibt Christina Plasser den Aspekt der Selbstwirksamkeit so: „Indem die älteren Menschen in unserer Kunstwerkstatt etwas Sichtbares und Greifbares gestalten – oft Bilder, aber auch Werke aus Ton und Keramik – haben sie das Gefühl, etwas wert zu sein.“ Im Schaffensprozess bewältigen die Seniorinnen und Senioren mit oder ohne Demenz Biografisches, aber auch Alltägliches, brauchen keine Worte, sondern können über das Malen und Gestalten ihre inneren Bilder und Emotionen ausdrücken. Christina Plasser steht dabei in ständigem Austausch mit der jeweiligen Künstlerin oder dem jeweiligen Künstler. Sie schaut hin, beobachtet und fühlt sich ein, motiviert und kommentiert – spontan, nach Bedarf und mit Gefühl. Beziehungen entwickeln sich auch unter den kunstschaffenden Bewohnerinnen und Bewohnern sowie schließlich zu allen, die ihre Werke betrachten und bewundern. Wenn die Kunst Kreise zieht Durch das eigene Schaffen ergeben sich neue Ideen und Kontakte. Christina Plasser berichtet von einem Bewohner, der sein eigenes Kaffee-Häferl aus Ton und Keramik geformt hatte. Da andere die Idee gut fanden, ist ein ganzes Kaffeehaus-Geschirr entstanden, das regelmäßig im Haus St. Josef in Gmunden zum Einsatz kommt. „Das hab‘ ja ich gemacht“, freuen sich die Bewohnerinnen und Bewohner, wenn sie eins ihrer Werke wiedererkennen. Bei einem solchen Kaffee- und Kuchennachmittag vor rund zwei Jahren wurde Hochzeitsorganisatorin Gabi Socher auf die Kunstgruppe aufmerksam. Die älteren Menschen unterstützen ihre Initiative „sagJA im Salzkammergut“ seitdem gerne, indem sie Werbematerialien sortieren oder Mappen für die Hochzeitsmessen falten. „Das Team der fleißigen Hände wird zunehmend größer und alle freuen sich immer sehr über neue Aufträge“, sagt Christina Plasser. „Bei der Lieferung der Aufträge sind viele Seniorinnen und Senioren dabei. So kommen sie raus und lernen neue Menschen kennen.“ Zum Dank hat Gabi Socher die Gruppe im vorigen Jahr zu einer großen Schiffsrundfahrt auf dem Traunsee eingeladen. Beziehung im Fahrtwind Eine im wahrsten Sinne des Wortes bewegende Beziehung entsteht bei den Rikschafahrten, die der Verein „Radeln ohne Alter – Bregenz“ älteren Menschen mit eingeschränkter Mobilität im Raum Bregenz bietet. „Mit der Rikscha komme ich wieder an den See und andere Plätze, wo ich früher gerne war. Es ist jedes Mal ein wunderschöner Ausflug“, schwärmt Silvia Jarnek, Bewohnerin des Seniorenheims Tschermakgarten. Für die 16 geprüften Rikschafahrer steht der gute Zweck und Austausch mit den Seniorinnen und Senioren im Mittelpunkt. „Das ist eine tolle Sache: Man sieht den älteren Menschen die Freude richtig an“, sagt Markus Schrott, Gesamtleiter der Bregenzer Einrichtungen der Stiftung Liebenau, „sie spüren den Fahrtwind und können mit den Rikschas auch Orte erreichen, die für sie zu Fuß zu weit weg oder mit dem Auto unzugänglich sind. Während ihrer Fahrt sind sie im Gespräch mit ihrem ehrenamtlichen Fahrer, erfahren Neues und genießen die menschliche Nähe.“ (eb) anstifter ÖSTERREICH 2 | 2021 13

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