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Anstifter 1, 2017 der Stiftung Liebenau

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Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Bildung, Familie, Gesundheit, Lebensräume, Pflege, Service und Teilhabe.

Stiftung Liebenau Lebensräume Inklusion im Quartier: Junge und ältere Bürgerinnen und Bürger, Menschen mit und ohne Behinderung leben in guter Nachbarschaft in der Gemeinde. Die Zukunft liegt im Quartier Inklusiv, gemeindenah und selbstbestimmt wohnen Ein nachbarschaftliches Miteinander von Jung und Alt, von Menschen mit und ohne Behinderung oder psychischer Erkrankung, und zwar inmitten der Kommune – dafür braucht es eine sozialraumorientierte Quartiersarbeit. Wie kann diese gestaltet werden, damit Inklusion gelingt? Und welche Erfahrungen gibt es schon hier vor Ort? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Fachtages im Ravensburger Schwörsaal, an dem auch die Stiftung Liebenau beteiligt war. Auch Menschen mit Behinderung sollen selbst entscheiden können, wo und mit wem sie wohnen wollen. Dabei sollen sie nicht verpflichtet sein, in besonderen Wohnformen – sprich: im Heim – zu leben. So steht es in Artikel 19 der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, und so sollen es Staat, Länder, Kommunen und Träger auch praktisch umsetzen. In den Städten und Gemeinden gehe es dabei um das Schaffen von „Barrierefreiheit im weitesten Sinne“, wie Ravensburgs Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp in seinem Grußwort zum Fachtag sagte und betonte: „Inklusion findet nicht irgendwo statt, sondern im Quartier.“ Finanzierung von Quartiersmanagern oder Gemeinwesenarbeitern, die die verschiedenen Angebote und Unterstützungsformen koordinieren, vermitteln und moderieren. Das sei so jedoch „noch nicht im Quellcode des sozialpolitischen Leistungskataloges verankert“, wie Jörg Munk, Geschäftsführer der Liebenau Teilhabe gemeinnützige GmbH, anmerkte. Deshalb gelte es, „der professionellen Quartiersarbeit die sozialpolitische Aufmerksamkeit zu verschaffen, die sie eigentlich verdient“, zumal sie nicht nur einen Lösungsansatz für die Thematik Inklusion, sondern auch für die aktuellen sozialpolitischen Themen Migration und älter werdende Gesellschaft darstellt. Trend zum gemeindenahen Wohnen Denn der Trend ist klar: weg von der ausschließlichen stationären Heimunterbringung, hin zum möglichst selbstbestimmten inklusiven Leben in der Gemeinde mit Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Dazu braucht es aber die entsprechenden günstigen und möglichst barrierefreien Wohnungen für Menschen mit Beeinträchtigungen und auch die Bereitstellung und Sozialminister: Pro Quartiersmanagement Dass dieses Anliegen in der Landespolitik angekommen ist, bekräftigte Manfred Lucha, der baden-württembergische Minister für Soziales und Integration. Mit dem Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetz und dem Landes-Behindertengleichstellungsgesetz seien inzwischen die ordnungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen worden. Nun gehe es darum, die 18 anstifter 1 | 2017

Stiftung Liebenau Lebensräume nächsten Schritte zu machen. Dabei sei die Quartiersentwicklung eines der Leuchtturmprojekte der Landesregierung: „Wir wollen einen Einstieg in ein strukturelles Quartiersmanagement“, kündigte Lucha weitere Weichenstellungen in diese Richtung an. „Gemeinsam aktiv“ in der Fischerwiese Bereits auf den Weg gebracht wurde im Rahmen des vom Sozialministerium aufgelegten Förderprogrammes „Impulse Inklusion“ das Projekt „GEMEINSAM AKTIV“. Initiiert vom ZfP Südwürttemberg und der Stiftung Liebenau wurden hierbei im Ravensburger Quartier Fischerwiese in Zusammenarbeit mit der Stadt und der Volkshochschule Ravensburg mehrere inklusive und sozialraumorientierte Angebote verwirklicht. So entwickelt sich die Wohnanlage Fischerwiese in der Ziegelstraße zum Ort der Begegnung von Menschen aus dem ganzen Quartier – ob beim Sport, bei Kochkursen, bei Kreativprojekten oder beim offenen Kaffeetreff. Sozialer Wohnungsbau ist wichtig Bei der Quartiersarbeit sind zwar in erster Linie Eigeninitiative und bürgerschaftliches Engagement gefragt, aber auch die professionelle Begleitung durch Quartiersmanager und entsprechende Rahmenbedingungen müssen gegeben sein: „Inklusion ist kein Selbstläufer“, meinte Dr. Michael Konrad, Geschäftsbereichsleiter Wohnen des ZfP Südwürttemberg. „Die Städte und Gemeinden müssen eine Förderung für den sozialen Wohnungsbau erhalten und sicherstellen, dass in Zukunft Menschen mit und ohne Behinderung zusammen leben und inklusive Quartiere entstehen.“ „Ansonsten“ – so Dr. Konrad - „haben wir schöne Unterstützungsformen, aber keinen Wohnraum“. Der Hilfemix macht’s Ob gesund oder krank, alt oder jung, mit Behinderung oder ohne: „Für alle Menschen ist es doch gut, wenn sie in einer ganz normalen Umgebung wohnen und möglichst viel Kontakt zu anderen Menschen haben“, betonte Gerhard Schiele (Stiftung Liebenau), der von den Erfahrungen der Quartiersarbeit in der Altenhilfe berichtete. Mit den „Lebensräumen für Jung und Alt“ habe die Stiftung Liebenau vor über 20 Jahren einen Paradigmenwechsel vollzogen. Dabei setzt man auf einen Hilfemix aus familiärer und nachbarschaftlicher Unterstützung sowie professionellen Dienstleistungen. Wie inzwischen wissenschaftlich belegt sei, werde dadurch Pflegebedürftigkeit vermieden oder zumindest hinausgezögert. Pioniere und Impulsgeber Mit großen Akteuren wie der Stiftung Liebenau oder dem ZfP gebe es gerade hier in der Region eine „enorme Kompetenz im Sozialbereich, wie sie in Deutschland vermutlich einzigartig sein dürfte“, meinte Daniel Rapp. Und auch Minister Lucha freute sich, dass die einstigen „Pioniere einer hochqualitativen stationären Versorgung“ nun auch „die Pioniere beim Leben im Quartier und bei der Inklusion“ seien. (ck) Bürgermeisterfachtag: Kommunale Pflege im Mittelpunkt „Wohin geht die Reise im Quartier?“ Das war auch das Thema des jüngsten Bürgermeisterfachtages der Stiftung Liebenau. 25 Rathauschefs informierten sich und nutzten die Gelegenheit zum intensiven Austausch. Dieser wurde von Expertenbeiträgen und einem Podiumsgespräch umrahmt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie man Pflege kommunal gestalten kann. Meckenbeurens Bürgermeister Andreas Schmid meinte, dass die Bewältigung der Herausforderungen am besten im gemeinsamen Schulterschluss von Kommunen, Bürgerinnen und Bürgern und innovativen, sozialen Anbietern gelingen könne. Hans-Jörg Rothen von der Bertelsmann Stiftung plädierte daher für den Aufbau effektiver Vernetzungsund Austauschstrukturen auf kommunaler Ebene. Für die Quartiersarbeit vor Ort, die Wohn- und Betreuungsangebote mit Aktivitäten und Ehrenamt in Gemeinden vernetzen und weiterentwickeln könne, bildeten solche einen wichtigen Bezugsrahmen. Im Bereich der sozialen Daseinsvorsorge müssten die Kommunen die geringen, aber vorhandenen Spielräume nutzen. Mit Einbindung der Akteure vor Ort könne so eine Vernetzung von ambulanten, stationären sowie sozialen Angeboten für eine altersgerechte Quartiersentwicklung auf den Weg gebracht und begleitet werden. Ein bundesweit beachtetes Beispiel für eine solche Struktur wurde von Hubert Plepla, Koordinator des seniorenpolitischen Gesamtkonzepts im Landkreis Unterallgäu, im Podiumsgespräch vorgestellt. Insgesamt waren sich die Diskussionsteilnehmer darin einig, dass neben der Finanzierungsfrage eine gute Vernetzung vor Ort an erster Stelle stehen müsse, um gemeinsam eine sozialraumorientierte Weiterentwicklung im Quartier voranzubringen. „Unsere Erfahrungen bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Projekte im Quartier bringen wir als Praxispartner in die landes- und bundespolitische Debatte weiterhin mit ein“, so Dr. Alexander Lahl, Geschäftsführer der Liebenauer Unternehmen im Bereich Pflege. (ud) anstifter 1 | 2017 19

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