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Anstifter 2, 2018 der Stiftung Liebenau

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Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Bildung, Familie, Gesundheit, Lebensräume, Pflege, Service und Teilhabe.

Schwerpunkt Den

Schwerpunkt Den Herz-Schmerz muss man immer ernstnehmen Pubertät und Liebesdinge Zu Conny Gerson kommen viele mit den Themen Freundschaft, Liebe oder Beziehung. Die Schulsozialarbeiterin der Don-Bosco-Schule in Hegenberg ist zusammen mit Lehrern und Mitarbeitern wertvolle Ansprechpartnerin „in Sachen Liebe“. Liebeskummer, Trennungsschmerz und Eifersucht sind auch für die jugendlichen Schüler in Hegenberg zentrale Probleme. Da sein, zuhören, ernst nehmen, so lautet Conny Gersons Devise. Sie will neutrale Anlaufstelle sein, die sich Probleme vorurteilsfrei anhört. Hauptsächlich Mädchen vertrauen ihr Kummer und Probleme an. Dann gilt es für die Schulsozialarbeiterin, Selbstwert und Selbstvertrauen zu stärken. Zwar entstehen immer wieder Partnerschaften, die über die Schulzeit hinaus und langfristig halten. Die meisten Beziehungen unter den Schülern sind aber oft von kurzer Dauer. „Der Schmerz nach jeder Trennung ist aber jedes Mal groß“, betont Conny Gerson. Potenzielle Partner sind für die Jugendlichen vor allem in Hegenberg zu finden. Kontakte zu anderen, etwa in Vereinen, haben viele nur sehr eingeschränkt. Vielen Jugendlichen und Heimkindern fehlt ein intaktes Familienleben als Vorbild dafür, wie eine Beziehung im Alltag aussieht. Die Jugendlichen orientieren sich nicht selten an Soaps im Fernsehen oder pornographischen Inhalten aus dem Internet. Problematisch ist auch der Umgang mit den sozialen Medien. Dort findet sich die Euphorie über den neuen Freund, ebenso Verbitterung und Intrigen. Den Mitarbeitern obliegt die Verantwortung, die Jugendlichen zu schützen, erklärt Georg Solymar vom Schulleiterteam. Dass etwa das 13-jährige Mädchen mit geistiger Behinderung nicht von dem 22-jährigen Schüler ausgenutzt wird, auch darauf haben die Mitarbeiter ein Auge. Auf dem Unterrichtsplan steht die Aufklärung vor allem in Bezug auf biologische Zusammenhänge. Auch Themen wie Verhütungsmethoden oder sexuelle Gewalt werden angesprochen oder, wie das Leben mit einem kleinen Kind aussieht. „Das Thema Beziehung und Partnerschaft muss aber individuell bearbeitet werden“, meint Solymar. So wie die „Young Man Zum Weltfrauentag widmeten sich Schülerinnen den Themen Frausein, Errungenschaften und Rechte von Frauen in unserer Gesellschaft. Conny Gerson begleitete das Projekt. Power“ für junge Männer gibt es auch für Mädchen Angebote, in denen sie Erfahrungen mit der eigenen Stärke, dem eigenen Körper und Fragen zu Sexualität thematisieren können. In diesen Gruppen erleben die Jugendlichen Begleitung und Stabilisierung oder auch, wie sie anderen gegenüber Grenzen setzen können, als Teil der Gewaltprävention. Umgang mit der eigenen Sexualität Wie eine solche Begleitung aussehen kann, zeigt das Beispiel von Jürgen*. Mit dem Erwachen seiner Sexualität stellte er immer mehr Fragen dazu. Der Jugendliche ist Autist. Jugendund Heimerzieher Peter Pux trifft sich seit Anfang des Jahres jede Woche mit ihm. Die beiden besprechen die momentane 16 anstifter 2 | 2018

Schwerpunkt Situation oder aktuelle Konflikte, erörtern Begriffe wie Intimität und füllen das Thema Freundschaft mit Inhalt. In diesem Rahmen soll Jürgen soziale Kompetenzen im Allgemeinen erlernen, um dadurch zum sichereren und offenen Umgang auch mit Mädchen oder männlichen Freunden befähigt zu werden. Thematisiert werden aber auch der Umgang mit dem eigenen Sexualtrieb und die Selbstbefriedigung. Geplant ist, weitere junge Männer in die Gruppe zu holen. Durch den Erfahrungsaustausch und die Interaktion kann jeder profitieren. (ao) * Name geändert Zusammen im neuen Zuhause Haben Seltenheitswert: Paare im Pflegeheim Seit rund zehn Jahren lebt erstmals wieder ein Paar im Sozialzentrum St. Vinerius in der Vorarlberger Gemeinde Nüziders: Wilfriede und Heinz Hämmerle sind im November in ein Doppelzimmer gezogen. „Ein Paar im Heim hat Seltenheitswert“, sagt Hausleiter Florian Seher. „Oft ist nur ein Partner pflegebedürftig, oder es ist ein Partner verstorben.“ Die beiden jedenfalls sind froh, dass sie nach 45 Jahren Ehejahren weiterhin zusammenbleiben können. Wilfriede und Heinz Hämmerle, 75 und 77 Jahre alt, haben viel zusammen erlebt, vier Kinder groß gezogen, ein Haus gebaut. Er hatte einen Friseursalon, sie kümmerte sich um den Haushalt. Vor einigen Jahren ist Heinz Hämmerle an Demenz erkrankt; Wilfriede Hämmerle ist zunehmend körperlich eingeschränkt und sturzgefährdet. Deshalb beschlossen sie im März 2016, in eine der Betreuten Wohnungen in der Nähe des Sozialzentrums St. Vinerius einzuziehen. Wilfriede Hämmerle führte weiterhin den Haushalt, unterstützt durch zusätzlich gebuchte Dienstleistungen, Heinz Hämmerle erhielt eine Grundversorgung in der Pflege. Mittags aßen sie im Pflegeheim und genossen die Gemeinschaft mit den Heimbewohnerinnen und -bewohnern. „Dann ging es nicht mehr“, sagt Wilfriede Hämmerle, „es wurde einfach alles zu viel.“ Anfangs haderten die beiden noch mit dem Umzug ins Pflegeheim. Inzwischen haben sie sich gut in ihrer Hausgemeinschaft eingelebt, wo sich Wilfriede Hämmerle weiterhin an hauswirtschaftlichen Tätigkeiten beteiligen kann. „Hier bekommen wir viel Unterstützung“, sagt die ältere Frau. „Es ist immer jemand da und wir kannten ja schon vieles hier: das Essen, das Haus und die Leute.“ Auch einige Pflegekräfte kannten sie bereits aus dem Betreuten Wohnen. „Wir haben sogar unsere Plätze beim Mittagessen behalten“, sagt Wilfriede Hämmerle. „Nur dass wir jetzt nicht mehr herüberlaufen müssen“, ergänzt ihr Mann. (ebe) Wilfriede und Heinz Hämmerle sind das erste Paar im Sozialzentrum St. Vinerius seit zehn Jahren. Pflegekraft Silvia Bitschnau (Mitte) kannten sie schon aus ihrer Zeit in der Betreuten Wohnung. anstifter 2 | 2018 17

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