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annalive 02/2013

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Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

20 PRAXIS VORARlBERG

20 PRAXIS VORARlBERG Neue ehrenamtliche Gruppe verpflichtet sich zum Besuchsdienst Sich regelmäßig auf ältere Menschen einlassen GAISSAU – „Entenbad“ – so heißt die Gruppe Ehrenamtlicher, die ab Herbst einen Besuchsdienst im St. Josefshaus übernimmt und ältere Menschen auch zu Hause besucht. Dieser für Gaißau neue ehrenamtliche Dienst wird von der Gemeinde, der Pfarrgemeinde sowie der St. Anna-Hilfe gemeinsam getragen und finanziert. Bei einem ersten Treffen Mitte März haben die 13 Interessierten erfahren, was von ihnen erwartet wird und was sie im Gegenzug erhalten. Text: Elke Benicke/Foto: Markus Schrott „Bereichernde Erfahrungen machen, sich selbst erkennen oder wiederfinden und Teil einer Gruppe sein, die menschliche Anliegen reflektiert und auch gesellig ist, sind gute Gründe einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachzugehen“, fasst Moderatorin Annelies Bleil die Motivation der Anwesenden in Worte. Elf Frauen und zwei Männer aus Gaißau haben sich mit Hausleiter Markus Schrott, Wohnbereichsleiterin Ulrike Klocker und Wohnbereichsleiter Arno Schedler im St. Josefshaus zu einer ersten Informationsveranstaltung getroffen; als Koordinator der Gruppe fungiert Rainer Schneider. Annelies Bleil, selbstständige Supervisorin und seit 17 Jahren leitende Mitarbeiterin bei der Vorarlberger Hospizbewegung, moderierte das Treffen, stellte Leitlinien und Schulungen vor. gelerntes anwenden, da und dabei sein Bleils Ausführungen zufolge wird von den Ehrenamtlichen erwartet, dass sie sich zwei Stunden Zeit pro Informiert und guter Dinge: Einige der Ehrenamtlichen, die sich in der Gruppe „Entenbad“ ab Herbst dem Besuchsdienst widmen wollen. Monat nehmen, um ältere Menschen zu besuchen und sich diesbezüglich für zwei Jahre verpflichten. Außerdem, dass sie sich einlassen auf die älteren Menschen, auch auf deren Gebrechlichkeit, ihre Krankheiten und seelischen Nöte. Die Ehrenamtlichen sollten darüber hinaus bereit sein, ihre Erfahrungen bei den halbjährlich stattfindenden Gruppentreffen zu reflektieren und ansonsten eine absolute Schweigepflicht einhalten können. Zur Vorbereitung erhalten die Interessierten Schulungen zu den Themen Kommunikation, Familiensysteme, Demenz und Struktur von Pflegeheimen, die sie im Laufe des Sommers absolvieren. ❑ neue Wohnbereichsleiterin BREGENZ – Seit Januar leitet Gudrun Penias den Wohnbereich 2 im Haus I des Sozialzentrums Mariahilf. Erst im vergangenen Juni schloss die 32-Jährige den Lehrgang „Case und Care Management mit integriertem mittlerem Pflegemanagement“, den die connexia in Zusammenarbeit mit der Universität Graz veranstaltet, erfolgreich ab. Als Diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester ist sie bereits seit Oktober 2007 im Haus beschäftigt. In ihrer Funktion als Wohnbereichsleiterin hat Gudrun Penias Johanna Maria Gnaiger abgelöst, die sich seitdem intensiver, das heißt hausübergreifend, der Pflegedienst- und Projektleitung widmet. „Diese neue Gewichtung und Verteilung der Aufgaben dient einem aktiv gestalteten und guten Übergang in die Pension von Frau Gnaiger, deren Antritt im Laufe des kommenden Jahres geplant ist“, sagt Hausleiter Markus Schrott. ❑ Text: Elke Benicke/Foto: privat

21 PRAXIS VORARlBERG In der hauseigenen Kapelle: Diakon Peter Vierhauser sucht auch im Gottesdienst den Dialog. Diakon Peter Vierhauser im Gespräch mit Bewohnerinnen. Interview mit Diakon Peter Vierhauser „Ich möchte Mut machen“ NÜZIDERS – Nachdem Peter Vierhauser über 20 Jahre lang in der Vorarlberger Industrie gearbeitet hatte, absolvierte er ein Theologiestudium und ließ sich 1995 zum Diakon weihen. Daraufhin war er vor allem in der Pfarre Heilig Kreuz in Bludenz tätig. Seit seiner Pensionierung im Jahr 2011 hat Peter Vierhauser den Kontakt zum Sozialzentrum St. Vinerius intensiviert, feiert Gottesdienste im Haus und kommt zur Seelsorge. Im Interview erklärt er, inwiefern er Mut machen möchte und warum ihn die Menschen in St. Vinerius beeindrucken. Die Fragen stellte: Elke Benicke/Fotos: Florian Seher Herr Diakon Vierhauser, Sie waren früher vor allem in bludenz tätig. Wie kommt es, dass Sie nun regelmäßig gottesdienste im Sozialzentrum St. Vinerius in nüziders abhalten? Diakon Peter Vierhauser: Die Weihe zum Diakon ist eine Weihe auf Lebenszeit und daher auch mit 65 Jahren nicht beendet. Ich mache zwar keine Krankenhaus- und Heimseelsorge in Bludenz mehr, bin aber nach wie vor in meiner früheren Pfarre Heilig Kreuz auch in Bludenz tätig. Zu meinen Aufgaben im Sozialzentrum St. Vinerius kam ich, als meine Schwiegereltern hier lebten. Damals, gleich nach der Eröffnung des Hauses im Jahr 2005, fragte mich Herr Seher (Hausleiter, Anm. d. Red.), ob ich nicht die Festtagsgottesdienste halten möchte. Das habe ich beibehalten. Zudem entlaste ich nun den Pfarrer, indem ich donnerstags im Wechsel mit ihm Gottesdienste im Sozialzentrum St. Vinerius gestalte. Welche botschaft liegt ihnen, zum beispiel im rahmen ihrer Predigten, besonders am Herzen? Diakon Peter Vierhauser: Sehr, sehr wichtig ist mir, den Menschen nahe zu bringen, dass der Tod nicht das Ende, sondern den Übergang in ein neues Leben darstellt. Außerdem möchte ich dieser Generation älterer Menschen, die ja noch mit einem strafenden Gott aufgewachsen sind, ein bejahendes, positives Gottesbild vermitteln, möchte Mut machen. Deshalb suche ich auch im Gottesdienst den Dialog, lasse Besucherinnen Fürbitten frei formulieren, habe zum Beispiel auch einen Faschingsgottesdienst zum Thema Lebensfreude gestaltet. Kommen Sie auch sonst in Kontakt mit den bewohnerinnen? Diakon Peter Vierhauser: Ja, natürlich. Ich bin oft schon eine Stunde vor meinen Gottesdiensten im Haus, gehe durch die Stationen, frage, wer die Kommunion im Bett erhalten möchte. Daher kenne ich die Menschen, habe zu vielen eine Verbindung aufgebaut, rede und lache mit ihnen und begleite sie im Sterben. Leider ist es mir als Diakon nicht gestattet, die Krankensalbung zu spenden; dazu muss ich dann einen Priester rufen. gibt es Erlebnisse oder Menschen im Sozialzentrum St. Vinerius, die Sie besonders beeindruckt haben? berichten Sie! Diakon Peter Vierhauser: Spontan fällt mir eine Frau um die 60 mit Multipler Sklerose ein: Sie kämpft jeden Tag, hat ihren Glauben und ihren Humor nicht verloren – das bewundere ich sehr. Oder ein Mann, den ich seit Jahrzehnten kenne: Er hat den Alkohol besiegt und ist ein treuer Besucher meiner Gottesdienste geworden. Auch unsere Organistin beeindruckt mich: Sie ist 82 Jahre alt und an Demenz erkrankt. Früher hat sie in der Kirche Orgel gespielt. Seit einem Jahr kommt sie ins Sozialzentrum St. Vinerius zum Spielen. Ihre Themen sind dieselben wie die der Menschen hier; durch ihr Orgelspiel setzt sie ein Zeichen. Wie lange möchten Sie als Diakon aktiv tätig sein? Diakon Peter Vierhauser: Noch so lange wie möglich! Ich habe große Freude daran. Vielen Dank, Herr Diakon Vierhauser! ❑

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