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annalive 02/2015

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Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

4 DAS THEMA Zehn Jahre

4 DAS THEMA Zehn Jahre Hausgemeinschaften in der St. Anna-Hilfe Sich einfach zuhause fühlen Alltagsnah und individuell: Seit zehn Jahren leben die älteren Menschen in den damals neu erstellten Häusern in Stadl-Paura, Gmunden und Nüziders nach dem Konzept der Hausgemeinschaften in kleinen, familiären Gruppen. In der Wohnküche ihres Wohnbereichs kümmert sich eine Alltagsmanagerin um das Essen und den Haushalt, ist ständige Ansprechperson. Die Bewohnerinnen sehen, hören und riechen, was vor sich geht, beteiligen sich nach den eigenen Wünschen und Fähigkeiten oder sind einfach dabei. Im Laufe der Jahre wurde, sofern dies baulich möglich war, das Wohnen in kleinen Gruppen rund um eine gemeinsame Küche nachträglich auch auf andere Häuser der St. Anna-Hilfe übertragen. „Das Konzept hat sich bewährt“, resümiert Geschäftsführer Klaus Müller, „denn der Alltag selbst fordert die Menschen immer wieder aufs Neue.“ Gemeinsam mit Doris Kollar-Plasser, Regionalleiterin für Oberösterreich, erläutert er im folgenden Interview Hintergründe und Entwicklungen. Die Fragen stellte: Elke Benicke/Fotos: Inge Streif, Elke Benicke

5 DAS THEMA Mit der Realisierung des Hausgemeinschaftsmodells nimmt die St. Anna-Hilfe seit bereits zehn Jahren eine Vorreiterrolle in Österreich ein. Wie kamen Sie auf die Idee, dieses Konzept einzuführen? Klaus Müller: Damals haben wir von entsprechenden Modellen in Deutschland gehört und gelesen. Konkret kennengelernt haben wir das Konzept dann erstmals im Jahr 2003 beim Besuch der Bremer Heimstiftung und waren begeistert. Seitdem setze ich das Modell in allen Gesellschaften um, für die ich Verantwortung trage: In allen Häusern der St. Anna- Hilfe in Österreich, die wir neu erstellen, demnächst in St. Gallenkirch, aber auch in den Häusern der Stiftung Helios in der Schweiz, in den Häusern der Casa – Leben im Alter in Wien und Umgebung und der Stiftung Elisabetta in Südtirol. Doris Kollar-Plasser: In Bremen haben wir gesehen, wie die älteren Menschen trotz ihrer Pflegebedürftigkeit ihr Leben selbst bestimmen und dabei Zufriedenheit ausstrahlen. Dieses Konzept wollten wir auch für unsere Seniorinnen. Nach inzwischen zehn Jahren ist es mir immer noch eine besondere Freude, Kolleginnen aus anderen Einrichtungen bei der Einführung Modells zu begleiten. Was genau überzeugt Sie an dem Konzept? Klaus Müller: Unser Ziel ist es, den älteren, pflegebedürftigen Menschen ein Zuhause zu bieten, eine Umgebung, in der sie sich wohlfühlen. Das gelingt mit dem Hausgemeinschaftsmodell sehr gut. Doris Kollar-Plasser: Das Leben in den Hausgemeinschaften ist überschaubar und heimelig, soziale Kontakte ergeben sich leicht und schnell und auch verwirrte Menschen fühlen sich sicher und geborgen. In der Praxis zeigt sich dies zum Beispiel, wenn die Bewohnerinnen ihren Geburtstag feiern: Die meisten laden gerne Freundinnen aus den benachbarten Hausgemeinschaften zu sich „nach Hause“ ein. Klaus Müller: Außerdem liegt es ja nahe, so normal wie möglich zu leben. Früher hatten wir sehr viele Aktivitäten auf dem Programm. Doch in den Hausgemeinschaften erübrigt sich ein solcher Umfang. Es gibt täglich an sich schon viel zu tun, all die hauswirtschaftlichen Dinge, die ohnehin jemand machen muss und die allen Menschen vertraut sind. Aktivitäten ergeben sich von selbst und die Bewohnerinnen sind involviert, sehen, hören und riechen, was passiert, egal, ob sie sich aktiv beteiligen oder nicht. Ein großer Vorteil ist auch, dass die Alltagsmanagerin den ganzen Tag über präsent ist und den Bewohnerinnen, aber auch den Angehörigen als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht. Solch ein ständiges Beieinandersein ist aber vielleicht nicht Sache jedes (älteren) Menschen… Klaus Müller: Die Hausgemeinschaft ist nur ein Angebot. Jeder kann sich jederzeit auch in das eigene Zimmer zurückziehen. Auffällig ist, dass das die wenigsten wollen und machen. Das heißt, Hausgemeinschaften eignen sich für alle älteren Menschen? Doris Kollar-Plasser: Auch wenn es sich zunächst um eine Zweckgemeinschaft handelt, zeigt sich doch, dass es den älteren Menschen in diesem überschaubaren Rahmen leichter fällt, neue Freundschaften zu knüpfen. Wir erleben auch immer wieder, dass Bewohnerinnen neu eingezogene Mitbewohnerinnen willkommen heißen und auch den neuen Angehörigen in dieser anfangs eventuell schwierigen Situation zur Seite stehen. Dabei spielt es keine Rolle, was die Ursache für die Pflegebedürftigkeit ist. Jede wird willkommen geheißen und in die Gemeinschaft aufgenommen.

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