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annalive 02/2015

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Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

14 DAS THEMA Die Zukunft

14 DAS THEMA Die Zukunft im Auge: mögliche Entwicklungen in den Hausgemeinschaften Ideen, die sich an den Menschen orientieren Nach zehn Jahren Praxis hat sich das Hausgemeinschaftskonzept in der St. Anna-Hilfe als solide Basis für die institutionelle Pflege und Betreuung erwiesen. Dabei ist das alltagsnahe Leben nicht statisch festgeschrieben, sondern orientiert sich an den Menschen selbst. Zukunftsnahe Themen sind zum Beispiel der steigende Anteil von älteren Menschen mit Migrationshintergrund oder das Anspruchsdenken der Nachkriegsgenerationen. Text: Dr. Dennis Roth/Fotos: Inge Streif dass auch künftig eine hohe Nachfrage nach institutionellen Pflegeeinrichtungen besteht. Interne Leitgedanken Mit dem Hausgemeinschaftskonzept stellt die St. Anna-Hilfe das individuelle und alltagsnahe Leben der pflegebedürftigen Menschen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Pflege und Betreuung orientieren sich an der Biografie und den Gewohnheiten der Bewohnerinnen. Die Mitarbeiterinnen fördern ihre Die inhaltliche Weiterentwicklung der Hausgemeinschaften wird zum einen durch die gesellschaftlichen, kulturellen und demografischen Entwicklungen bestimmt, zum anderen durch das trägerinterne Verständnis von Betreuung und Pflege. Gesellschaftliche Entwicklungen Zu den äußeren Faktoren gehört zum Beispiel, dass die familiären Netzwerke weiter ab-, Singlehaushalte dagegen zunehmen und sich daher die Lebenszeit im privaten Umfeld im Falle der Pflegebedürftigkeit verkürzt. Während die höhere Lebenserwartung eine zunehmende Multimorbidität mit sich bringt, sorgen die Nachkriegsgenerationen für einen höheren Männeranteil in den Pflegeheimen und ein höheres Anspruchsdenken. Auch der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund nimmt zu. Zunächst und grundsätzlich weisen all diese Faktoren darauf hin,

15 DAS THEMA Selbständigkeit und achten ihre Bedürfnisse oder individuellen Vorlieben. In den Hausgemeinschaften leben zehn bis 16 ältere Menschen; die Ursache ihrer Pflegebedürftigkeit spielt keine Rolle. Im Fokus der einzelnen Einrichtungen steht die Inklusion, in den einzelnen Hausgemeinschaften ebenso wie im Sozialraum der jeweiligen Gemeinde. Ideen für künftige Hausgemeinschaften Ausgehend von den gesellschaftlichen, kulturellen und demografischen Entwicklungen in Wechselwirkung mit den internen Pflege- und Betreuungsrichtlinien ergeben sich folgende Überlegungen für die weitere Entwicklung der Hausgemeinschaften: • Mehr Kultursensibilität: Der Inklusionsgedanke sieht eine natürliche Durchmischung der Individuen vor. Ghettoisierungen sollen vermieden werden. Doch sollen Hausgemeinschaften mit ethnischen oder krankheitsspezifischen Schwerpunkten (zum Beispiel Demenz) nicht kategorisch abgelehnt, sondern immer wieder diskutiert werden. • Stärkere Öffnung nach außen: Architektonisch und auch inhaltlich sollen sich die Einrichtungen noch mehr dem Gemeinwesen hin öffnen, an ihrem Image arbeiten und die Einwohnerinnen des Stadtteils aufklären. • Privateres Wohnen: Rüstigere Bewohnerinnen sollen durch mobile Miniküchen oder individuelle Außengestaltungen der Eingangssituation noch mehr Autonomie und Privatsphäre erhalten. • Mehr Serviceleistungen: Das Angebot orientiert sich künftig an den Ansprüchen der Nachkriegsgenerationen, die sehr selbstbestimmt leben und deren anspruchsvolles Verhalten mehr Betreuungs- beziehungsweise Serviceleistungen fordert. • Multimorbidität: Die Zunahme der Multimorbidität, kürzere Verweildauern in den Krankenhäusern, weniger Rehabilitationsleistungen und fehlende familiäre Netzwerke stellen eine Herausforderung an die Qualifikation des Personals dar. Entsprechende Fortbildungen müssen gewährleistet sein. • Technik: Die kommenden Generationen bringen ein größeres Verständnis für Technologien mit und setzen deren Einsatz voraus. Außerdem gilt es, die neuen Informations- und Kommunikationsmittel für den Einsatz in Betreuung und Pflege zu prüfen. ❑

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