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Anstifter 1, 2021 der Stiftung Liebenau Österreich

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Schwerpunkt Haben immer

Schwerpunkt Haben immer ein offenes Ohr Von kontaktfreudigen Bewohnern Obwohl sie im Krieg aufgewachsen sind, wirtschaftliche, gesundheitliche und persönliche Krisen erlebt haben, ist das Glas für einige Menschen meist halb voll. Auch jetzt in der Pandemie bringt sie so schnell nichts aus der Ruhe. Im Gegenteil: Sie haben immer ein offenes Ohr für andere, engagieren sich für die Gemeinschaft und verbreiten gute Laune. Wir haben mit fünf älteren Menschen gesprochen, auf die dieses Phänomen zutrifft – und versucht, hinter ihr Geheimnis zu kommen. Hat im Heim gleich eine neue Freundin gefunden Von klein auf gute Beziehungen gewohnt „Ich hatte eine sehr gute Beziehung zu meinen Eltern und fühlte mich in der Kriegs- und Nachkriegszeit gut aufgehoben und beschützt“, erinnert sich Silvia Jarnek, Bewohnerin im Seniorenheim Tschermakgarten. „Das Leben hat sich geändert, aber meine guten Beziehungen sind geblieben. Zum Beispiel zu meiner Freundin, mit der ich viele schöne Reisen erlebte. Auch die Beziehung zu meinem Lebenspartner, der leider schon verstorben ist, war bereichernd und erfüllend.“ Die 81-Jährige hat das Leben von seiner positiven Seite kennengelernt, sodass weder der Krieg noch persönliche Krisen ihr etwas anhaben konnten. „Jetzt sind für mich vor allem die Beziehungen zum Pflegepersonal wichtig und auch hier habe ich nur gute Erfahrungen gemacht“, sagt Silvia Jarnek. Sie freue sich an der guten Pflege im Haus, dass sie geistig noch so fit sei und selbstständig über ihr Leben entscheiden könne, die Ruhe im Park, Cafébesuche im Haus, die Rikscha-Ausflüge und das abendliche Achtele. (eb) Silvia Jarnek (rechts) „Kurz nach meinem Einzug ins Sozialzentrum Kloster Nazareth im Juni 2020 habe ich Maria kennengelernt“, berichtet Berta Scheibl begeistert. „Da ich aufgrund meiner fehlenden Sehkraft doch sehr eingeschränkt bin, hat mich Maria in den Garten begleitet; mittlerweile gehen wir dort täglich spazieren. Wir unterhalten uns gerne miteinander, gehen gemeinsam in die Kapelle und spielen Brettspiele zusammen.“ Freundschaften waren der 86-Jährigen von klein auf sehr wichtig: „Wir waren vier Freundinnen in unserem Dorf. Wir haben uns ausgetauscht und Blödsinn gemacht. Meine beste Freundin hieß Theresia. Sie war sehr gescheit, wusste über viele Dinge Bescheid. Sie konnte immer gut zuhören. Wir haben uns aufeinander verlassen können, haben uns auch immer kleine Geschenke gemacht. Und den Kontakt gehalten.“ Als Berta Scheibl ihre Freundin am Pfingstmontag vergangenen Jahres anrufen wollte, nahm der Sohn ab und teilte ihr mit, dass Theresia vor einigen Stunden verstorben sei. „Als hätte ich gespürt, dass etwas nicht in Ordnung ist“, erinnert sich Berta Scheibl, „wir waren sehr miteinander verbunden.“ (sf) Berta Scheibl (links) und ihre Freundin Maria Krötzl 12 anstifter ÖSTERREICH 1 | 2021

Schwerpunkt Ihre Lebensfreude steckt an Stefanie Feldkircher Klar, wer eine große Familie hat, bekommt viel Besuch. Und noch mehr, wenn der Kontakt und Zusammenhalt untereinander so gut ist wie bei Stefanie Feldkircher. Seit August lebt die 91-Jährige im Sozialzentrum Mariahilf in Bregenz und noch ist kaum ein Tag ohne ein Gespräch mit einem ihrer vier Kinder oder den Enkelkindern vergangen. „Das ist eine schöne Abwechslung, sie bringen das Leben von draußen herein“, sagt Stefanie Feldkircher. Aber es liegt nicht nur an der großen Familie, dass die lebensfrohe, ältere Dame so viele Kontakte hat. „Frau Feldkircher ist sehr offen, immer gut aufgelegt, hilfsbereit und gerne in Gesellschaft. Das steckt an“, schmunzelt Pflegekraft Ljiljana Radojicic. „Eine Devise, die übrigens auch für unser Team gilt: Dass alle, die in einer Wohngruppe arbeiten, sich vorbildlich im Sinne des sozialen Zusammenlebens verhalten, sich freundlich, hilfsbereit und aufgeschlossen zeigen. Denn die Bewohner spiegeln, was um sie herum geschieht, das soziale Verhalten färbt einfach ab.“ Trotz ihrer zahlreichen Kontakte verbringt Stefanie Feldkircher ihre Zeit am liebsten in Gesellschaft ihrer vier Jahre jüngeren Schwester, die schon seit Mai 2019 im Sozialzentrum Mariahilf lebt. Sie treffen sich beim Essen und in der Cafeteria, freuen sich an alten Schlagern oder gehen gemeinsam spazieren. „Die gleichen Interessen und das Wissen um die Geschichte des anderen bedeuten eine tiefere Verbundenheit“, weiß Stefanie Feldkircher. Es gehe ihr insgesamt sehr gut. „Alle um mich herum sind supernett. Ich fühle mich hervorragend aufgehoben, betreut und gepflegt.“ (eb) Geben vom eigenen Glück etwas zurück Das Ehepaar Kappel lebt seit März 2008 in einer heimgebundenen Wohnung des Hauses St. Josef in Gmunden. „Die beiden haben jederzeit ein offenes Ohr, sind aufgeschlossen und hilfsbereit“, beschreibt Verwaltungsmitarbeiterin Christina Plasser das Paar, das im Juni seinen 49. Hochzeitstag feiert. Vor der Pandemie unterstützten Stefanie und Hubert Kappel die Mitarbeitenden tatkräftig im hauseigenen Café oder wenn Feste anstanden und sehnen sich nach dieser Normalität zurück. Hubert Kappel hat sich außerdem von Anfang an als Hobby-Haustechniker engagiert. „Es macht ihm einfach großen Spaß, seinen Damen im dritten Stock ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln“, erklärt Christina Plasser. Stefanie Kappel hingegen hatte bis zum ersten Lockdown große Freude daran, Gmundner Touristen durch die Stadt zu führen und sie zu begeistern. Beide sind immer gern unter Menschen und daher auch sehr dankbar für die Gemeinschaft im Haus. Dazu zählt auch „das freundliche Personal“, mit dem sie ihre Ängste und Sorgen vertrauensvoll teilen. „Wir sehen es als großes Glück, ja in jeder Hinsicht auch als Luxus an, hier wohnen zu können und möchten deshalb gerne etwas zurückgeben“, beschreiben Stefanie und Hubert Kappel die Motivation für ihr Engagement. (cp) Stefanie und Hubert Kappel anstifter ÖSTERREICH 1 | 2021 13

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