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annalive 02/2014

Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

18 FORUM Porträt:

18 FORUM Porträt: Jeannette Pamminger, Personal- und Individuations-Trainerin bei der connexia „Wenn es den Mitarbeiterinnen gut geht, geht es auch den Bewohnerinnen gut“ Seit zwölf Jahren trainiert Jeannette Pamminger Führungsleute und bereichsübergreifend alle Mitarbeiterinnen in Wahrnehmender Unternehmenskultur (WUK) und Bewohnerorientiertem Arbeiten (BOA), die verkürzte Version von WUK. Ihr Motto ist zugleich das Ziel ihrer Trainings: „Achtsamkeit und wertschätzende Grundhaltung, beginnend bei der Führung bis in alle Bereiche einer Einrichtung. Geht es den Mitarbeiterinnen gut, geht es in der Folge auch den Bewohnerinnen gut.“ Anlässlich ihres bevorstehenden Abschieds von der connexia blickt sie auf die Anfänge ihres Projekts zurück und stellt ihren Nachfolger vor. Text: Elke Benicke/Fotos: Markus Schrott, privat Jeannette Pamminger sprüht vor Energie: Sie zieht Bücher aus dem Regal, sucht im Computer nach Unterlagen und betont mit der ihr eigenen Eloquenz, was ihr wichtig ist im Zusammenhang mit WUK und BOA. So hat sie im vergangenen Jahrzehnt wohl auch die jeweils komplette Belegschaft sechs Vorarlberger Häuser der St. Anna-Hilfe und die Mitarbeiterinnen weiterer sechs Pflegeheime im Ländle von den Vorteilen einer wahrnehmenden, wertschätzenden Kultur begeistert und überzeugt. Jede Einzelne ist Teil der Unternehmenskultur Zuvor, in den Jahren 2001 und 2002, war sie selbst an der Entwicklung des Projekts in Tirol beteiligt. „Doch dort ging es lediglich um die Schulung des Pflegepersonals. Die Führungskräfte zum Beispiel waren außen vor, ebenso die Reinigungskräfte“, erinnert sich Jeannette Pamminger. „Aus meiner eigenen beruflichen Erfahrung als Pflegedienstleiterin wusste ich, dass man alle Mitarbeiterinnen einbeziehen muss, sonst kann keine Kultur, kein gemeinsamer Geist entstehen. Ich wandelte das Projekt mit dem Namen „Wahrnehmende Pflege und Betreuung“ also um in „Wahrnehmende Unternehmenskultur“ und implementierte es in Vorarlberg.“ Wissenschaftlich bestätigter Erfolg Jeannette Pamminger konnte das Land und andere Geldgeberinnen von ihrem Vorhaben überzeugen. Kurz darauf startete das Pilotprojekt WUK im Pflegeheim Nenzing, Lustenau Hasenfeld und Schützengarten, begleitet von einem Team an Fachleuten unter der Leitung von Prof. Dr. Frederic Fredersdorf, Sozialforscher an der Fachhochschule Dornbirn. Die anschließende Evaluation, nicht nur der Mitarbeiterinnen sondern auch der Bewohnerinnen, der Angehörigen und aller Systempartnerinnen, bestätigte Jeannette Pamminger, Trainerin bei der connexia, blickt zurück. den Erfolg dieser ersten dreijährigen Schulung und Begleitung. Dieser erste Erfolg wiederum bestätigte Jeannette Pamminger: „Wenn ich in ein Haus komme, spüre ich sofort, welche Haltung gelebt wird. Ich spreche dies auch offen an. Denn das Wichtigste, und das wiederhole ich unermüdlich, ist die gegenseitige Achtsamkeit und Wertschätzung.“ Von der Selbstpflege zur Bewohnerorientierung In den Schulungen zu WUK oder BOA trainieren die Teilnehmerinnen zunächst die Eigenwahrnehmung und den positiven Umgang mit sich selbst. Sie lernen die eigenen Fähigkeiten zu fördern und Stresssituationen zu bewältigen. Im zweiten Modul geht es um die Beziehung zu den Bewohnerinnen, um wertschätzende, gewaltfreie Kommunikation, konstruktive Kritik- und Konfliktkultur sowie um den bewussten Umgang mit Nähe und Distanz. Das abschließende Modul „Pflegeprozess und -planung, -dokumentation von BOA/WUK im Kontext von BESA“ richtet sich dann tatsächlich nur an die Pflegekräfte. Eine Top-Qualifizierung sei natürlich „enorm wichtig“, betont Jeannette Pamminger. „Wer außerdem achtsam und wahrnehmend ist, der hört, sieht und spürt, was die Bewohnerin braucht oder wo ein Risiko besteht. WUK und BOA fördern diese Kompetenz, um dann auch professionell die richtigen Maßnahmen zu setzen. Aus meiner Sicht ist dies ein Weg, unnötige Bürokratie zu reduzieren.“

19 FORUM Nachfolger mit „super Feedbacks“ Jeannette Pamminger redet, erklärt, gibt Buchtipps (siehe Kasten). Will sie ihren Beruf, der offensichtlich auch Berufung ist, wirklich aufgeben? „Ja. Ich brauche eine neue Herausforderung, bin ja schon seit 1990 in der und für die Pflege und mit Demenz beschäftigt. Ich habe viel gegeben und viel erreicht. Jetzt ist es Zeit für etwas anderes.“ Nur nebenbei erwähnt die lebhafte, elegante Frau, dass sie ja auch schon 67 Jahre alt sei. Was sie als nächstes in Angriff nehmen will, darüber spricht sie nicht. Doch wer ihr Nachfolger bei connexia sein wird, das weiß sie schon ganz genau: „Walter Fink, er ist Haus- und Pflegedienstleiter in Sulzburg, lebt die gleichen Grundwerte wie ich und erfüllt das Anforderungsprofil für meine Nachfolge. Er ist 51 Jahre alt, seit drei Jahren Co-Trainer bei der connexia und bekommt super Feedbacks!“ ❑ Jeannette Pamminger feiert mit Mitarbeiterinnen des St. Josefshauses in Gaißau den erfolgreichen Abschluss der BOA-Schulung (siehe auch Seite 24). Grundsätze Wahrnehmender Unternehmenskultur (WUK) • Nur gestärkte Menschen sind in der Lage, andere zu stärken. • Nur motivierte Menschen sind imstande, andere zu motivieren. • Nur optimal geförderte Menschen sind imstande, andere optimal zu fördern. WUK ist auf drei Jahre angelegt. Bewohnerorientiertes Arbeiten (BOA) ist die verkürzte Version von WUK mit einer Dauer von eineinhalb Jahren. Buchtipps von Jeannette Pamminger - „Wahrnehmende Unternehmenskultur“ von Prof. Dr. Frederic Fredersdorf, Dr. Martina Battisti, Christine Ringler, 2006, Facultas Fach- und Buchhandels AG, Wien - „Was wir sind und was wir sein könnten. Ein neurobiologischer Mutmacher“ von Prof. Gerald Hüther, 2011, Verlag S. Fischer

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