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Anstifter 2, 2019 der Stiftung Liebenau

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Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Bildung, Familie, Gesundheit, Pflege und Lebensräume, Service und Produkte sowie Teilhabe.

Aus der

Aus der Praxis Stiftung Liebenau Teilhabe und Familie Die Menschen sind ihm wichtig Der 14-jährige Tim hat sich für ein Schulpraktikum in der Kreativwerkstatt Rosenharz der Stiftung Liebenau entschieden: Ihm ist der Umgang mit Menschen wichtig. Das Orientierungspraktikum in den 8. Klassen des Bildungszentrums Bodnegg jeden Dienstagnachmittag dauert ein Jahr. 15 Frauen und Männer mit hohem Unterstützungsbedarf werden in der Tagesförderstätte beschäftigt. Der Schüler kennt die Künstler und weiß längst: Nicht jeder Tag ist gleich. Mal sind sie ausgeglichen, mal sind sie ihren Gefühlswelten ausgeliefert. Dann verschließt sich der eine, andere müssen sich bewegen oder unentwegt reden. Tim hat gelernt, auf die Bedürfnisse der Künstler zu hören. Beeindruckend gelassen ist sein Umgang mit den Frauen und Männern, die oft rast- und ruhelos sind: „Die Menschen sind mir wichtig.“ Liebenauer Arbeitswelten Sie weiß, was sie kann Vier bis zehn Grad Celsius – wärmer wird es am Arbeitsplatz von Michaela Müller nicht. Der 24-Jährigen macht das nichts. „Ich bin gut eingepackt und friere nicht so schnell“, erklärt sie, während sie beherzt in die Kiste mit frischen Äpfeln vom Liebenauer Landleben greift. Zwei Kilo wurden bestellt. Dazu drei Stück Kohlrabi, ein Kilo Karotten und ein Kilo Tomaten. Die junge Frau zählt und wiegt alles ab, kontrolliert nochmals die Bestellung und legt den Lieferschein in die Box. „Wenn etwas nicht da ist, schreibe ich mir das auf und gebe einer Kollegin Bescheid. Sie informiert dann die Wohngruppen.“ Zwei Mal pro Woche arbeitet sie in der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen (WfbM) der Stiftung Liebenau im Kühlraum und kommissioniert Obst und Gemüse für die Wohngruppen. Der Arbeitsplatz erfordert Konzentration über mehrere Stunden: Vom Lesen der Bestellscheine über das Beschriften der Boxen und das Abwiegen bis hin zur Qualitätskontrolle und der Meldung von Fehlmengen. Abschließend muss alles aufgeräumt und saubergemacht werden. „Michaela macht das klasse. Sie arbeitet sorgfältig und sehr gewissenhaft, und wenn ihr etwas nicht passt, sagt sie das klar und deutlich. So können wir gemeinsam nach Lösungen suchen“, sagt Sibylle John, Gruppenleiterin der WfbM im Catering. Neu ist der Arbeitsplatz nicht. Eine Mitarbeiterin war bislang für das Kommissionie- ren zuständig. „Umso mehr freut es uns, dass nun eine Werkstatt-Beschäftigte die anspruchsvolle Aufgabe eigenverantwortlich erledigt. Es ist gelungen, einen weiteren, attraktiven Arbeitsplatz nah am Kunden zu ermöglichen“, so John. 22 anstifter 2 | 2019

Leichte Sprache Aus der Praxis Eine besondere Zeitschrift erscheint Im Mai gibt es eine besondere Zeitschrift. Sie heißt: wir mittendrin. Sie ist von Menschen mit und ohne Behinderungen gemacht. Sie schreiben über ihr Wohnen und Leben. Und sie schreiben über ihre Arbeit. Sie berichten auch über ihre Freizeit. Und: Sie schildern ihre Wünsche. Eine Frau beschreibt das Zusammen-Leben von Nachbarn. Von Nachbarn mit und ohne Behinderungen. Die wir mittendrin gibt es 2 Mal im Jahr. Menschen bekommen sie mit der Schwäbischen Zeitung. Die wir mittendrin bestellt man auch unter Telefon-Nummer 0 75 42 – 10 20 33. Liebenauer Arbeitswelten Interessiert an regionaler Industrie Seit gut 15 Jahren treffen sich Beschäftigte der Liebenauer Arbeitswelten einmal jährlich mit MTU-Azubis der Rolls-Royce Power Systems AG aus Friedrichshafen. Im Rahmen ihrer „sozialpädagogischen Woche“ waren die Auszubildenden verschiedenster Fachrichtungen bisher stets in den Liebenauer Arbeitswelten für Menschen mit Behinderungen zu Gast: bisher immer ein wertvoller Erfahrungsaustausch für alle Beteiligten. Da einige der Beschäftigten großes Interesse bekundet haben, auch einmal die Werke in Friedrichshafen mit eigenen Augen zu sehen, dachte sich der MTU-Auszubildende Aljoscha Krippel: Warum den Spieß nicht einfach umdrehen? Sein Ausbilder, Hilmar Hickethier, zeigte sich sofort begeistert und machte sich an die Umsetzung. „Viele Jahre durften wir das Miteinander und die Wertschätzung in Liebenau erfahren, da ist es doch nur fair, wenn wir nun unsererseits einladen“, so Hickethier. Nun durften die Auszubildenden des ersten Lehrjahres selbst in die Ausbilderrolle schlüpfen und einem Menschen mit Handicap ihre Maschinen erklären. In Teamarbeit wurde ein Schloss hergestellt, das die Gäste mit nach Hause nehmen durften. anstifter 2 | 2019 23

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