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Anstifter 1, 2017 der Stiftung Liebenau

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Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Bildung, Familie, Gesundheit, Lebensräume, Pflege, Service und Teilhabe.

Stiftung Liebenau Familie Familie gesucht, Zuhause gefunden Passende Pflegefamilie gefunden: Micaela Ritter (rechts), Sozialpädagogin beim Betreuten Wohnen in Familien (BWF) in Singen, mit einer Pflegemutter, die ein Kind bei sich aufgenommen hat. Manche Eltern können ihr Kind mit Behinderung nicht selbst aufziehen. Für die Entwicklung dieser Kinder kann das Leben in einer Pflegefamilie oder Lebensgemeinschaft eine besonders wertvolle Lebensform sein. Auch manche erwachsene Menschen mit Behinderung wünschen sich diese Möglichkeit. Die passenden Menschen miteinander zusammenzubringen, ist die anspruchsvolle Aufgabe der Fachkräfte vom Betreuten Wohnen in Familien (BWF). Wenn das Telefon bei Micaela Ritter in ihrem Singener Büro klingelt, ist es nicht selten eine Fachkraft vom Landratsamt Konstanz. Dann nämlich, wenn im Rahmen der Eingliederungshilfe nach einer passenden Familie für einen Menschen mit Behinderung gesucht wird. Wie zum Beispiel für Emilie (Name geändert). Das einjährige Mädchen konnte nicht bei der Mutter bleiben und lebt in einer Bereitschaftspflegefamilie, die dem Jugendamt untersteht. Diese Form der Unterbringung ist jedoch zeitlich begrenzt. Emilie soll ein langfristiges Zuhause bekommen. An dieser Stelle beginnt die konkrete Arbeit für Micaela Ritter und ihre Kolleginnen. Die Sozialpädagogin beim Betreuten Wohnen in Familien (BWF) in Singen durchforscht den Pool von möglichen Pflege- und Gastfamilien. „Der ist gerade ziemlich leer“, schildert sie die aktuelle Situation. Denn der Mangel an Wohnraum – Voraussetzung für ein Betreuungsverhältnis – macht sich auch bei dem Dienst bemerkbar. Nachdem im Pool für Emilie niemand passgenau zu finden war, lief die konkrete Suche über Anzeigen. Bemerkenswert waren daraufhin die vielen Rückmeldungen. Für das kleine Mädchen war zwar nicht jeder geeignet. Dennoch: Es blieben noch drei ernsthaft in Frage kommende Familien. Ein Glücksfall. Eignung wird intensiv geprüft Um die Eignung als Pflegefamilie zu prüfen, müssen die Bewerber ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis und ein ärztliches Attest vorlegen, um Straftaten beziehungsweise Sucht- oder chronische Erkrankungen auszuschließen. Außerdem wird bei jedem Mitglied die Biografie erfasst. Bei einem Hausbesuch verschaffen Micaela Ritter und eine Kollegin sich einen persönlichen Eindruck von allen im Haushalt Lebenden: von den Kindern ebenso wie von den Eltern. Auch für die Räumlichkeiten interessieren sie sich, da schließlich für das neue Familienmitglied entsprechend Platz vorhanden sein muss. Grünes Licht vom Jugendamt Wenn das Jugendamt dem Vorschlag vom BWF-Team zustimmt, dann folgen für den Beziehungsaufbau zunächst kurze Besuche der neuen Familie. Springt der Funke über, steht der Betreuung fast nichts mehr im Wege. Dennoch hat die Familie – wie an jedem anderen Punkt der Bewerbung – noch die Möglichkeit, ihre Bewerbung zurückzuziehen. Denn manchmal wartet, wie bei Emilie, eine besonders große Herausforderung: Aufgrund der chronischen Erkrankung des behinderten Mädchens sind etwa längere Krankenhausaufenthalte nicht zu vermeiden. Ist die Familie weiterhin bereit, das Mädchen aufzunehmen, dann folgen der Ablösungsprozess von der bisherigen Pflegefamilie und der Übergang in die neue Familie. Micaela Ritter stellt aber klar: „Das Kind gibt die Geschwindigkeit vor.“ Probewohnen zeigt, ob‘s passt Der Dienst vermittelt Menschen jeden Alters: von Babys bis Senioren. Bei erwachsenen Menschen zeigt das vierwöchige Probewohnen, ob die Chemie zwischen beiden Seiten stimmt. „In den allermeisten Fällen passt es“, sagt Micaela Ritter. (ao) Kontakt: Betreutes Wohnen in Familien (BWF) Landkreis Konstanz, Telefon 07731 596962, bwf-singen@stiftung-liebenau.de Das BWF vermittelt Gast- und Pflegefamilien in den acht Landkreisen Ravensburg, Bodenseekreis, Konstanz, Lindau, Alb-Donau, Stadt Ulm, Schwarzwald-Baar-Kreis und Sigmaringen. 28 anstifter 1 | 2017

Stiftung Liebenau Service Fabian Schmidt in seinem Metier: Im Glashauscafé des Liebenauer Landlebens wird der 19-Jährige praxisnah auf sein späteres Arbeitsleben vorbereitet. Fit für den Job Jugendliche Köche im Liebenauer Landleben Pünktlich um fünf vor Acht steht Fabian Schmidt in der Küche des Liebenauer Glashauscafés. Jeden Morgen kommt der 19-Jährige mit dem Bus aus Hegenberg, wo er mit anderen Jugendlichen mit Behinderung in einer Wohngruppe zusammenlebt. Er ist einer von drei Teilnehmern des Berufsbildungsbereiches (BBB) der Liebenauer Arbeitswelten, die im Glashauscafé fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden. Wenn der große Ansturm auf den Mittagstisch beginnt, ist Fabian Schmidts Arbeit längst getan. Zumindest ist seine Fachpraxis, so nennt sich der betriebliche Teil seiner 27-monatigen BBB-Maßnahme, gegen Mittag beendet. Er hilft bei der Zubereitung der Menüs und Salatteller: waschen, schneiden, legen – fast wie beim Frisör. Und auch hier muss jeder Handgriff sitzen, die Kommunikation stimmen. Auf engstem Raum navigieren Schmidt und seine Arbeitskollegen mit großen Metallschüsseln und gefüllten Tabletts aneinander vorbei. Die wichtigsten Handgriffe hat der 19-Jährige schnell gelernt. Nach seiner Mittagspause geht es in der Berufsschule weiter, wo er sich das nötige theoretische Wissen draufschafft. Die Arbeit in der Küche macht ihm aber mehr Spaß. macht lediglich die versteckte Lage, Laufkundschaft ist hier nicht zu erwarten. 60 Mahlzeiten pro Tag Dabei ist das Angebot sehr abwechslungsreich. Insgesamt 60 Mahlzeiten werden jeden Tag zubereitet, die Gäste können aus zwei Menüs wählen, darunter immer ein vegetarisches. Langweilig wird es Fabian Schmidt da nicht: Er ist mächtig stolz auf seinen Job und hat inzwischen so viel Selbstvertrauen gesammelt, dass er am Wochenende schon mal seine Mitbewohner in Hegenberg bekocht. Wenn er nachmittags nach Hause kommt, ist er dafür aber meist zu geschafft und fällt erstmal auf sein Sofa. Hier wird Inklusion gelebt „Inklusion wird bei uns gelebt, die möchte ich nicht erklären“, sagt Karl Herzog. Der Leiter des Liebenauer Landlebens ist vom Konzept des Glashauscafés überzeugt: berufliche Bildung und ausgewogene Mahlzeiten aus regionalen Zutaten. Dass hier Jugendliche aus den Einrichtungen der Stiftung Liebenau die ersten Schritte in ihre berufliche Laufbahn wagen – ganz selbstverständlich. Im Schichtbetrieb des Cafés sind außerdem noch Mitarbeiter der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) beschäftigt. Das Projekt ist noch recht jung, aber die Arbeitsabläufe pendeln sich zunehmend besser ein. Probleme Erster Arbeitsmarkt als Perspektive „Die Küche hier im Landleben ist ganz übersichtlich, genau die richtige Größe, um unsere Jugendlichen nicht zu überfordern“, sagt Gabriele Grosspietsch. Sie betreut das Kooperationsprojekt mit dem Liebenauer Landleben für den Berufsbildungsbereich und möchte den Jugendlichen Raum für ihre persönliche Entwicklung geben, ihnen eine berufliche Perspektive auf dem ersten Arbeitsmarkt aufzeigen. Das liegt auch Karl Herzog am Herzen, der sich sicher ist: „Jemand, der bei uns drei Jahre den Laden schmeißt, kommt in jedem anderen Betrieb zurecht.“ (dk) anstifter 1 | 2017 29

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