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annalive 02/2009

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Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

8 DAS THEMA Fortbildung

8 DAS THEMA Fortbildung Basale Stimulation ® Die Hände – unser „Werkzeug“ BREGENZ – Die Fortbildung Basale Stimulation ® der Stiftung Liebenau hat in diesem Frühjahr an drei Terminen im Haus Mariahilf der St. Anna-Hilfe stattgefunden. Zwei der Teilnehmerinnen, die Pflegehelferin Petra Reiter und die Altenfachbetreuerin Denise Rottmann, berichten, wie ihnen das pädagogische Konzept vermittelt wurde und was sie daraus gelernt haben. Text: Petra Reiter, Denise Rottmann/Fotos: Markus Schrott „Im Mittelpunkt der Fortbildung stand die Selbstwahrnehmung. Darüber hinaus ging es darum, einen sensibleren Umgang mit sich selbst, aber auch mit anderen Menschen zu erlernen. Luise Lang ließ uns am eigenen Körper spüren, was es bedeutet, sich nicht bewegen und äußern zu können. So mussten wir zum Beispiel 20 Minuten lang regungslos auf dem Boden liegen, durften nicht sprechen oder die Position verändern. Während dieser Zeit brachte die Referentin unsere Arme und Beine in unangenehme spastische Positionen. Unangenehm war nicht nur unser Körpergefühl, sondern auch, dass wir Geräusche wahrnahmen, ohne sie zuordnen zu können, oder dass wir die Person nicht sehen konnten, die sprach. Hände und Beine haben geschmerzt, doch wir durften uns nicht kratzen. Das ging so weit, dass wir irgendwann gewisse Körperteile nicht mehr spürten, dass das Bewusstsein Zuflucht in einer anderen Welt suchte. Durch dieses Erleben wurde uns noch eindrücklicher klar, wie wichtig es ist, unsere Hände als unser wichtigstes „Werkzeug“ bewusst, langsam und bestimmt einzusetzen. Anregende und beruhigende Waschungen ebenso wie ausgleichende durften wir an unserem eigenen Körper erfahren, spürten so die Energie und therapeutische Kraft von Händen, die möglichst nie den Körperkontakt verlieren. Die Fortbildung Basale Stimulation ® stärkte unser Bewusstsein für intensive Berührungen in allen Lebenslagen, das heißt, sowohl beim Berühren als auch beim Berührtwerden. Es war jedenfalls überaus interessant, die Macht der Hände zu erleben.“ ❑ Kurz erklärt: Basale Stimulation ® Sich bewusst machen: Unsere Hände sind das wichtigste „Werkzeug“. Die Teilnehmer erfahren am eigenen Körper, wie sich eine beruhigende Waschung anfühlt. Durch Basale Stimulation ® werden Wahrnehmungsbereiche aktiviert und primäre Körper- und Bewegungserfahrungen angeregt. Ziel ist, eine individuelle non-verbale Kommunikation herauszubilden. Es handelt sich dabei um ein pädagogisches Konzept (keine therapeutische Technik), die vor allem bei Menschen angewandt wird, deren Eigenaktivität auf Grund ihrer mangelnden Bewegungsfähigkeit eingeschränkt und deren Fähigkeit zur Wahrnehmung und Kommunikation erheblich beeinträchtigt ist. Die Basale Stimulation ® wurde von Andreas D. Fröhlich ab 1975 im Rahmen eines Schulversuches entwickelt, veröffentlicht und ist heute als Begriff markenrechtlich geschützt. Während Fröhlich das Konzept für den Bereich der Sonderpädagogik entwickelte, wurde es von Christel Bienstein in Zusammenarbeit mit Fröhlich in den Bereich der Pflege übertragen.

9 DAS THEMA Damit die Mitarbeiter der St. Anna-Hilfe ihre Qualifizierungsanstrengungen auch dauerhaft dokumentieren können, gibt es jetzt, ganz neu, einen „Pass für Fort- und Weiterbildung“ für jeden. Für 16 verschiedene Fort-, Weiter- und Sonderausbildungen ist darin Platz, die jeweils mit Unterschrift und Stempel der Bildungsstätte bescheinigt werden können. Und wenn jemand mehr als 16 Veranstaltungen besucht? „Dann gibt es einen zweiten Band!“, lacht Geschäftsführer Klaus Müller. 120 000 Euro im Jahr für Qualifizierung Fortbildung ist eine gute Geldanlage Schulungen, Fort- und Weiterbildungen sind für eine qualitativ hochwertige Altenpflege unerlässlich, aber sie kosten auch Geld. Viel Geld: Rund 120 000 Euro hat die St. Anna-Hilfe allein im Jahr 2008 für Fortbildungsmaßnahmen ihrer Mitarbeiter bezahlt. Finanziell weit mehr ins Gewicht fällt jedoch die Arbeitszeit, die das Unternehmen für die Ausbildung zur Verfügung stellt. Text/Foto: Sabine Centner „Wir haben ein durchaus üppiges eigenes Ausbildungsbudget“, stellt Klaus Müller, Geschäftsführer der St. Anna-Hilfe Österreich, zufrieden fest. Mit Blick auf die Bedeutung der Aufgabe hält er die 120 000 Euro, die in Vorarlberg und Oberösterreich zusammen für Qualifizierungsmaßnahmen (inklusive externe Trainer) ausgegeben wurden, für gut angelegt. Was den Geschäftsführer zusätzlich ermutigt: „Wir werden derzeit in ganz Österreich stark gefördert – und zwar durch Qualifizierungsverbünde, in denen wir jeweils Mitglied sind.“ Diese Verbünde erstatten ihren Mitgliedern zwei Drittel bis drei Viertel der Kosten von Fortbildungsmaßnahmen. Besonders erfreulich dabei: „Die Töpfe mit den Fördermitteln sind gut gefüllt, da Ausbildung in der Politik momentan hoch oben steht.“ Die St. Anna-Hilfe wiederum sieht Müller als „eines der ausbildungswilligsten Unternehmen“. Man pro- fitiere derzeit davon, „dass andere offensichtlich nicht in gleichem Maße an diese Töpfe rangehen.“ AMS bietet Einzelförderung Für Mitarbeiter in Langzeitausbildungen gibt es darüber hinaus die Möglichkeit der Einzelförderung durch den Arbeitsmarktservice (AMS). Dabei gibt es Gehaltszuschüsse, wenn das Beschäftigungsverhältnis während der Ausbildung ruht oder zurückgefahren wird. Die wirklich relevanten Kosten für das Unternehmen freilich sind andere – nämlich die Arbeitszeit, die für die Ausbildung zur Verfügung gestellt wird. In Vorarlberg steht jedem Beschäftigten ein Fortbildungsanspruch von fünf Tagen im Jahr zu, das regelt der Kollektivvertrag. „Man kann aber davon ausgehen, dass unsere Mitarbeiter eher mehr haben“, ist sich Müller sicher. Fortbildung wird geplant Welche Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen angezeigt und empfehlenswert sind, erfahren die rund 450 Mitarbeiter der St. Anna-Hilfe in Österreich im Übrigen beim Mitarbeiterfördergespräch, das einmal pro Jahr für jeden von ihnen ansteht. ❑

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