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annalive 02/2014

Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

14 FORUM St. Anna-Hilfe

14 FORUM St. Anna-Hilfe gibt Rückendeckung Haus San Marco in Bad Goisern schließt seine Pforten Die Enttäuschung am vermeintlichen Übergangsstandort in Bad Goisern war groß, als Mitarbeiterinnen, Bewohnerinnen und Angehörige Anfang Dezember erfahren haben, dass das Haus San Marco nun tatsächlich endgültig schließen muss. Gleichzeitig machte die Nachricht der monatelangen Ungewissheit ein Ende. Inzwischen wissen alle älteren Menschen, wohin sie Ende August ziehen und auch viele Mitarbeiterinnen haben durch eigene Initiative oder mit Unterstützung der St. Anna- Hilfe bereits eine neue Anstellung gefunden. Text: Elke Benicke/Fotos: Bernadette Peitler „Viele der 28 Bewohnerinnen haben im Laufe der Jahre feste Beziehungen zu den Mitbewohnerinnen und dem Personal geknüpft. Sie wollten einfach zusammenbleiben“, berichtet die Pflegedienstleiterin Andrea Sams. „Den Angehörigen war das ein so großes Anliegen, dass sie gemeinsam einen Brief an den Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer verfasst haben. Bürgermeister Peter Elmar hat vermittelt und natürlich haben sich auch Frau Kollar-Plasser (Regionalleiterin der St. Anna-Hilfe für Oberösterreich, Anm.d.Red.) und Herr Müller (Geschäftsführer der St. Anna-Hilfe, Anm.d.Red.) für uns eingesetzt.“ Der Aufwand hat sich gelohnt: Zwei Drittel der älteren Menschen und die Hälfte der Pflegekräfte aus dem Haus San Marco ziehen im August gemeinsam in das vom Sozialhilfeverband Gmunden neu erbaute Haus der Sarsteinerstiftung nach Bad Ischl. Aufgrund der räumlichen Nähe zu ihren Angehörigen bleiben acht ältere Menschen auf eigenen Wunsch in Bad Goisern, haben dort einen Platz im evangelischen Pflegeheim bekommen. Eine Bewohnerin zieht nach Gmunden ins Haus St. Josef und ein Bewohner nach Stadl Paura ins Sozialzentrum Kloster Nazareth. Unterstützung bei der Neuorientierung „Selbstverständlich unterstützen wir unsere Mitarbeiterinnen bei der Suche nach einer neuen Anstellung und freuen uns, dass es für viele bereits bei der Sarsteinerstiftung geklappt hat“, sagt die Regionalleiterin Doris Kollar-Plasser. „Wir haben eine weitere Großbewerbung an das Kurzentrum Bad Goisern, dessen Träger die Künig GmbH in Kufstein ist, geschickt. Auch dort haben viele unserer Mitarbeiterinnen, insbesondere auch die Hauswirtschaftskräfte, gute Aussichten auf eine Anstellung.“ Vier Pflegekräfte, darunter auch die Pflegedienstleiterin, werden von der St. Anna-Hilfe übernommen. „Ich habe ja immer von einer eigenen Palliativstation im Haus geträumt. Jetzt freue ich mich stattdessen auf die neuen Herausforderungen in anderen oberöster- Das Haus San Marco in Bad Goisern schließt auf Ende August.

15 FORUM Bewohnerinnen im Haus San Marco bei der Sitzgymnastik. reichischen Häusern der St. Anna-Hilfe, wo ich eventuell einen Teil der Palliativpflege übernehmen kann“, sagt Andrea Sams. Auch ihre Kollegin Maria Ebser ist guten Mutes und freut sich darauf, ab September ihr Wissen und ihre Erfahrungen als M.A.S-Trainerin (Morbus Alzheimer Syndrom) an die Mitarbeiterinnen in der St. Anna-Hilfe weitergeben zu können. Langes Ringen um das Haus San Marco „Aufgrund der hohen Pflegequalität war die Nachfrage nach Pflegeplätzen in unseren Häusern immer hoch. Leider standen laut des Bedarfs- und Entwicklungsplans der Bezirkshauptmannschaft Gmunden nicht genügend Plätze zur Verfügung“, bedauert Geschäftsführer Klaus Müller. Mit der Schließung des Hauses San Marco in Bad Goisern hat ein langes Ringen um einen Neubau des Josefsheims und des Hauses San Marco in Bad Ischl, haben viele Hoffnungen und schließlich die Enttäuschung ein Ende gefunden. Als die St. Anna Hilfe im Jahr 2001 das traditionsreiche Alten- und Pflegeheim von der Kongregation der Borromäerinnen übernommen hatte, war klar, dass die rund 100 Jahre alten Gebäude für eine moderne Pflege nicht dauerhaft geeignet sind. Eine lange Geschichte ohne Happy End Um das Haus bis zur Realisierung eines Neubaus dennoch fachgerecht nutzen zu können, investierte die St. Anna-Hilfe bis 2007 immer wieder in kostspielige Modernisierungen. Im Herbst 2008 standen jedoch umfangreiche Brandschutzmaßnahmen an, die am alten Haus nicht mehr umgesetzt werden konnten. In Gesprächen mit der Stadt Bad Ischl, dem SHV (Sozialhilfeverband) und der Sozialabteilung des Landes wurde der Neubau geplant. Im Februar 2009 sagte der damalige Landesrat (jetzt Landeshauptmann-Stellvertreter) Josef Ackerl der St. Anna-Hilfe die sozialhilferechtliche Berücksichtigung von zwei bis drei Wohngruppen zu. Daraufhin beschloss die Geschäftsführung der St. Anna-Hilfe den Neubau. Zeitgleich wurden – ohne Beteiligung der St. Anna- Hilfe – weitere Gespräche innerhalb des SHV geführt. Sie gipfelten in dem Beschluss, die vom Landesrat in Aussicht gestellten Plätze nicht für die St. Anna- Hilfe, sondern für den Neubau der Sarsteinerstiftung zu verwenden. Die Veränderung bringt neue Herausforderungen Obwohl ihr der Abschied von den Bewohnerinnen und Mitarbeiterinnen schwer fällt, sieht Andrea Sams nach vorn: „Viele sind bereits gut versorgt und bereit, sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Die anderen bekommen Rückendeckung von der St. Anna-Hilfe. Es ist eine Veränderung für uns alle, eine neue Situation.“ ❑

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