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Anstifter 2, 2019 der Stiftung Liebenau

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Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Bildung, Familie, Gesundheit, Pflege und Lebensräume, Service und Produkte sowie Teilhabe.

Stiftung Liebenau Neues denken und machen Labor für Problemlagen im sozialen Bereich Wie kommt das Neue in die Welt? Damit haben sich bereits unzählige Menschen beschäftigt. Einen Rahmen für den sozialen Bereich bietet seit rund zwei Jahren das „Labor für soziales Unternehmertum“ kurz INTRA Lab genannt. Ziel ist, tragfähige Geschäftsmodelle für Problemlagen im sozialen Bereich zu entwickeln. Gefördert wird das Projekt aus Mitteln des Hessischen Ministerium für Soziales und Integration und der Europäischen Union. Fördernde Partner sind neben der Stiftung Liebenau die Diakonie Hessen und die Diakonie Neuendettelsau. Das Besondere am INTRA Lab ist die Arbeitsform: Einzelpersonen oder Tandems aus verschiedenen Unternehmen absolvieren gemeinsam insgesamt sechs Workshops innerhalb eines guten halben Jahres. Es findet eine Bedarfs- und Marktanalyse statt, die Idee wird entwickelt. Dann werden Prototypen getestet. Schließlich wird ein Geschäftsmodell daraus abgeleitet, das sowohl Finanzierungsfragen als auch mögliche Kooperationen sowie vorhandene Ressourcen berücksichtigt. Ein Workshop-Thema ist letztlich auch die Überzeugung von Stakeholdern. Design thinking und das CANVAS Business Generation Model von Osterwalder und Pigneur sind die zentralen Methoden beim INTRA Lab. Die Stiftung Liebenau hat bereits zum zweiten Mal ein Tandem entsandt. Für den Zeitraum von April bis November 2018 nahmen aus dem Berufsbildungswerk Adolf Aich Ravensburg der Abteilungsleiter für den Wohnbereich Wolfgang Dreyer und die Jugend- und Heimerzieherin E. Kamala Maurer teil. Sie haben im INTRA Lab eine neue Betreuungsform für so genannte Systemherausforderer innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe entwickelt. Als Systemherausforderer, auch „Systemsprenger“ genannt, werden junge Menschen bezeichnet, die Institutionen und Fachkräfte durch ihr Verhalten an ihre Grenzen bringen. Oft haben sie eine Bindungsstörung und verweigern die Schule. Auch klassischen Betreuungsangeboten entziehen sie sich. Überlegungen, wie diesen Jugendlichen gut geholfen werden kann, gab es im Berufsbildungswerk bereits seit geraumer Zeit. Das im Rahmen des INTRA Lab entwickelte Projekt „DWG Gartenstraße (6+2)“ bot nun die Gelegenheit für eine intensivere Beschäftigung mit einem Lösungsansatz. 6+2 bedeutet, dass zwei Systemherausforderer in eine bestehende funktionierende Wohngruppe mit stabilen Jugendlichen integriert werden. Wiedereingliederung durch eine geregelte Tagesstruktur und bessere Zukunftsperspektiven für diese Menschen sind das Ziel. Und so lief es: Das Landesjugendamt bewilligt das Konzept. Das Team wird festgelegt und zum 1. September 2018 geht das Projekt an den Start. Organisatorisch ist zu diesem Zeitpunkt allerdings nur eine Gewichtung von 4+4 möglich. Schnell stellt sich heraus, dass dies eine schwierige Ausgangslage ist. Das Personal war zwar sorgfältig ausgewählt worden – belastbar, angstfrei und eher wenig intuitiv agierend – dennoch gibt es große Probleme. „Die Begleitung durch INTRA Lab war in dieser Situation sehr wichtig und hat geholfen, unsere konkrete Situation strukturell und personell zu reflektieren“, fasst Dreyer zusammen. Die Arbeitsweise dort habe neue Horizonte eröffnet. „Und wir haben festgestellt, dass solch innovative Projekte wohl einen geschützten Rahmen brauchen“, so Maurers Fazit. (sdg) Präsentation des INTRA Lab-Projektes in Liebenau: (von links) Dr. Markus Nachbaur, das Tandem aus dem Berufsbildungswerk E. Kamala Maurer und Wolfgang Dreyer, Geschäftsführer Herbert Lüdtke und Johanna Langkrär von der Akademie Schloss Liebenau, die die Schnittstelle der Stiftung Liebenau zu INTRA Lab bildet. 6 anstifter 2 | 2019

kurz und knapp Bürgermeister diskutieren über Kirche und Kommune Wie können Kirche und Kommune in der Gemeindeentwicklung gut zusammenarbeiten? Wie können soziale Organisationen hier mit ihrer Expertise unterstützen? Dies waren nur zwei der Fragestellungen, die in diesem Jahr beim regelmäßigen Bürgermeisterfachtag in der Stiftung Liebenau diskutiert wurden. Geladen waren neben den Bürgermeistern der Region, auch zwei hochkarätige Redner. Roger Kehle, Präsident des Gemeindetags Baden-Württemberg (Bild) verwies insbesondere auf die Probleme, die die seit neun Jahren andauernde Hochkonjunktur mit sich bringe. So fehle es oft an nötigen Flächen für neue Infrastruktur: Straßen, Wohngebiete, Schienennetze oder Glasfaserkabel. Probleme, die der freie Wettbewerb nicht zu lösen vermag, schlagen bei der Kommune wieder auf. Darin sieht er jedoch auch eine Chance für Kooperationen: „Gemeinden und Kirche sind geborene Partner, die für Heimat und Werte einstehen.“ Um neue Formen sozialer Infrastruktur ging es Weihbischof Matthäus Karrer, Leiter der Hauptabteilung Pastorale Konzeption im Bischöflichen Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart. „Unser bewährtes Bild der Pfarrfamilie, in die sich alle Gesellschaftsteile integrieren lassen, passt nicht mehr“, erläuterte er. Die Kirche, insbesondere in den Gemeinden, müsse sich auf einen Partizipationsprozess einlassen. „Statt uns abzugrenzen, gilt es zu schauen, wo wir mit denen, die ähnliche Ziele haben, gemeinsam einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen können.“ Sein Beispiel: ein pastoraler Streetworker, der in einem Böblinger Neubaugebiet Ansprechpartner für Menschen aus 100 Nationen ist. Ökumenische Projekte hingen aber immer vom ehrenamtlichen Engagement ab. Ja zu würdevollem Sterben Die Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland setzt sich für Menschen ein, die aufgrund einer fortschreitenden, lebensbegrenzenden Erkrankung mit Sterben und Tod konfrontiert sind. Mit ihrer Unterschrift verpflichtet sich die Stiftung Liebenau, die Ziele der Charta zu verfolgen und die damit verbundenen Anforderungen umzusetzen. „In allen unseren Einrichtungen ist für uns die ganzheitliche Palliativversorgung schwerkranker Bewohnerinnen und Bewohner bedeutend“, so Dr. Alexander Lahl, Geschäftsführer der Stiftung Liebenau Pflege und Lebensräume. „Die Ganzheitlichkeit fängt bei uns mit der Information und persönlichen Beratung der Bewohnerinnen und Bewohner sowie ihrer Angehörigen an und setzt sich in der individuellen Umsetzung des Gewünschten fort. Darüber hinaus legen wir großen Wert auf die regelmäßige Fort- und Weiterbildung unserer Mitarbeitenden“, betont Lahl. In fünf Leitsätzen formuliert die Charta Aufgaben, Ziele und Handlungsbedarfe, um die Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen zu verbessern. Der zentrale Leitsatz der Charta beschreibt das Recht eines jeden Menschen auf ein Sterben unter würdigen Bedingungen. Ziel ist es, allen Menschen, die einer hospizlich-palliativen Betreuung bedürfen, hierzu auch einen Zugang zu ermöglichen. Entscheidenden Einfluss auf ein Sterben in Würde haben gesellschaftliche Wertvorstellungen und soziale Gegebenheiten, die sich auch in juristischen Regelungen widerspiegeln. anstifter 2 | 2019 7

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