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Anstifter 1, 2021 der Stiftung Liebenau Österreich

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Spiritueller Impuls Made

Spiritueller Impuls Made in Liebenau von Prälat Michael H. F. Brock Ein Markenzeichen. Ein Versprechen. Ein Anspruch. Eine Herausforderung. Und wunderbare Produkte. Unsere Liebenauer Nähwerkstatt sprudelt vor Kreativität. Sie steht stellvertretend für eine große Zahl fantasievoller, nachhaltiger Produkte. Aber das Versprechen „made in Liebenau“ bezieht sich nicht nur auf eine Produktpalette. Es beschreibt unsere Haltung in der Stiftung Liebenau. Unser Markenzeichen: der Dreiklang aus Menschlichkeit, Fachlichkeit und Wirtschaftlichkeit. Es ist das Versprechen, dass kein Bereich dominiert, aber auch keiner untergeht in unserem Alltagsverhalten. Aber ist das so? Wirtschaftlichkeit ist messbar. Zahlen, Daten, Fakten. Gut ausbalanciert unsere Kontrollsysteme. Zahlen werden ausgewertet, diskutiert, sind handlungsleitend für die Steuerung unserer Stiftung. Das sind wir der Zukunft der Stiftung auch schuldig. Denn sie gehört nicht uns. Sie gehört sich selbst und der Zukunft. Auch für unsere Fachlichkeit, die im Alltag in all unseren Einrichtungen sichtbar wird, haben wir ein Entwicklungsinstrument: das Qualitätsmanagement. Die Art, wie wir begleiten, pflegen, lehren, muss fachlich immer auf hohem Niveau sein. Das ist Selbstverpflichtung, und Menschen verlassen sich darauf. Standards wollen unser Arbeiten erleichtern, damit einmal gefundene Erkenntnisse auch in der Fläche gelebt werden. Fort- und Weiterbildungen, der Blick aufs Marktgeschehen, die Kundeninteressen: Auch diese Perspektiven helfen Fachlichkeit zu bewahren und zu entwickeln. Wie aber steht es mit der Menschlichkeit „made in Liebenau“? Es gibt kein Qualitätsmanagement in Sachen Menschlichkeit bei uns. Können wir Menschlichkeit, den menschlichen Umgang miteinander überhaupt lernen und entwickeln? Oder haben wir das per se, weil wir christlich, kirchlich, gläubig sind? Lange haben wir das gemeint. Wir haben alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kundinnen und Kunden, Patientinnen und Patienten als christlich, kirchlich und gläubig subsumiert. Und da jede und jeder etwas anderes darunter versteht, sind wir sprachlos geworden in Sachen Menschlichkeit. Das darf aber nicht sein. Also versuche ich eine Übersetzung: Sagen wir statt gläubig zukünftig vertrauend, dann sind wir auf der richtigen Spur. Können wir einander vertrauen? Sind wir vertrauenswürdig, in unserer Sprache und unserem Handeln? Dann ist man einen wichtigen gemeinsamen Weg gegangen. Sind wir verbindlich? Das wäre mir wichtiger als reine Kirchlichkeit, die uns doch nicht einen kann. Sind wir in unserer Haltung gegenüber Menschen verbindlich? Leben zu schützen und zu bewahren, zu fördern und zu begleiten. Können sich Menschen darauf verlassen? Den Begriff der Christlichkeit können nur wenige von uns in alltagstaugliches Handeln übersetzen. Ich versuche es mit der Übersetzung in die Haltung der Menschlichkeit. Wissen wir noch, warum wir uns um Menschen kümmern? Wir tun es, weil wir Menschen sind. Menschen brauchen einander. Egal an welcher Stelle seines Lebens er oder sie hilfebedürftig ist an Leib oder Seele. Diese Haltung bedarf der Übung. Achtsamkeit, den Blick für uns selbst und alle, die uns anvertraut sind, müssen wir einüben und auch an mancher Stelle wieder neu lernen. Wie das gehen kann? Indem wir darüber sprechen. Uns aufmerksam machen. Uns unserer Wirkung bewusst werden. Vorbilder finden, an denen wir Menschlichkeit erleben. Zahlen, Daten, Fakten? Fehlanzeige! Aber ob Menschen sich geborgen fühlen bei uns, ob wir uns geborgen fühlen miteinander, das ist spürbar. Made in Liebenau. 18 anstifter ÖSTERREICH 1 | 2021

Praxis aus VORARLBERG Autonomer durch neue Technik Mieter kooperieren und profitieren im Forschungsprojekt NÜZIDERS – AAL heißt Active & Assisted Living, auf deutsch: aktiv und unterstützt leben. Dabei geht es um neue Informations- und Kommunikationstechnologien, die unterstützungsbedürftige Menschen zu mehr Selbstständigkeit verhelfen sollen. Um zu prüfen, ob AAL-Systeme halten, was sie versprechen, testet das Forschungszentrum für nutzerzentrierte Technologien der Fachhhochschule Vorarlberg diese im Rahmen des länderübergreifenden Forschungsprojekts IBH* Living Lab AAL bereits seit April 2016 in den heimgebundenen Wohnungen des Sozialzentrums St. Vinerius. Im Einverständnis mit den Mietern wurden die Multifunktionstalente in fünf der heimgebundenen Wohnungen installiert. Ihre Aufgabe ist es beispielsweise, Nachrichten an das Pflegepersonal im Sozialzentrum St. Vinerius zu versenden, wenn für einen längeren Zeitraum keine Bewegung in einer Wohnung aufgezeichnet wird. Im Wissen, dass sie auch gesehen und gehört werden, wenn sie sich allein in ihrer Wohnung befinden, fühlen sich die meisten älteren Menschen sicherer. Im AAL-System ist unter anderem auch eine automatische Lichtsteuerung integriert, die sich im Sinne des zirkadianen Lichts dem Tages- und Nachtrhythmus immer wieder neu anpasst. Jalousien und Licht lassen sich auf Wunsch aber auch individuell über ein Tablet oder einen gewöhnlichen Schalter steuern. Einfache Bedienung Im Rahmen des Projekts werden die älteren Menschen von den Mitarbeitenden des Sozialzentrums und der Fachhochschule Vorarlberg laufend begleitet und unterstützt. Ihre Rückmeldungen sind mehrheitlich sehr positiv. So schätzt Mieterin Johanna Prax vor allem, dass das System so unbemerkt im Hintergrund laufe. „In den mittlerweile vier Jahren, die das Projekt nun läuft, haben sich die Mieterinnen und Mieter an die technologische Unterstützung gewöhnt“, freut sich Lukas Arnold, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FH Vorarlberg und Begleiter des Projekts in den heimgebundenen Wohnungen des Sozialzentrums St. Vinerius. „Für viele erfüllen die AAL-Systeme einen wesentlichen Beitrag zur Bewältigung des Alltags, da sie zum Beispiel selbstständig und ohne großen Aufwand die Beleuchtung in ihren Wohnungen regeln können.“ Das Projekt läuft noch bis kommenden Juli; die bereits installierten AAL-Systeme unterstützen die älteren Menschen in den heimgebundenen Wohnungen darüber hinaus. (la/eb) * IBH = Internationale Bodenseehochschule Mobiler Kiosk lädt zum Schwätzchen ST. GALLENKIRCH – Rätselhefte, Kosmetika, Süßigkeiten, auch Kräuterlikör: Immer donnerstags rollt ein mobiler Kiosk durch das Haus St. Fidelis, um in den beiden Wohnbereichen Bergblick und Sonnenschein Halt zu machen. „So kann jeder Bewohner eigenständig Einkäufe tätigen“, berichtet Verwaltungsmitarbeiterin Margit Karg begeistert. „Inzwischen ist der Kiosk zu einem beliebten Treffpunkt für ein Schwätzchen unter den Bewohnerinnen geworden.“ Die für den Kiosk zuständige Betreuerin, Sabrina Schwarzhans (links), passt das Sortiment von Woche zu Woche an die Wünsche der Bewohner an. „In unserem hauseigenen Kiosk bekomme ich zuckerfreie Ware – das finde ich einfach toll“, meint Bewohnerin Gertrud Halwax (rechts) und sucht sich ein Hustenbonbon aus dem vielfältigen Sortiment. (mk/eb) anstifter ÖSTERREICH 1 | 2021 19

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