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Anstifter 2, 2020 der Stiftung Liebenau Österreich

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Schwerpunkt Skypen und

Schwerpunkt Skypen und Fensterln im Pflegeheim Kreative Ideen der Kontaktaufnahme „Am 13. März mussten wir die Türen des Sozialzentrums Kloster Nazareth auf unbestimmte Zeit zusperren“, erinnert sich Hausleiterin Stefanie Freisler. Damit die Bewohner dennoch mit ihren Angehörigen in Kontakt treten konnten, haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses ähnlich wie in den anderen Häusern der Liebenau Österreich von Telefonaten übers Skypen und Fensterln so einiges einfallen lassen. Stefanie Freisler berichtet. gespräche. Dafür hatten die Mitarbeiter Sitzgelegenheiten im Garten und in gebührendem Abstand auf der anderen Seite des Zaunes arrangiert. Natürlich musste jegliches Kontaktaufnehmen vorab vereinart werden. An manchen Vormittagen, wenn das Telefon heiß lief, entwickelte sich das Kontaktaufnehmen zu einem herausfordernden Kontaktmanagement. Doch sobald Datum, Uhrzeit und Treffpunkt fürs Fensterln, Balkon- oder Gartengespräche, das Telefonieren, Skypen oder Whatsappen feststanden, stellte sich – drinnen wie draußen – Vorfreude ein. Getrennt durch eine Glasscheibe und mit einer Mund-Nasen-Schutz- Maske unterhält sich Doris Kollar-Plasser, Regionalleiterin der Stiftung Liebenau für Oberösterreich und Kärnten, mit einer Bewohnerin. Die erste Wahl zur Kontaktaufnahme zwischen drinnen und draußen war das altbewährte Telefon: Die Mitarbeiter nahmen die Anrufe der Angehörigen gerne entgegen, gaben Auskunft, reichten den Hörer weiter oder unterstützten die älteren Menschen beim Eintippen von Nummern. Bald darauf trafen die bestellten zwei Tablets ein. Jetzt war – nach vielen Erklärungen, aufregenden Entdeckungen und kleinen Aha-Erlebnissen – auch der Austausch über Whatsapp und Skype möglich. Sich kontrolliert begegnen Mit den Lockerungen seit Anfang Mai kommen auch wieder Besucher ins Haus. Sie treffen sich mit dem jeweiligen Bewohner in eigens eingerichteten Begegnungszonen in sogenannten Besucherboxen, wo eine Plexiglasscheibe die Sprechenden voneinander trennt. Zivildiener begrüßen die Besucher entsprechend der neuen Richtlinien im Haus, notieren Namen, prüfen die Temperatur und klären sie über Abläufe und Hygienemaßnahmen auf. Natürlich mussten sie zuvor in diesen Aufgaben geschult werden. An- und Zugehörigen ist es nun auch wieder erlaubt, mit Bewohnern außerhalb des Hauses spazieren zu gehen, sich im Kaffeehaus oder zum Mittagessen zu treffen. Die Bewohner können außerdem wieder selbstständig im Ort und den Geschäften unterwegs sein. Selbstverständlich sind auch sie über die geltenden Schutz- und Hygienemaßnahmen in der Öffentlichkeit informiert und erhalten jeweils einen Mund-Nasenschutz zur Verfügung gestellt. (sf) Unterm Fenster und über den Zaun Parallel entwickelte sich die nicht-digitale Kontaktaufnahme: Da kommunizierten die Angehörigen mit den Bewohnern im ersten Obergeschoss über den Balkon und im Erdgeschoss über das gekippte Fenster. Diese Arten der Kontaktaufnahme machten bald als „Fensterln“ die Runde und waren vor allem bei gutem Wetter eine beliebte Alternative zum Tablet. Eine weitere willkommene Möglichkeit, sich ohne Mund-Nasen- Schutz zu sehen und zu unterhalten, waren die Gartenzaun­ Besucherzahlen in der Krise • 13. März bis 4. Mai – kompletter Lockdown. Fünf Angehörige werden im Kontext einer Palliativsituation eingeschleust. • 5. Mai bis 5. Juni – stufenweise Öffnung. 14 Bewohner mit einer kompletten Immobilität oder starken psychischen Erkrankung erhalten insgesamt 42 Zimmerbesuche. • 5. Juni bis 19. Juni – Öffnung. 15 Besuchstermine à 30 Minuten pro Tag sind möglich; so erhalten 90 Bewohner 450 Besuche in den definierten Begegnungszonen. 16 anstifter ÖSTERREICH 2 | 2020

Schwerpunkt Miteinander durch die Isolation Spontane Alternativen für die Mieter des Heimgebundenen und Betreuten Wohnens Während die Menschen in den Hausgemeinschaften und Wohngruppen der Stiftung Liebenau ihren Alltag auch im Lockdown auf Basis der familiären Struktur gemeinschaftlich leben konnten, waren die Mieter des Heimgebundenen und Betreuten Wohnens plötzlich weitgehend auf sich selbst gestellt. Gut, dass sich einzelne für andere engagierten, Mitarbeiter kreativ wurden und Hausleiter neue Räume öffneten. „Entsprechend der Verordnungen des Landes Vorarlberg durften unsere Mieterinnen und Mieter nicht mehr in den Wohnbereichen des Pflegeheims essen oder an den Aktivitäten dort teilnehmen; außerdem entfielen alle Veranstaltungen und Unternehmungen wie etwa das Besuchen von Bekannten oder das Einkaufen in den umliegenden Orten“, berichtet Stefanie Domig, Ansprechpartnerin für die Wohnanlage Keltengasse in Nüziders. „Viele sind noch rüstig und agil; ihnen fiel es besonders schwer, allein in der Wohnung zu bleiben.“ „Es war eine sehr angespannte Situation, die wir alle gemeinsam sehr gut gemeistert haben. Dafür möchte ich von Herzen Danke sagen.“ (Florian Seher, Hausleiter) Mittagstisch im geschlossenen Café Um den acht Mietern aus dem Heimgebundenen Wohnen auch während des Lockdowns täglich eine warme Mahlzeit bieten zu können, wurde im nun geschlossenen Café des Sozialzen trums St. Vinerius, dem „Dorfcafé“, ein Mittagstisch eingerichtet. „Einer weniger mobilen Mieterin im Betreuten Wohnen Keltengasse brachte der Hausmeister das Mittagessen persönlich. Zwei Mieterinnen haben wir öfter abgeholt, weil sie vergessen haben, dass sie kommen dürfen“, berichtet Dorfcafé-Leiterin Andrea Meyer. „Schön war, dass wir in dieser Zeit eine jüngere Frau mit Demenz für den Mittagstisch gewinnen konnten, wo sie prompt Anschluss gefunden hat.“ Nachmittags konnten sich die Mieter bei Kaffee und Kuchen im Dorfcafé austauschen, jassen, basteln oder einfach beisammen sein. Dabei wurde Andrea Meyer von einer Betreuungskraft der Tagesbetreuung unterstützt, die geschlossen war. in der Heimgebundenen Wohnung geblieben ist. Bis zum Lockdown besuchte sie ihren Gatten häufig und verbrachte viel Zeit mit ihm. Dann mussten die Wohnbereiche für Besucher von einem Tag auf den anderen schließen – eine für Rosina Hager kaum akzeptable Situation. Innerhalb weniger Stunden wurde daher entschieden, dass die ältere Frau als Urlaubsgast in ein freies Pflegezimmer zieht und so wie gewohnt bei ihrem Mann sein konnte. Anfang Mai zog sie wieder in ihre Heimgebundene Wohnung zurück. Auch an anderen Standorten sind für die Zeit des Lockdowns ein paar Mieter ins Pflegeheim umgezogen, da sie sich dort sicherer und aufgehobener fühlten. Engagement und Solidarität An allen Standorten besorgten Zivildienstleistende und engagierte Bürger Einkäufe für die Mieter der Heimgebundenen oder Betreuten Wohnungen. In Bartholomäberg erledigte das eine Mieterin für die anderen, holte die Bestellungen drei Mal pro Woche ein und brachte die Einkäufe vorbei. Insgesamt profitierten die Mieter natürlich auch vom allgemeinen Engagement und der Solidarität, freuten sich über die musikalischen Einlagen, die Bastelarbeiten aus den Kindergärten und das spürbare Miteinander. (eb) Vorübergehend ins Pflegeheim In St. Gallenkirch hätte die Corona-Krise beinahe ein langjähriges Ehepaar unfreiwillig getrennt: Aufgrund seiner Pflegebedürftigkeit lebt Otmar Hager seit Februar im Wohnbereich Bergblick des Hauses St. Fidelis, während Rosina Hager allein Während des Lockdowns trafen sich die Mieterinnen des Heimgebundenen Wohnens im Dorfcafé Nüziders. anstifter ÖSTERREICH 2 | 2020 17

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