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annalive 02/2015

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Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

22 PRAXIS VORARLBERG

22 PRAXIS VORARLBERG Interview mit drei Ehrenamtlichen aus dem Seniorenheim Bartholomäberg „Da ist eine ganz besondere Kraft“ Gewöhnlich wechseln sich die drei Ehrenamtlichen Hedwig Amann, Gertrud Öttl und Edelburg Kogler (1.,3. u. 5. v.l.) mit ihren Besuchen ab: Jede kommt ein Mal pro Woche, jede an einem anderen Wochentag ins Seniorenheim Bartholomäberg. Nur an Festtagen sind sie gleichzeitig im Haus – oder zum Interview für die anna live, von dem dann auch die Bewohnerinnen profitieren. Hier im Bild: Irmi Frioli, Annelies Aßmann und Paulina Wachter (2., 4. u. 6. v.l.). BARTHOLOMÄBERG – In den Häusern der St. Anna- Hilfe sind ehrenamtliche Mitarbeiterinnen eine wichtige Institution. Bewohnerinnen wie Mitarbeiterinnen freuen sich auf ihren Besuch, das Gespräch oder die Aktivitäten, die sie anbieten. Hedwig Amann, Gertrud Öttl und Edelburg Kogler kommen seit über zwölf Jahren regelmäßig ins Seniorenheim Bartholomäberg und haben es mitgeprägt. Im folgenden Interview beschreiben sie ihre Motivation. Die Fragen stellte: Elke Benicke/Foto: Elke Benicke Wie sind Sie Ehrenamtliche im Seniorenheim Bartholomäberg geworden? Hedwig Amann: Da war dieses Kirchweihfest vor 13 Jahren. Zu dieser Zeit hatte ich gerade meinen zweiten Mann verloren und ich kam aus der Kirche. Da saßen drei Damen aus dem Seniorenheim auf dem Bänkle und ich fragte, ob ich mich dazusetzen dürfe. Eine der drei fragte mich, ob ich sie besuchen kommen würde und ich sagte „ja“. Seitdem komme ich und besuche alle, die das wollen, habe sie alle ins Herz geschlossen. Gertrud Öttl: Mein Mann lebte im Seniorenheim Bartholomäberg. Im Jahr 2006 ist er verstorben und ich bin weiterhin regelmäßig gekommen, fühle mich sehr wohl hier. Das Haus ist heimelig und persönlich, sehr familiär. Edelburg Kogler: Meine Tochter, Angelika Rudigier, arbeitet hier und ich komme immer gerne, wenn sie mich „ruft“, seit 18 Jahren schon. Hedwig Amann, 83 Jahre, hat zwei Männer überlebt. „Wo holt man Liebe?“, fragt sie und liefert die Antwort gleich selbst: „Bei lieben Menschen!“ Gertrud Öttl, 75 Jahre, hatte ihren Mann und jetzt noch eine Kusine ihres Mannes im Haus. „Ich bin einfach erfüllt, wenn ich vom Seniorenheim Bartholomäberg komme.“ Edelburg Kogler ist 65 Jahre. Ihre Tochter Angelika Rudigier arbeitet als Diplomsozialbetreuerin im Seniorenheim Bartholomäberg. „Mir geben die älteren Menschen viel. Da ist eine ganz besondere Kraft“, sagt sie. Wie oft kommen Sie ins Haus? Edelburg Kogler: Jede von uns kommt ein Mal pro Woche. Mit den Wochentagen wechseln wir uns ab. Was unternehmen Sie mit den Seniorinnen? Edelburg Kogler: Ich bringe oft meinen Hund mit ins Haus. Mit ihm haben die älteren Menschen immer viel Freude. Ansonsten machen wir mit den Bewohnerinnen, was gerade ansteht: begleiten sie auf Ausflügen, bereiten Geburtstage vor, färben Eier und binden Adventskränze mit ihnen oder singen gemeinsam. Hedwig Amann: Ein Mal im Jahr, am Fasching, ist Kaffeekränzchen mit Tanz und Musik. Das bereiten wir gemeinsam vor und schunkeln dann mit den Be-

23 PRAXIS VORARLBERG wohnerinnen. Das ist immer ein besonderer Spaß. Gertrud Öttl: Ich unterhalte mich gern mit den älteren Menschen. Wir sprechen über kleine und große Dinge, auch Politik. Ich gehe regelmäßig hoch ins obere Stockwerk und besuche dort die bettlägerigen Bewohnerinnen. Ich bringe Ihnen Blumen, Schokolade, Frauenzeitschriften. Die Leute freuen sich sehr darüber. Wenn’s dem Ende zugeht, bete und singe ich mit ihnen, halte ihnen die Hand. Einmal sagte eine Frau zu mir: „Geh, ich bin am Verrecken, ich brauche jetzt niemand!“ Ich meinte: „Jetzt grade brauchst du jemand!“ und habe mich zu ihr gesetzt. Wir haben noch viel geredet. An welche lustige Begebenheit erinnern Sie sich ganz spontan? Hedwig Amann: Einmal wollte mich ein Bewohner heiraten. Er brachte mir Gänseblümchen, erzählte, er sei Junggeselle. Er war sogar beim Pfarrer! Gertrud Öttl und Edelburg Kogler (lachen): Ja, das war lustig. Er hat einfach nicht locker gelassen. Wie gehen Sie mit schwierigen Situationen um? Edelburg Kogler: Ja, es ist nicht immer einfach. Wenn ich zum Beispiel mit einer an Demenz erkrankten Bewohnerin spreche und sie fängt plötzlich an zu schreien, will nur noch „heim“… Hedwig Amann: …in solchen Situationen bleibe ich an ihrer Seite, bis sie wieder ruhig ist, halte sie fest, wenn sie das will. Das hilft. Edelburg Kogler: Ich rede in einem ruhigen Ton weiter, versuche sie abzulenken. Gertrud Öttl: Manchmal ist es auch nicht einfach loszulassen, wenn Menschen sterben. Wir haben schon viele begleitet und ich lese auch viel über Sterbebegleitung. Hedwig Amann: Ja, das geht mir auch immer sehr nahe. Schön ist, wenn wir uns voneinander verabschieden können. Vielen Dank für das Interview, Frau Amann, Frau Öttl und Frau Kogler! ❑ Dank für ehrenamtliches Engagement BREGENZ - Der mittlerweile traditionelle Dankabend für die über 150 ehrenamtlich engagierten Menschen in den drei Bregenzer Pflegehäusern Weidach, Tschermakgarten und Mariahilf hat Ende Januar im Sozialzentrum Mariahilf stattgefunden. Stadträtin Elisabeth Mathis sowie die Geschäftsführer Harald Panzenböck von der Benevit und Klaus Müller von der St. Anna-Hilfe bedankten sich für die vielfältigen ehrenamtlichen Leistungen sowie das gute Zusammenwirken mit den Mitarbeiterinnen zum Wohl der Bewohnerinnen. ❑ Text: Markus Schrott/Foto: Petra Reiter Bedankten sich bei den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Pflegeheime Weidach, Tschermakgarten und Mariahilf (v.l.n.r.): Harald Panzenböck, Geschäftsführer der Benevit, Klaus Müller, Geschäftsführer der St. Anna-Hilfe, Stadträtin Elisabeth Mathis und Hausleiter Markus Schrott. Das Buffet ist eröffnet.

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