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Anstifter 1, 2020 der Stiftung Liebenau Österreich

Spiritueller Impuls

Spiritueller Impuls „Gut gemacht“ von Prälat Michael H. F. Brock Es war einmal und könnte es jeden Tag wieder sein. Ein Mensch wartet und ist angewiesen darauf, einmal wieder gelobt zu werden. So ein kleines „Gut gemacht“ wäre so wunderschön. Die Arbeit geht einfach viel leichter von der Hand, wenn sie auch bemerkt wird, dachte er. Und das stimmt ja auch. Ich kenne Menschen, die sehr verschwenderisch mit ihrem „Gut gemacht“ umgehen. Von denen hört man es so häufig, dass es schon fast nicht mehr stimmen kann. Jeden Tag alles „Gut gemacht“? Dann kann es auch zur Floskel werden, die dich nicht mehr lobt, sondern einfach „Lass mich ja in Ruhe“ bedeuten kann. Das wäre schade. Für uns Schwaben ist ein „Gut gemacht“ schon dann ausgesprochen, wenn nicht ausdrücklich getadelt wird. Das muss man aber auch erst einmal wissen und verkraften. Für Menschen, die unser „Schwäbisches Lob“ nicht so gut kennen, oft Anlass zur Traurigkeit. Denn da wirst du so gut wie nie gelobt. Über mich höre ich manchmal sagen: Von Ihnen hört man fast nie ein Lob, ein „Gut gemacht“ schon gar nicht. Das stimmt so nicht, denke ich mir im Stillen. Aber tatsächlich bedarf mein „Gut gemacht“ manchmal der Übersetzung: Warum traue ich Menschen etwas zu, verteile gerne Aufträge, lasse mich im Gespräch gerne beraten, suche ich die Nähe zu einem Menschen, höre ihm zu, oder lasse ihn einfach machen, oft auch ohne Worte? Mit Sicherheit manchmal mit einem Augenzwinkern, einem Lächeln, einer kurzen Geste, oder einfach der Einladung, eine kleine Pause miteinander zu verbringen – weil es so unendlich viele Möglichkeiten gibt, dieses ausgesprochene „Gut gemacht“ in Augenblicke hinein zu übersetzen, die einfach gut tun. Manchmal kann man es mit dem wirklich gut gemeinten „Gut gemacht“ keinem so richtig Recht machen. Menschen, die einem nahe stehen, wollen es gar nicht richtig. Sie schätzen den Augenaufschlag und die Nähe mehr als die Worte. Aber hin und wieder wollen auch sie es ausgesprochen haben: „Gut gemacht“. Und Menschen, denen wir eigentlich eher kritisch gegenüberstehen, gilt ein dann ausgesprochenes „Gut gemacht“ schon fast als Kritik für alles, was eben im Augenblick nicht zur Sprache kam. Was also tun mit dem kleinen Satz „Gut gemacht“? Vielleicht so viel: Er darf nicht zur Floskel werden, keinen abgenutzten überschwänglichen Gebrauch finden, der irgendwann unglaubwürdig wird. „Gut gemacht“ darf aber auch nicht zur Rarität werden, nur noch in höchster Not angewandt, um einen Menschen förmlich vor dem „Ertrinken“ zu retten. Dann käme der Satz zu spät. Ein guter Mix zwischen gespürter Empathie, wertschätzender Präsenz und Gesten des Zugewandt-Seins, geschenktem Vertrauen und einem ehrlich gemeinten „Gut gemacht“ wird das Geheimnis sein. Ich wünsche es einem jeden. Vor allem, dass man es spürt: „Es ist gut, dass es dich gibt.“ Dass „Gut gemacht“ keine Ausnahme, sondern eine wertschätzende Aussage für einen jeden ist. „Wer immer dich gemacht hat, er hat dich gut gemacht!“ Der Satz stimmt übrigens immer. 14 anstifter ÖSTERREICH 1 | 2020

Forum Einwandfrei 21-Tage-Challenge für ein positiveres Lebensgefühl „Nicht beklagen – Neues wagen“: Ein Armband mit dieser Aufschrift soll motivieren, bewusster mit den eigenen Worten umzugehen. Sobald der Träger jammert, sich beklagt oder beschwert (raunzt), muss er das Band an den anderen Arm wechseln. Die 21-Tage-Challenge, die Regionalleiterin Doris Kollar-Plasser für die Stiftung Liebenau initiiert und im Juli 2019 gestartet hat, bringt positive Energie und kommt gut an. Die Idee ist bekannt: Positives Verhalten und positive Rückmeldung stärken das Vertrauen in positivere Gedanken, ein Kreislauf, der zum Beispiel auch im Talmud beschrieben wird. Eine beschwerdefreie Welt Armbänder gegen das Beklagen und Beschweren verbreiten sich übrigens bereits seit 2006 weltweit: Will Bowen, Pfarrer einer kleinen Gemeinde in Kansas City, war im Rahmen seiner Gemeindearbeit aufgefallen, wie viele seiner Gemeindemitglieder sich jeden Tag beklagen und über andere lästern. Er erkannte, dass diese Art der Kommunikation den Jammernden zwar kurzzeitig zu mehr Aufmerksamkeit und der eigenen Profilierung in der Gruppe verhilft, das vermeintliche Leiden aber nur verstärkt. Er predigte eine positivere Haltung und das direkte Gespräch mit den Betreffenden. Achte auf deine Gedanken, denn sie bestimmen deine Worte. Achte auf deine Worte, denn sie bestimmen deine Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie bestimmen deine Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie bestimmen deinen Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er bestimmt dein Leben. Parallel verteilte er erste lila Armbänder zur Motivation. Entsprechend Will Bowens Vision trugen und tragen seine Armbänder die Aufschrift: „A Complaint Free World“. Armband bestellen Trainieren auch Sie eine positivere Haltung. Motivieren Sie andere durch Ihr Vorbild. Die Armbänder der Stiftung Liebenau mit der Aufschrift „Nicht beklagen – Neues wagen“ sind kostenfrei erhältlich bei doris.kollar-plasser@stiftung-liebenau.at, Tel.: +43 7612 64195-400. (Talmud) Relativ neu ist vor allem der haptische Aspekt, der das Begreifen greifbarer macht. Hinzu kommt, dass Challenges über die sozialen Medien im Trend liegen und sich daher Ältere wie Jüngere angesprochen und gefordert fühlen. Ziel der Challenge ist es, das Armband 21 Tage in Folge am gleichen Handgelenk zu tragen. Die meisten brauchen etwa vier bis acht Monate, bis ihnen 21 Tage ohne Jammern und Klagen in Folge gelingen. „Intern und extern berichten viele, dass sie das Armband anfangs bis zu 20 Mal pro Tag gewechselt haben“, sagt Doris Kollar-Plasser, die bereits mehr als 100 Bänder verteilt hat. „Aber alle sind begeistert von seiner Wirkung.” Ständig im Blick: Das Armband erinnert den Träger an das selbst gewählte Vorhaben. anstifter ÖSTERREICH 1 | 2020 15

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