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annalive 02/2015

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Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

24 PRAXIS VORARLBERG

24 PRAXIS VORARLBERG Interview mit Dr. Dariusz Radziechowski, Seelsorger im Seniorenheim Schmidt Kranke brauchen Menschen Priester zu werden. Seelsorger, das heißt jemand zu sein, der für die Seelen sorgt. Ich erinnere mich an ein ganz kleines Erlebnis auf meiner Pilgerwallfahrt am Jakobsweg im Jahre 2009, als ich in einem kleinen Hostal zwei junge italienische Frauen getroffen habe, welche mich nach dem Psalter-Gebet fragten und wir dadurch in ein geistliches Gespräch kamen, welches mich tief beeindruckte und mich bewegte, meinen Weg weiter zu gehen. Dr. Dariusz Radziechowski (2.v.l.), hier bei seiner Admissio, der Aufnahmefeier für das Diakonat und Presbyterium (Priesterkollegium/Pfarrgemeinderat), die Anfang Mai in der Pfarre Gantschier stattfand. Dr. Dariusz Radziechowski, Seelsorger im Seniorenheim Schmidt. VANDANS – Seit einem Jahr ist der gebürtige Pole Dr. Dariusz Radziechowski Seelsorger im Seniorenheim Schmidt. Die älteren Menschen freuen sich über seinen Besuch und fühlen sich im Gespräch mit ihm aufgehoben. Im Interview mit Hausleiterin Andrea Jochum beschreibt er seine Motivation. Die Fragen stellte: Andrea Jochum Fotos: Andrea Jochum, Pfarre Hl. Josef, Gantschier Wie bist du in unser schönes Land gekommen? Dr. Dariusz Radziechowski: Nach der theologischen Ausbildung in Krakau und Rom trat ich im Jahre 2012 in eine Ordensgemeinschaft in Niederösterreich ein und begann eine interne Ordensausbildung, die ich in Saint-Jodard in Frankreich weitergeführt habe. Im Jahr 2014 suchte ich eine Pastoral-Praktikumsstelle und bin so nach Vorarlberg gekommen. Im Montafon beziehungsweise in Vandans war ich zum ersten Mal mit Beginn meines Pastoral-Praktikums im April 2014. Was hat dich bewogen, Seelsorger zu werden? Dr. Dariusz Radziechowski: Ich habe schon lange gespürt, dass ich einen geistlichen Beruf ausüben möchte. Während meines Studiums (Philosophie und Theologie) nutzte ich die Zeit nicht nur für die Wissenschaft, sondern suchte auch eine Antwort auf die Frage nach meiner Berufung. Schritt für Schritt ist mir dann klargeworden, dass es mein Wunsch ist, Ich bewundere, wie empathisch du mit unseren Bewohnerinnen umgehst. Woher kommt deine Beziehung zu den älteren hilfsbedürftigen Menschen? Dr. Dariusz Radziechowski: Ich glaube, Kranke, Behinderte und Ältere sollten keine Randgruppe sein. Im Gegenteil sollten wir gerade diesen Menschen Beachtung schenken. Für uns, die wir uns Christen nennen, sollte das besonders wichtig sein. Der Evangelist Matthäus schreibt die Rede von Jesus über die Endzeit mit Gedanken über das Weltgericht. Dort steht ganz klar, wie wichtig Krankenbesuche sind. Bedeutend ist auch ein Gespräch zwischen Jesus und einem Menschen, der schon lange krank war. Jesus hat ihn gefragt: „Willst du gesund werden?“ und der Kranke hat geantwortet: „Herr, ich habe keinen Menschen…“, das heißt: Kranke brauchen Menschen! Von 2008 bis 2009 war ich rund acht Monate Volontär in der Arche-Gemeinschaft in Bologna in Italien. In solchen Gemeinschaften leben Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Die Hausregel dort hat mich tief beeindruckt: Nicht da sein für die Kranken, sondern da sein mit ihnen.“ Ein „Grüß Gott“ oder ein fünf-Minuten-Gespräch kann manchmal wichtiger sein als ein teures Geschenk. Wo siehst du deine Zukunft? Dr. Dariusz Radziechowski: Ich antworte ganz kurz: Mit Gottes Hilfe möchte ich Priester in der katholischen Kirche sein. Wie müsste deiner Meinung nach die Kirche gestaltet werden, um wieder lebendig zu werden? Dr. Dariusz Radziechowski: Aber was bedeutet „lebendige Kirche?“ Kann man sagen, dass lebendige Kirche da ist, wo viel Action ist? Das muss nicht unbedingt ein echtes Zeichen von Lebendigkeit sein. Für mich bedeutet „lebendig“ immer, im Kontakt mit der Quelle zu sein, mit dem reinen Brunnen des Lebens, das heißt schlussendlich mit Gott selbst. Lebendige Kirche bekommt ihre Kraft durch Eucharistie, Gebet und Anbetung. Jedes Zeitalter ist eine Herausforderung für die Kirche. Sie muss neue Wege oder Methoden suchen, aber diese Quelle soll immer gleich bleiben. ❑

25 PRAXIS VORARLBERG 30 Jahre Pfortendienst: Porträt Schwester Hiltrud „Einfach do si für alle“ GAISSAU – Seit 30 Jahren betreut Schwester Hiltrud Winsauer die Pforte im St. Josefshaus. Die Bewohnerinnen und Besucherinnen des Pflegeheims schätzen ihre freundliche Art und die heimelige Atmosphäre am Empfang. Schwester Hiltrud selbst will neben ihren Aufgaben an der Pforte und ihrem Klosterleben „einfach nur do si für alle“. Text/Fotos: Carmen Bayer Schwester Hiltrud (Mitte) beim Scrabble mit Bewohner Hermann Dorner und Schwester Ida. „Als wir zur Pforte hereinkamen, hat uns Schwester Hiltrud gleich mit einem Lächeln empfangen“, schreibt die Angehörige Karin Mittelberger in einem Dankbrief an das St. Josefshaus. „Wir hatten viele schwere Momente auf der Suche nach einem Pflegeheim für unsere Mutter, doch dieses Lächeln hat auch unsere Pforte zum Herzen geöffnet und wir wussten: Hier sind wir richtig.“ Einmal mehr hat sich Schwester Hiltruds Leitsatz „sei immer Licht“ bewahrheitet und sie zu den „Lüta“ (Menschen) geführt. Seit 30 Jahren erteilt die inzwischen 85-jährige Ordensschwester Auskünfte am Empfang, nimmt Post oder Zeitungen entgegen und verteilt sie im Haus, vermittelt Telefongespräche ins Kloster (bis zum Umbau vor fünf Jahren auch ins Pflegeheim), hilft in der Cafeteria, übernimmt kleine Dienste für die Pfarrgemeinde und ist vor allem auch Gesprächspartnerin für Bewohnerinnen wie Besucherinnen. Strukturierter Tagesablauf, Jassen inklusive Wenn Schwester Hiltrud um acht Uhr morgens ihren Pfortendienst antritt, ist sie bereits seit drei Stunden auf den Beinen. Um fünf Uhr morgens macht sie einen ersten Rundgang durchs Erdgeschoss und öffnet die Türen. Gemäß ihrem Klosterleben absolviert sie die morgendliche Meditation, das Morgenlob Schwester Hiltrud Winsauer. und nimmt an der Eucharistiefeier teil, bis es um halb acht Uhr Frühstück gibt. Täglich unterbricht sie ihren Pfortendienst um zehn Uhr für einen Spaziergang. Nach dem Mittagessen ist die Pforte bis halb acht Uhr abends geöffnet und Schwester Hiltrud erreichbar – auch wenn sie nicht immer direkt hinter der Glasscheibe sitzt, sondern hin und wieder in der Cafeteria beim Jassen oder Spielen mit den Bewohnerinnen anzutreffen ist. Außerdem bastelt Schwester Hiltrud gern Weihnachts- und Beileidskarten, die sie kunstvoll bestickt und sie strickt und rätselt gern. Ein Leben für den Herrn und die Menschen Den inneren Ruf des Herrn hat Schwester Hiltrud bereits mit 19 Jahren verspürt und ist in das Missionskloster Gaißau eingetreten, wo sie drei Jahre später ihr Gelübde ablegte. Daraufhin wurde sie zehn Jahre im Kindergarten in Rheineck, vier Jahre im Exerzitienhaus in Kufstein, fünf Jahre im Kinderheim Feldkirch, neun Jahre im Vorarlberger Kinderdorf Au Rehmen und fünf Jahre im Pfarrhaus St. Columban in Bregenz „gebraucht“, wie sie selber formuliert. Ihren Dienst an der Pforte des Pflegeheims begann sie im Jahr 1985, fünf Jahre, nachdem das Haus erbaut wurde. Schwester Hiltrud ist als viertes von fünf Kindern in Kennelbach geboren und in Dornbirn aufgewachsen. Zwei ihrer Schwestern, Schwester Fides und Ida Winsauer, leben ebenfalls im St. Josefshaus. ❑

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