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annalive 02/2015

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Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

12 DAS THEMA Beweglich

12 DAS THEMA Beweglich bleiben und dazu motiviert werden Kaum sitzt Frau P. betritt die Physiotherapeutin den Wohnbereich und holt zuerst Herrn P. auf einen Spaziergang mit dem Rollator ab. Nach einer Viertelstunde kommt er von seinem Ausflug zurück, ist total geschafft. „Hast’s gschafft?“, fragt eine Bewohnerin einfühlsam. „Guat hast’s g’macht!“, lobt eine andere. „Willst ned nochmal gehn?“, stichelt seine Frau. Doch jetzt ist erstmal Frau G. dran, die nicht mehr gehen, aber mit etwas Mühe noch stehen kann. „Komm Resi, i hab’s a können“, spornt Herr P. sie an und wird von mehreren in der Runde bestätigt. Frau G. lacht, bleibt kurz stehen, lässt sogar den Rollator los, klatscht dabei in die Hände und bekommt spontanen Applaus. „Wir versuchen, alle unsere 80 Bewohnerinnen zu mobilisieren, die Gemeinschaft hilft dabei“, sagt Pflegedienstleiter Arno Buchsbaum. „Das Argument, jemand könne sich nicht bewegen, ist kein Argument mehr. Mittels Hebelifter und Maxichair können wir heute sogar bettlägerige Menschen mobilisieren.“ Im Kastanienweg findet die Physiotherapie für die einzelnen Bewohnerinnen nicht im Wohnbereich der Hausgemeinschaft statt, sondern zu Einzelterminen in der hausinternen Physiotherapie. Selbstverständlich ist die Mobilisation auch im Kastanienweg ein großes Thema, so, wie in allen Hausgemeinschaften und Wohngruppen der St. Anna-Hilfe. Dass ständiges Motivieren schließlich von Erfolg gekrönt wird, zeigt das Beispiel von Frau M.: Eifrig läuft sie im Nepomukweg des Hauses St. Josef mit dem Gehwagensessel durch die Gänge und ist kaum zu bremsen. „Sie ist froh, ihrer Unruhe wieder davonlaufen zu können“, erklärt Hausleiter Thomas Adler. „Als sie zu uns kam, war sie bettlägerig, stark sturzgefährdet, unruhig und schwach. Den Rollator- Sessel hat Frau Kollar aus dem Schweizer Pflegeheim Helios mitgebracht. Er ist sicherer als ein Rollator und das richtige Fortbewegungsmittel für Frau M., die mit ihm wieder laufen gelernt hat.“ Höhepunkt jeden Tag. Noch wichtiger aber ist, dass die älteren Menschen beim Kochen dabei sein können. Und dass sie einen Ansprechpartner haben, jemanden, mit dem sie reden können, einfach so, ohne großen Anlass.“ Um 12 Uhr gibt es auch im Kastanienweg Mittagessen. Während der letzten Stunde hatten sich einige der Bewohnerinnen in ihre Zimmer zurückgezogen, zusammen mit dem Auszubildenden auf dem Sofa ein wenig ferngeschaut oder die Hasen im Garten gestreichelt. Jetzt herrscht emsiges Treiben, denn alle kehren an ihre Tische zurück. Als die Bewohnerinnen sitzen, hält auch das Personal inne. Gemeinsam sprechen sie ein kurzes Tischgebet. „Wir sind zwar nicht alle 100 Prozent gläubig, machen aber alle mit“, bemerkt eine der älteren Damen, „denn wir gehören ja zusammen.“ Das Mittagessen: ein Höhepunkt Um 11.45 Uhr richtet Romy Rosenauer die Teller. Sie weiß, wer etwas mehr isst, wer weniger, wer einen Teller mit Rand braucht, wer ohne klarkommt. Wenig später wird sowohl die Suppe als auch der Fisch mehrstimmig gelobt. Die Alltagsmanagerin des Gartenwegs freut sich: „Das Essen ist wichtig, ein Und danach? Besuch für alle „Nach der Mittagsruhe gibt es Kaffee und Kuchen. Dann kommen auch viele Angehörige“, sagen Romy Rosenauer und Christine Katzenmayer einhellig. „Sie schätzen sehr, dass es hier so familiär zugeht und sagen das auch. Wir binden sie ein und sie sind froh, wenn sie etwas tun können. Da sie sich meist im Wohnbereich aufhalten, profitieren auch die anderen Bewohnerinnen von ihrem Besuch.“ ❑

13 DAS THEMA Warum Hausgemeinschaften auch kleine, familiäre Pflegeheime aufwerten Mit allen Sinnen den Alltag leben Nur 13 ältere Menschen leben derzeit im Pflegeheim Innermontafon. Alle kennen sich, die Stimmung ist familiär und in der wohl kleinsten Großküche Vorarlbergs wird jeden Tag frisch gekocht. Die Bewohnerinnen und ihre Angehörigen bestätigen die hohe Lebensqualität, die das alte Haus zu bieten hat. Im neuen, derzeit im Bau befindlichen Haus soll das Konzept der Hausgemeinschaften weitere Vorteile bringen. Hausleiter Florian Seher erklärt, warum und welche Rolle die Sinne dabei spielen.. Text: Florian Seher/Foto: Felix Kästle Ab dem nächsten Frühjahr bietet das Pflegeheim Innermontafon 32 älteren, pflegebedürftigen Seniorinnen ein neues Zuhause. Statt 13 teilen sich dann 16 Personen je einen Wohnbereich. Eine Großküche, und sei es die kleinste Vorarlbergs, wird es allerdings nicht mehr geben. Stattdessen bereitet eine Betreuerin und Köchin, nämlich die Alltagsmanagerin, das Essen für „ihre“ Bewohnerinnen in der gemeinsamen Wohnküche zu. Sie ist den Tag über präsent und Ansprechpartnerin für alle großen und kleinen Anliegen der Bewohnerinnen und ihrer Angehörigen. Involviert sein Auch für die Wäsche der Bewohnerinnen sind künftig die Mitarbeiterinnen im Wohnbereich zuständig. Statt wie bisher im Keller waschen und bügeln sie dann dort. So erleben die älteren Menschen alle Aktivitäten des täglichen Lebens vor Ort in ihrer Hausgemeinschaft: vom Schlafen über das Kochen und Essen, das Waschen und Bügeln, die eigenen Besuche und die der anderen oder das gemütliche Beisammensein beim Plaudern. Schon am Vormittag können sie schmecken, sehen und hören, was es zu Mittag gibt, Tipps geben oder von alten Rezepten berichten. Selbst, wenn etwas anbrennt, sind alle involviert und gemeinsam um ein Erlebnis reicher. Ein Wurstbrot zwischendurch ist schnell gemacht und das Kuchen- oder Plätzchenbacken kein Programmpunkt mehr, sondern Teil des Alltags. Für ein lebendiges Wohnen Pflegende, Alltagsmanagerinnen, Hauswirtschaftsund Reinigungskräfte, Zivildiener und Praktikantinnen kümmern sich – jede in ihrem Bereich – gemeinsam um die Arbeit in der jeweiligen Hausgemeinschaft. Bei Dienstbesprechungen sind alle Berufsgruppen anwesend, tauschen sich aus und finden Lösungen. Indem sie ihren Arbeitsalltag in den Wohnbereich verlagern, erleben auch die älteren Menschen den Alltag intensiver. Gemeinsames Ziel ist es, eine lebendige Wohngemeinschaft für die Bewohnerinnen zu schaffen. Denn selbst wenn diese sich nicht mehr aktiv beteiligen können, sind sie doch mit allen Sinnen dabei. ❑

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