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annalive 02/2013

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Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

4 DAS THEMA Belegt:

4 DAS THEMA Belegt: Sport fördert die Mobilität auch bei älteren Menschen Mehr Bewegung – mehr lebensqualität „Ach, was soll ich denn in meinem Alter noch mit Sport anfangen? Das lohnt doch nicht und ist mir auch viel zu anstrengend!“ – wer so denkt oder redet, beschneidet sich in seinem eigenen Aktionsradius. Denn besonders im Alter können schon kleine körperliche Aktivitäten dazu beitragen, die eigene Handlungsfähigkeit zu erhalten. Wichtig ist vor allem das regelmäßige Training, ganz egal, ob dies im Alltag, mit einem Sportgerät, beim Spiel oder in einem Gymnastikkurs realisiert wird. Dass, warum und wie unterschiedliche Bewegungstherapien die körperliche, geistige und soziale Mobilität von pflegebedürftigen Seniorinnen erhalten und verbessern, hat Dieter Muther, Hausleiter des Seniorenheims Bartholomäberg, im Rahmen seines letztjährigen Lehrgangs an der Donau-Universität Krems anhand schon bestehender Studien, aber auch praxisnah untersucht und in einem Fachbuch veröffentlicht – hier ein Einblick. Text: Elke Benicke/Foto: Felix Kästle, Dieter Muther

5 DAS THEMA „Bewegung ist Leben. Leben ist ein Prozess. Verbessere die Qualität des Prozesses und du verbesserst die Qualität des Lebens selbst.“ (Moshé Feldenkrais, Physiker, Neurophysiologe und Judolehrer) „Der Einzug ins Heim sollte nicht bedeuten, dass sich der ältere Mensch nun im Alltag noch weniger bewegen und von jeglicher sportlichen Betätigung Abstand nehmen sollte, sondern genau das Gegenteil“, betont Dieter Muther. Im Seniorenheim Bartholomäberg gibt es keinen Aufzug, und so ist es für die Bewohnerinnen besonders wichtig, so lange wie möglich mobil zu bleiben. „Das tägliche Treppensteigen selbst ist ein gutes Training“, sagt er, „deshalb gibt es bei uns im Haus trotz hoher Pflegestufen kaum bettlägerige Bewohnerinnen.“ Krafttraining zur Sturzprophylaxe Es ist erwiesen, dass körperliche Aktivität einen gesundheitlichen Nutzen bringt, die Morbidität verringert und sich lebensverlängernd auswirken kann. Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert die Kondition, fördert ein stabiles Herz- und Kreislaufsystem, beugt Osteoporose (Knochenschwund), Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) vor, senkt den Blutdruck, Blutzucker und Cholesterinspiegel und stabilisiert das Immunsystem. Aber auch psychische Funktionen und die psychosoziale Gesundheit werden durch Krafttraining aufrechterhalten oder sogar verbessert. Dieter Muther hat in seiner Masterarbeit dazu verschiedene Studien verglichen und selbst eine leitfadengestützte Umfrage im eigenen sowie in einem Tiroler Heim durchgeführt. Er betont, dass älteren Menschen vor allem auch ein regelmäßiges Kraft- und Gleichgewichtstraining zugutekommt, da es die Knochendichte erhält, die Muskelmasse erhöht und die Muskelkraft fördert und so die Risikofaktoren für Stürze vermindert. „Im anstehenden Neubau des Seniorenheims Bartholomäberg bieten wir zu diesem Zweck Trainingsmöglichkeiten an Kraft- und Bewegungsgeräten“, kündigt Dieter Muther an. Selbstständig durch verknüpfte Übungen In seiner Anschlussarbeit verweist der Bartholomäberger Hausleiter insbesondere auch auf die Studie „Selbstständig im Alter für Pflegeheimbewohnerinnen“, kurz SimA-P ® , die kognitive, psychomotorische und entspannende Übungen miteinander verknüpft. Das Konzept zu SimA-P ® entwickelte Prof. Dr. Wolf D. Oswald am Institut für Psychogerontologie der Universität Nürnberg-Erlangen. Im Jahr 2006 belegte er, dass sich die psychomotorische Leistungsfähigkeit eines Großteils seiner 300 älteren Probanden bereits nach sechs Monaten signifikant verbessert hatte und Altersstürze um 50 Prozent unter dem Durchschnittswert lagen. Konkret geht es darum, dass sich die Seniorinnen nach aufwärmenden Bewegungsübungen anhand mitgebrachter Gegenstände oder Naturmaterialien mit einem bestimmten Thema beschäftigen und zum Ende der Stunde bei einem Gedicht oder einem Lied entspannen. Derzeit findet SimA-P ® bereits regelmäßig im Seniorenheim Bartholomäberg statt (siehe dazu auch den Beitrag in der „anna live“ 1/2013, Seite 22) und soll im neuen Heim noch öfter angeboten werden.

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