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Anstifter 2, 2020 der Stiftung Liebenau

Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Bildung, Familie, Gesundheit, Pflege und Lebensräume, Service und Produkte sowie Teilhabe.

Stiftung Liebenau Tarifverhandlungen wegen Corona-Pandemie ausgesetzt 575 000 Pflegekräfte angesprochen Angesichts der Entwicklungen rund um die Verbreitung des Coronavirus/COVID-19 finden die bisher geplanten Verhandlungsrunden in der Tarifauseinandersetzung zwischen Liebenau Leben im Alter und der Gewerkschaft ver.di nicht statt. Diese Entscheidung haben beide Verhandlungspartner, Geschäftsführung Liebenau Leben im Alter und Gewerkschaft ver.di, getroffen. Angesichts der Entwicklungen halten es beide Seiten für unverantwortlich, den Beteiligten die zahlreichen Reisen und Besprechungen zuzumuten, die mit einer Verhandlung verbunden wären. Der Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat in dieser Situation absoluten Vorrang, ebenso wie die Verantwortung für die Bewohnerinnen und Bewohner der Häuser der Pflege. Die Verhandlungsführer der Liebenau Leben im Alter wollen damit keinesfalls Tarifvertragsverhandlungen hinauszögern. Sie wissen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viele Erwartungen an einen zeitnahen Abschluss eines Tarifvertrages haben. Deshalb hat das Unternehmen vorab freiwillig einen Einmalbetrag an alle Mitarbeitenden bezahlt. Dieser Einmalbetrag soll dann in das Gesamtvolumen einfließen, das abschließend verhandelt wird. Mit diesem Schritt leistet die Liebenau Leben im Alter einen Beitrag zu einem fairen Verhandlungsergebnis, das den Erwartungen der Arbeitnehmer entgegenkommt, aber natürlich auch für das Unternehmen leistbar, marktgerecht und zukunftsfähig ist. Die verhandlungsfreie Zeit nutzen beide Seiten, um vereinbarte Berechnungen fertigzustellen und auszutauschen. Pflegekräfte werden in der Corona-Krise mehr denn je gebraucht, viele Mitarbeitende in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern arbeiten am Rande der Erschöpfung. Die Versorgung von Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Patientinnen und Patienten ist gefährdet. Um die Alten-, Gesundheits- und Krankenpflegerinnen zu unterstützen, wurde die Aktion „Pflegesterne“ ins Leben gerufen, eine breite gesellschaftliche Bewegung, die ehemalige Pflegekräfte anspricht und kurzfristig und unbürokratisch mit suchenden Einrichtungen zusammenbringt. Initiatoren sind der Verband für Digitalisierung in der Sozialwirtschaft (Vediso), das soziale Start-up mitunsleben und die Unternehmensund Personalberatung contec. Expertenschätzungen gehen davon aus, dass rund 575 000 Pflegekräfte nicht mehr in ihrem angestammten Beruf tätig sind. Ihre fachliche Hilfe und Unterstützung werden aber in der aktuellen Krise noch dringender benötigt. Die Aktion „Pflegesterne“ spricht diese Fachkräfte mit einer großen Kampagne an und gibt Einrichtungen die Möglichkeit, ihren Bedarf schnell und unkompliziert auf der Plattform anzugeben. Die Registrierung und die unbürokratische Vermittlung auf der Plattform sind möglich unter www.pflegesterne.de. Termine Keine Veranstaltungen bis Juli Aufgrund der Corona-Pandemie finden bis zu den Sommerferien keine öffentlichen Veranstaltungen statt. Die Corona-Pandemie macht es unmöglich, die Gesundheit der zu erwartenden Gäste zu schützen. Dies betrifft auch das Festwochenende vom 10. bis 12. Juli 2020. Wie es weitergeht im Jubiläumsprogramm, ist momentan noch ungewiss. Mitarbeitende können sich aber jetzt schon freuen: Die fürs Jubiläumsjahr geplante Liebenauer Musiknacht wird auf 2021 verschoben. Über neue Termine halten wir Sie weiterhin auf dem Laufenden unter: www.stiftung-liebenau.de/ aktuelles/termine 8 anstifter 2 | 2020

Stiftung Liebenau Ohne geht es nicht – aber es geht anders Rituale in Zeiten von Corona Rituale und Gewohnheiten geben dem Leben Struktur, den Menschen Halt und Sicherheit. Was aber, wenn Rituale plötzlich fehlen? Wenn sie unterbunden werden oder gar verboten sind, wie gerade jetzt, um Infektionen mit dem neuen Virus Covid-19 einzudämmen? Etwa die Begrüßung per Handschlag oder eine Umarmung unter Freunden. Oder auch die Rituale der Kirche: Alles sinnlich Erlebbare fehlt dort jetzt gänzlich. Zwar gibt es vielerorts digitale Gottesdienste oder Andachten, aber kein Betreten eines sakralen Raumes, kein Weihwasser, kein Weihrauchduft, keine Eucharistie……Und wer in diesen Tagen heiratet oder trauert, muss dies im sehr kleinen Kreis tun und auf einen „Sicherheitsabstand“ achten. Was bleibt jetzt, wenn viele persönliche Gewohnheiten an andere Menschen gebunden sind? Menschen sind zwar „Gewohnheitstiere“, aber sie sind doch auch flexibel und suchen sich neue Wege für ihre Rituale – oder sie finden gar neue. Eine Mitarbeiterin ersetzt ihr Fitnessstudio durch ein online-Angebot, um ihre tägliche Bewegungseinheit zu erhalten. Immer morgens, da sei sie am besten drauf und noch motiviert. Eine andere geht jetzt täglich für andere Menschen einkaufen: Sie sammelt die Wünsche und macht dann einen Plan, was sie wo kauft und wann, sozusagen ein Mini-Projektmanagement. Das läge ihr. Eine weitere Mitarbeiterin entdeckt jetzt die Stille für sich, meditiert, immer zur gleichen Uhrzeit. Mal zähle sie ihre Atemzüge, immer bis zehn, mal brauche sie aber auch eine Stimme, die sie anleite. Ein Mitarbeiter, der in einer Fernbeziehung lebt, sieht seine Frau jeden Morgen beim Frühstück – auf dem Bildschirm. Daran habe auch Corona jetzt nichts geändert. Er sei halt doch ein Gewohnheitstier… Und ein Mitarbeiter hat seine Gitarre wiederentdeckt. Er verschwindet damit nun regelmäßig auf eine einsame Wiese. Da könne er ungestört üben und würde seine Familie, in der alle gerade zuhause seien, nicht stören. Eine Schülerin radelt jeden Morgen zu ihrer geschlossenen Schule, weil sie fit bleiben möchte, sagt sie…. Eine Mitarbeiterin hat sich mit der Hündin ihres Nachbarn angefreundet, und nun machen sie ihren Spaziergang gemeinsam: sechs Beine über Obstwiesen und Wege, das Frühlingssummen der Bienen begleitet sie. Was davon bleiben wird, wenn die Pandemie abgeebbt sein wird, weiß keiner von ihnen. Sie stellen lediglich fest, dass ihnen ihr neues Ritual, ihre neue Gewohnheit guttut. Und was guttut, geben Menschen bekanntlich nicht mehr so gern her. (sdg) anstifter 2 | 2020 9

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