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Anstifter 1, 2021 der Stiftung Liebenau

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Aus der Praxis Stiftung Liebenau Teilhabe und Familie Viel Empathie für andere Menschen Brigitte Wild Christa Nebel Conny Brugger Sie schenken Zeit, Zuwendung und vielfältige Erlebnisse: Rund 2 700 Menschen engagieren sich ehrenamtlich in verschiedenen Bereichen der Stiftung Liebenau. Sie gehören damit zu den bundesweit rund 23 Millionen Menschen, die freiwillig einen Beitrag für die Gesellschaft und ihr Zusammenleben leisten. Wie solch ein freiwilliges Engagement konkret aussieht, erzählen drei Frauen aus der Region Bodensee-Oberschwaben. Eine Zufallsbegegnung bildete den Auftakt einer inzwischen sieben Jahre andauernden Beziehung: Die gelernte Krankenschwester und vielseitig Engagierte, Brigitte Wild aus Baindt, war mit einem dreibeinigen Hund unterwegs gewesen. „Wahrscheinlich“, so erzählt sie, „war seine Behinderung der Grund, dass sich ein Mädchen mit Handicap von ihm besonders angezogen fühlte.“ Die damals 15-jährige Julia (Name geändert) wünschte sich sehr, diesen Hund ausführen zu dürfen. Brigitte Wild willigte ein, nahm Julia auf Spaziergänge mit und kümmert sich heute noch um sie – manchmal stundenweise, manchmal für ein ganzes Wochenende. Eingebettet ist diese Betreuungsleistung in den Familienunterstützenden Dienst der Stiftung Liebenau. „Für die Eltern von Menschen mit einer geistigen Behinderung ist es sehr wichtig, eine Entlastung zu erfahren. Und Julia erlebt, dass sich ihr jemand ganz persönlich zuwendet. Das ist sehr wertvoll für sie“, erklärt die 66-Jährige, die noch eine weitere Frau mit Schwerstbehinderung betreut. Warum? „Aus Liebe zu den Menschen und aus Dankbarkeit, dass ich selbst das Glück hatte, von solchen Schicksalsschlägen verschont zu werden. Für sie sei diese Aufgabe erfüllend. Toll findet sie auch die Fortbildungen der Akademie Schloss Liebenau. „Da bekommen wir Ehrenamtlichen gute Ideen und fundiertes Wissen kostenlos vermittelt.“ Christa Nebel aus Wolfegg betreut seit einem halben Jahr jede Woche fünf Stunden lang einen etwa 40 Jahre alten Mann mit einer geistigen Beeinträchtigung, um seine Eltern zu entlasten. „Wir gehen spazieren, machen Ausflüge oder setzen uns mal in Ravensburg in ein Café“, berichtet sie. „Wir gehen bei jedem Wetter los. Und wenn’s regnet, dann laufen wir einfach unter den Regentropfen durch.“ Mit ihrer unkomplizierten und zupackenden Art ist die 50-Jährige genau die Richtige für die Betreuung von Klaus Z. (Name geändert). „Er ist ganz lieb“, erzählt sie. „Seine Eltern sagen, er freut sich so sehr auf die Treffen, dass er an diesen Tagen sogar früher aufsteht, damit er ja nicht zu spät kommt.“ Dabei hatte Christa Nebel, die vier erwachsene Kinder hat und im Versand arbeitet, eigentlich nur eine Nebentätigkeit gesucht. Sie habe „etwas mit Menschen“ machen wollen, sei auf eine Ausschreibung der Stiftung Liebenau gestoßen und habe sich kurzerhand für dieses Ehrenamt gemeldet. Gefunden habe sie „mehr als einen Job. Das ist eine wunderschöne Aufgabe“, sagt Christa Nebel. Conny Brugger aus Friedrichshafen kümmert sich nicht um eine Einzelperson, sondern bringt Abwechslung in den Alltag verschiedener Menschen: Die 32-Jährige bietet, zusammen mit ihrer Freundin, Ausflüge im Rahmen des Freizeit- und Bildungsprogramms für Menschen mit Behinderungen an. Die Ziele legen die beiden Frauen selbst fest: Mal geht es in Kleingruppen zum Eislaufen, mal in einen Freizeitpark, zu einer Backstubenbesichtigung oder auf eine ganztägige Städte-Tour. Die Teilnehmer seien zwischen 20 und 80 Jahre alt und leben zum Teil in ambulant betreuten Wohngruppen, zum Teil zu Hause. „Für sie ist ein Ausflug meist ein richtiges Highlight“, erzählt Conny Brugger. Genau diese Freude motiviert die 32-Jährige. „Die Menschen geben einem so viel zurück, weil sie Spaß an diesen Ausflügen haben und sich so gerne begeistern lassen“, erzählt die gelernte Heilerziehungspflegerin und jetzige Realschullehrerin. Ihr fachlicher Hintergrund sei für dieses Ehrenamt aber gar nicht entscheidend: „Wichtig ist, dass man Empathie für die Menschen mitbringt.“ 22 anstifter 1 | 2021

Aus der Praxis Stiftung Liebenau Teilhabe und Familie „Damit die Mama ihr Baby bei sich behalten kann“ Eigentlich wollte Martina L. (Name geändert) in eine eigene Wohnung ziehen, in der sie ambulant betreut wird. Doch dann wurde sie schwanger, und sie wusste, dass sie zur Bewältigung des Alltags mit einem Säugling Unterstützung brauchen würde. Diese bekommt sie seit einem Jahr von Familie Heisig in Meckenbeuren: Hier lebt sie unter einem Dach mit den Eltern und deren drei Kindern sowie dem Großvater. Sabine Heisig wiederum wollte „einer Mama helfen, damit sie ihr Baby bei sich behalten kann.“ Ihre eigenen Erfahrungen gibt sie gerne an Martina L. weiter, denn diese braucht Rat und Hilfe bei der Versorgung ihres Babys und muss lernen, was es bedeutet, Verantwortung für ihr Kind zu übernehmen. Begleitet werden Martina L. und Familie Heisig durch Mitarbeitende des Betreuten Wohnens in Familien (BWF) der Stiftung Liebenau. Diese prüfen im Vorfeld sehr genau, welche Familien für welche Menschen mit Handicap geeignet sind. „Für uns als Fachdienst ist es ein Geschenk, wenn sich die Puzzleteile so gut ergänzen. Wir können unser Fachwissen einbringen, Anstöße geben, Ideen liefern. Ob aber Gast und Familie letztlich harmonieren und die Beziehung gelingt, können auch wir nicht garantieren“, so Regine van Aken vom Fachdienst. Martina L. hat eine neue Familie gefunden – eine heile Familie. „Ich erlebe zum ersten Mal, was Familie sein kann. Die Wunden schließen sich, ich kann wieder nach vorne schauen und mich auch mal fallen lassen“, berichtet sie, während sie ihr Baby auf dem Arm wiegt. Stiftung Liebenau Gesundheit Neues Pflegekonzept hat sich bewährt Wenn Menschen mit geistigen Behinderungen oder schweren Mehrfachbehinderungen krank werden, ist dies meist mit speziellen Fragestellungen verbunden. Oft klappt die Kommunikation nicht oder es fehlt die Einsicht in Krankheits- und Behandlungsverläufe. Deshalb hat die St. Lukas-Klinik noch vor der Coronapandemie spezielle bedürfnisorientierte Pflegemethoden entwickelt. „Dieses Pflegekonzept hat sich in den vergangenen Monaten auch unter den besonderen Umständen der Coronakrise bewährt“, berichtet Dr. Jürgen Kolb, Leitender Chefarzt des Bereichs Medizin für Erwachsene an der St. Lukas-Klinik. Die erste Diagnostik erfolgt oft an der St. Lukas-Klinik. Die weiterführende und hochspezialisierte Diagnostik und Behandlung übernehmen dann Krankenhäuser in der Region. Danach setzen die multiprofessionellen Teams der St. Lukas-Klinik die bedürfnisorientierte Pflege und Behandlung fort. Das Behandlungsspektrum ist sehr breit: Es reicht von Verhaltensauffälligkeiten über die postoperative Versorgung bis hin zu Tumorerkrankungen. Das Pflegekonzept sieht zunächst ein standardisiertes Verfahren vor, um den jeweiligen Pflegebedarf zu erfassen. „Anders als üblich werden bei uns auch die individuellen emotionalen Bedürfnisse und Fähigkeiten dokumentiert, da wir es häufig mit kindlich anmutendem Verhalten zu tun haben“, erläutert Stationsleiterin Barbara Schmid. Der hohe Stellenwert der Pflege zeigt sich bereits in der Patientenaufnahme. Sie erfolgt nicht nur unter medizinischen Aspekten, sondern auch unter Berücksichtigung der pflegerischen Machbarkeit. anstifter 1 | 2021 23

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