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Anstifter 1, 2020 der Stiftung Liebenau

Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Bildung, Familie, Gesundheit, Pflege und Lebensräume, Service und Produkte sowie Teilhabe.

Weg in Toril auf den

Weg in Toril auf den Phillipinen zu den Familien der Kinder aus der Deutschklasse. Viele leben in einfachen Hütten. Wege gegen den Fachkräftemangel Strategische Suche nach Fachkräften aus dem Ausland Über Fachkräftemangel klagt in den letzten Jahren jedes Unternehmen. Nicht nur in der Sozialbranche sind die Aussichten auf fachlichen Nachwuchs alles andere als rosig. Auch in der Stiftung Liebenau fehlen Fachkräfte und Auszubildende, die die Bewohnerinnen und Bewohner betreuen und pflegen. Überlastung der bereits angestellten Kolleginnen und Kollegen ist die Folge. Wenn dann noch Krankheitsvertretungen und verdiente Jahresurlaube zusammenkommen, ist vielerorts die Schmerzgrenze überschritten. Mit Springersystemen, Talentscouts und vereinzelt ausländischen Fachkräften versucht man gegen das Problem anzugehen. bekommt von der Familie einer Schülerin ein lebendiges Huhn geschenkt, ein Zeichen großer Dankbarkeit. Und was sie theoretisch bereits auch wussten: Wer in Indien „Ja“ sagt, schüttelt mit dem Kopf. In Verhandlungen mit Einheimischen ist daher große Aufmerksamkeit gefragt. Auf den Philippinen, im kleinen Ort Toril, besteht Kontakt mit der Organisation KTEP (Kressbronn Toril Education Pro- Nun sollen systematisch Strukturen und Programme aufgebaut werden, um auch in Ländern außerhalb Deutschlands, gar außerhalb Europas, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu finden. Betraut mit dieser Aufgabe sind Frank Moscherosch und Sabine Münz. Moscherosch hat für diese Tätigkeit seine Aufgabe als Geschäftsführer der Liebenau Service reduziert. Münz ist seit einem halben Jahr neu bei der Stiftung Liebenau und bringt ihre Erfahrungen als Recruiterin mit. Organisiert ist die Aufbautätigkeit als „Abteilung International Training and Recruiting“. Im Fokus stehen aktuell Projekte auf den Philippinen und in Indien. In beide Länder sind die zwei inzwischen gereist. Sowohl auf den Philippinen als auch in Indien liegt der Schwerpunkt der Arbeit darauf, Deutschunterricht zu organisieren. Neuland im wahrsten Sinne des Wortes. Moscherosch Stiftungsvorstand Prälat Michael H. F. Brock bei Gesprächen über die Planungen für das Internat in Indien. 18 anstifter 1 | 2020

gram). Der Kressbronner Reinhold Kugel, dessen Frau Aurora aus Toril stammt, ist dort gemeinsam mit seiner Frau seit fast 30 Jahren in der Bildungsarbeit tätig. 20 ausgewählte College- Absolventinnen und -Absolventen sollen befähigt werden, die B2-Deutsch-Prüfung abzulegen. Sie können dann ab Herbst 2020 eine Ausbildung in der Altenpflege der Stiftung Liebenau beginnen. In Indien kam der Kontakt über die Bischöfe der Diözesen Rottenburg-Stuttgart und Kerala zustande. Zudem gibt es auch hier einen persönlichen Kontakt über Safi Powath, ein indischer Pfarrer in St. Peter und Paul in Ravensburg-Weissenau. Geplant ist mit dem Bau eines Deutschinternates ebenfalls eine langfristige Kooperation. Im Gegensatz zu den Philippinen handelt es sich in Indien um bereits ausgebildete Pflegefachkräfte. Die dortige Arbeitsmarktsituation ist angespannt, ein Ausweichen in den hinduistisch oder den muslimisch geprägten Teil des Landes kommt aus religiösen Gründen nicht in Frage. „Voraussichtlich im Frühjahr 2020 werden die ersten zehn Frauen nach Deutschland kommen können“, so Moscherosch. Circa 50 bis 60 Pflegefachkräfte pro Jahr sollen diese Chance erhalten. Das Klassenzimmer der Deutschklasse in Toril, Philippinen. Doch mit dem Deutschunterricht ist es noch nicht getan: „Wir möchten, dass die Menschen, die zu uns kommen, sich wohl und willkommen fühlen“, wünschen sich Moscherosch und Münz. Wenn die Formalitäten erledigt sind, beginne der noch wichtigere Part der Integration. Denn letztlich wird das direkte Arbeitsumfeld in den Häusern der Pflege entscheiden, wie willkommen sich die Menschen fühlen. (sdg) Impressionen aus Indien und von den Philippinen gibt es im Themendossier „Arbeiten in der Stiftung Liebenau“ unterwww.stiftung-liebenau.de/arbeiten Mit Springer-Teams gegen Engpässe Personelle Engpässe gibt es immer wieder – in jedem Unternehmen. Wie können solche Phasen entzerrt, Mitarbeitende entlastet und Dienstpläne verlässlicher werden? Die Stiftung Liebenau setzt dazu auf mehrere Bausteine. Einer davon ist im sozialen Bereich eher ungewöhnlich: Es sollen Springer-Teams gebildet werden. Das Ganze läuft zunächst als Modellprojekt innerhalb der Fachzentren der Liebenau Teilhabe in Rosenharz, Liebenau und Hegenberg. In diesen Fachzentren sind schon vereinzelt Springerinnen im Einsatz. Eine von ihnen ist die Heilerziehungspflegerin Julia G. (Name geändert). Sie war bisher vier verschiedenen Gruppen in Rosenharz zugeteilt. Die vielen Erfahrungen, die sie dadurch sammeln konnte, möchte sie nicht missen. „Ich habe viel für mich selbst dazu gelernt“, erzählt sie. „Man sieht in kurzer Zeit verschiedene Arbeitsweisen, Kollegen und Aufgabenstellungen. Das erweitert den Horizont. Dadurch weiß man genauer, in welche Richtung man sich beruflich entwickeln möchte.“ Freilich müsse man in der Lage sein, sich kurzfristig auf neue Situationen einzustellen und sich nach einer gewissen Zeit wieder zu verabschieden. „Springer lernen schnell ihrer eigenen Stärken und die große Vielfalt an Aufgaben in der Stiftung Liebenau kennen“, bestätigt Margarete Crönert, Leiterin des Fachzentrums Rosenharz. Zudem erhalten sie einen Flexibilitätszuschlag, sind von vielen organisatorischen Aufgaben befreit und können sich ganz den Menschen zuwenden. „Und sie sind in jedem Team willkommen.“ Margarete Crönert berichtet von guten Erfahrungen, wenngleich es manchmal nicht ganz einfach sei zu entscheiden, wo der Bedarf am größten ist. Ziel sei deshalb, bis zum Herbst einen attraktiven Springer-Pool zu bilden. Dieses Modell könnte dann auch auf andere Bereiche ausgedehnt werden, stellt Horst Schröter, Leiter des Sozial- und Rechnungswesens bei der Liebenau Teilhabe, in Aussicht. „Der Bedarf ist vielfach vorhanden“, weiß er. Klar sei auch, dass die Springer-Teams nicht die kurzfristigen Personalausfälle auffangen können, sondern vor allem für mittelfristige und absehbare Engpässe gedacht sind. Das Ziel beschreibt Horst Schröter so: „Wir wollen, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglichst verlässliche Arbeitszeiten haben.“ anstifter 1 | 2020 19

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