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Anstifter 2, 2020 der Stiftung Liebenau Österreich

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Schwerpunkt Singen,

Schwerpunkt Singen, Spielen, Handwerken oder Handarbeiten in den einzelnen Hausgemeinschaften. Die Bewohner haben Herzen aus Papier geschnitten und Botschaften für ihre Angehörigen da rauf geschrieben, zum Beispiel: „Danke fürs Verständnis und Daheimbleiben!“ Diese haben wir an den Fenstern angebracht. Da keine Messen gefeiert werden dürfen, hat der Stadtpfarrer Gebete und weitere Texte in unserer Kapelle ausgelegt. April – Neuartige Kontakt- und Kommunikationswege Da nicht sicher ist, wie viele Masken wir aktuell auf dem Markt bekommen können, haben wir unsere Kunstwerkstatt kurzerhand in eine Nähwerkstatt umgewandelt. Die Masken können eine Infektion zwar nicht verhindern, verringern aber doch die Verteilung von Tröpfchen in der Umgebung und halten den Träger davon ab, sich unbewusst an Mund und Nase zu fassen. Wichtig ist außerdem, das lernen wir jetzt, einen Mindestabstand von einem Baby-Elefanten, also etwa 1,5 Meter, einzuhalten. Um die Menschen im Haus immer wieder daran zu erinnern, lassen wir vier Baby-Elefanten zimmern – und freuen uns, dass der Rotary-Club Gmunden die Kosten übernimmt. Obwohl unsere Eingangstüren immer verschlossen und Besuche nicht gestattet sind, ist es einigen unserer Bewohner geglückt, ihre Angehörigen zu sehen. Da gab und gibt es Gespräche über den Zaun oder Anrufe wie diesen: „Mein Vater sitzt bei mir im Garten und trinkt ein Bier, ich bring ihn später zurück!“ Außerdem müssen wir immer wieder einzelne Bewohner zurückholen, die sich unbemerkt zu einem Spaziergang über die Notausgänge aufmachen. Wir alle haben unsere sozialen Kontakte auf ein Minimum heruntergefahren. Der Technik sei Dank, konnten wir diese Woche Videotelefonie einrichten, sodass unsere Bewohner ihre Liebsten nicht nur hören, sondern auch sehen können. Für viele der älteren Menschen ist das eine ganz neue Erfahrung. Das zeigt sich in ihren Fragen: „Wie meinen Sie das, ich sehe meinen Sohn am Bildschirm?“ oder Reaktionen, wenn sie etwa den Bildschirm berühren, um ihre Angehörigen „angreifen“ zu können. Da es keine Alternative gibt, wird diese Art der Kommunikation sehr gern angenommen. Wir leben also einen neuen Alltag und wissen nicht, wann die frühere Normalität wieder einkehren wird. Damit sich die Bewohner während dieser Zeit im Haus St. Josef noch heimeliger fühlen, hat Egbert Folkersma, Leiter des Alltagsmanagements, den Begegnungsraum mit weiteren gemütlichen Möbeln ausgestattet. Gefreut haben sich die Bewohner auch über die selbst gemalten Bilder der Kinder des Stadtkindergartens, die uns diese Woche erreichten. „Die denken an uns“, stellte eine Bewohnerin gerührt fest. Eine willkommene Abwechslung brachte uns gestern außerdem das lokale Blechbläserensemble, das im Hof des Hauses St. Josef ein Konzert gab. Bewohner und Mitarbeiter lauschten den Klängen auf den Balkonen oder Terrassen und genossen das kleine Event. Und auch wenn es in diesem Jahr kein Maifest geben wird, falten unsere Bewohner derzeit Papier-Blumen und binden Kränze für den Maibaum, den wir demnächst im Hof errichten. Die jahreszeitliche Orientierung ist wichtig. Für uns alle. MÄRZ APRIL Für die Maskenproduktion wurde die Kunstwerkstatt kurzerhand in eine Nähwerkstatt umgewandelt. Viele Bewohner, wie hier Ernestine Varga, skypen zum ersten Mal in ihrem Leben. Bewohner im Haus St. Josef Gmunden freuen sich sehr über die Grüße der Kindergartenkinder. 8 anstifter ÖSTERREICH 2 | 2020

Schwerpunkt Mai – Besucherboxen in Begegnungszonen Nun steht der kleine und mit Papierblumen und Kränzen geschmückte Maibaum im Hof, wo er nicht nur die Bewohner und Mitarbeiter, sondern auch die Angehörigen erfreut. Letztere dürfen nämlich wieder ins Haus kommen – wenn sie sich registrieren lassen, die Hygienevorschriften einhalten und mit einem Treffen in der Besucherbox einverstanden sind. In diesen neuen „Begegnungszonen“ schützt eine Plexiglasscheibe die Bewohner vor einer Infektion mit dem neuartigen Virus. Ende Mai werden alle Mitarbeiter im Haus St. Josef per Rachenabstrich auf eine Infektion mit dem Corona-Virus getestet. Wer hätte im Februar gedacht, dass ein Wattestäbchen so bedrohlich wirken kann? 24 Stunden später liegt uns das Ergebnis vor: Alle negativ! Was für eine Erleichterung. Juni – Die Krise hat uns einander nähergebracht Wir leben die neue Normalität mit Masken, Abstandsregeln, Registrierungen und Besucherboxen. Unser Fazit aus der Krise: Wir sind wieder näher zusammengerückt, nicht im körperlichen Sinne, aber doch. Ois liegt net in Menschnhand Find´t de Sunn´ koan Woiknspait wirkt koa Jamman, koa Gewait. Kannst des G´wölk net weggaschiabn, de Wedawänd zu Scheidl kliabn. Ois liegt net in Menschnhand, was `si tuat so üba Land. Grantig sei´ is da koa Thema; So wia´s is, so soi´ma´s nehma. D´Sunn, de suacht si´scho ihr Recht, a´wann´s Weda nu so schlecht. Sie macht´s Dasein lebenswert, ´s bringt nix, wann ma jammat, reahrt. Schattn, Liacht, … ois hat sei Zeit; Konnst net haben ois iatzt und heut! Wartn muaßt, Geduid haben kinna! ´s Liacht da´Sunn des wird scho keama . Is da´ z´hell´, dann wart´auf d´ Nacht, wann´s Nachtgestirn den Ausgleich schafft. Christine Munninger, 2015, ehemalige Bewohnerin des Hauses St. Josef, Gmunden MAI JUNI Regionalleiterin Doris Kollar-Plasser unterhält sich mit einem Gast im Foyer. „Alle negativ!“ Die Ende Mai auf das Corona-Virus getesteten Mitarbeiter sind mehr als erleichtert. Um uns ans Abstandhalten zu erinnern, lassen wir 1,5 Meter lange Baby-Elefanten zimmern. anstifter ÖSTERREICH 2 | 2020 9

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