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Anstifter 2, 2016 der Stiftung Liebenau

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Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Altenhilfe, Behindertenhilfe, Bildung, Gesundheit, Familie und Dienstleistungen.

Die „Urzelle“

Die „Urzelle“ der Stiftung Liebenau Ölgemälde setzt Gründergemeinschaft um Kaplan Adolf Aich ins Bild von Christof Klaus LIEBENAU – Vor 150 Jahren, im März 1866, haben Kaplan Adolf Aich, der Kaufmann Caspar Bueble sowie zwölf weitere sozial engagierte Tettnanger Bürger den St. Johann-Verein ins Leben gerufen und damit den Grundstein für die spätere Stiftung Liebenau gelegt. Diesen Gründungsakt hat die Berliner Künstlerin Kathrin Landa auf Leinwand gebannt. Bei einer Feierstunde im Liebenauer Schloss wurde das Werk „Urzelle – Die Gründung der Stiftung Liebenau“ enthüllt. Dr. Joachim Senn, Aufsichtsratsvorsitzender der Stiftung Liebenau, gratulierte Kathrin Landa für ihre „Kreativität und Hingabe“ und die „künstlerische Leidenschaft, mit der sie ein bedeutendes Stück Geschichte lebendig gemacht hat“. 3,60 mal 2,45 Meter misst das Werk, „das schon aufgrund seiner Größe aus dem üblichen Rahmen Bei der Enthüllungsfeier (v.l.): Dr. Joachim Senn (Vorsitzender des Aufsichtsrates), Prof. Volker Faust (Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates), Künstlerin Kathrin Landa sowie die Vorstände der Stiftung Liebenau Prälat Michael H. F. Brock, Dr. Berthold Broll und Dr. Markus Nachbaur. Foto: Mehl 16 Stiftung Liebenau

Mit Kathrin Landas Gemälde „Urzelle“ hat die Stiftung Liebenau ihren Gründervätern ein Denkmal gesetzt. Fotos: Mehl (2), privat Von der Skizze zum Gemälde fällt“, wie Dr. Senn in seiner Laudatio sagte. Kathrin Landa sei es „auf beeindruckende Weise gelungen, die Anfänge der Stiftung sichtbar und begreifbar zu machen“. Dabei habe die für ihre Porträtmalerei geschätzte Künstlerin nicht „eine“ bestimmte historisch verbürgte Szene ins Bild gesetzt, so Dr. Senn: „Vielmehr hat sie den Mythos dieser Urzelle und ihre Protagonisten auf die Leinwand gebracht.“ Auf Landas Bild versammeln sich die Protagonisten der Stiftungsgründung symbolhaft an einem Tisch, um ihre gemeinsame Vision auf den Weg zu bringen: alten und kranken Mitbürgern sowie insbesondere auch Menschen mit Behinderung zu helfen. Die soziale Not dieser benachteiligten Frauen und Männer hatte der junge Tettnanger Kaplan Adolf Aich durch seine Arbeit als Seelsorger in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts direkt vor Augen gehabt. Tief betroffen erlebte er die Unzulänglichkeiten der damaligen Hilfsangebote. Er fasste einen folgenreichen Entschluss, der heute noch die Arbeit der Stiftung Liebenau prägt: „Da sollte doch Wandel geschafft werden.“ Doch um tatsächlich diesen beabsichtigten und so dringend notwendigen Wandel zu schaffen, war ein wahrer Kraftakt nötig. So begab sich Aich zunächst auf eine jahrelange Betteltour, sammelte Spendengelder, sprach mit kirchlichen und weltlichen Stellen, hielt Ausschau nach geeigneten Gebäuden, suchte Mitstreiter und Gleichgesinnte. Diese fand er in einer Reihe Tettnanger Bürger und einigen Schwestern aus der Kongregation der Franziskanerinnen aus Reute. Zusammen schmiedeten sie Pläne für eine „Pfleg- und Bewahranstalt für Unheilbare“ – wie es damals hieß – und riefen zu diesem Zweck den St. Johann-Verein ins Leben. Ziel war es, eine „Zufluchtsstätte“ zu schaffen für die an den Rand der Gesellschaft gedrängten Menschen. Im Jahre 1870 war es dann soweit: Adolf Aich kaufte das Liebenauer Schloss und bezog es kurz darauf zusammen mit einigen Pfleglingen und sechs Schwestern aus Reute. Drei Jahre später erfolgte schließlich die rechtliche Gründung der Stiftung Liebenau. „Es war eine der komplexesten Prozesse der Bilderarbeitung, die ich je hatte – aber auch einer der spannendsten“, berichtete die ursprünglich aus Oberschwaben stammende Künstlerin Kathrin Landa über die einjährige Arbeit an der „Urzelle“. Zur Vorbereitung setzte sich Landa intensiv mit der Stiftungsgeschichte auseinander und recherchierte im Liebenauer Archiv. Daraus entstand das Konzept, die Gründer des St. Johann-Vereins um einen großen Tisch herum zu gruppieren. Dieser Vorschlag, zunächst als Schwarzweiß-Zeichnung entwickelt, überzeugte den Vorstand der Stiftung Liebenau. Und so füllte Kathrin Landa ihre Idee mit Leben. Einige wenige Fotos von Adolf Aich und Caspar Bueble dienten als Vorlage. Für den Rest der historischen Gründergemeinschaft ließ Landa Menschen aus ihrem Umfeld Modell stehen. Auf diese Weise sei „sozusagen eine Verschmelzung der Vergangenheit mit der Jetzt-Zeit“ entstanden, erklärt die Künstlerin. Ein besonderes Anliegen war es ihr, den Gründungsvätern auch eine Ordensschwester des Klosters Reute zur Seite zu stellen – schließlich waren es diese Frauen gewesen, die lange den Hauptteil der Versorgung und Pflege der Bewohner übernommen hatten. Auch der kleine Hund, der auf dem Bild zu Füßen Adolf Aichs sitzt, taucht nicht ohne Grund auf: Den Vierbeiner – so Landa – habe sie bei ihrer Recherche auf mehreren Fotos des Stiftungsgründers entdeckt. Kathrin Landa wurde 1980 in Tettnang geboren und wuchs in Ravensburg auf. Sie studierte Malerei und Grafik an der Akademie der bildenden Künste in Mainz, absolvierte dann ihr Diplomund Meisterschülerin-Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Heute lebt und arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in Berlin. 2015 wurde Landa mit dem Kulturförderpreis der Städte Ravensburg und Weingarten ausgezeichnet. Vor der „Urzelle“ hatte sie für die Stiftung Liebenau bereits den ehemaligen Vorstand Pfarrer Dieter Worrings porträtiert. Stiftung Liebenau 17

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