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annalive 02/2009

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Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

4 DAS THEMA Jeannette

4 DAS THEMA Jeannette Pamminger: Dauerhafte Fortbildung in der Pflege ist nötig „Lebensqualität ist Pflegequalität“ Die Anforderungen an die Mitarbeiter in der Altenhilfe sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Hohe menschliche, soziale und fachliche Kompetenz ist erforderlich, um die älteren, zum Teil an Demenz erkrankten Menschen individuell und gemäß ihrer biografischen Prägung zu pflegen und zu betreuen. Um sich für diese Anforderungen fit zu machen, brauchen alle Fachkräfte regelmäßige Fortund Weiterbildungsangebote. Jeannette Pamminger, Pflegeexpertin aus Vorarlberg, weiß, worauf es dabei ankommt. Die diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester mit Sonderausbildungen zur Lebens- und Sozialberaterin für die geriatrische Langzeitpflege und zur Pflegedienstleitung hat selbst 40 Jahre Berufserfahrung in der Altenhilfe. Seit vielen Jahren ist sie vorrangig in der Projektarbeit tätig, hat Programme zur Personal- und Organisationsentwicklung erstellt und bietet Schulungen, Vorträge und Seminare an – auch für die St. Anna-Hilfe. Im folgenden Interview begründet Jeannette Pamminger, warum sie permanente Fortbildung für unverzichtbar hält, wie Pflegequalität zur Lebensqualität der Bewohner beiträgt und wie die Fortbildungen aussehen sollen. Die Fragen stellte Sabine Centner/Fotos: Inge Streif/Sabine Centner

5 DAS THEMA Frage: Immer mehr Menschen werden immer älter, immer mehr erkranken an Demenz – die Anforderungen an die Altenpflege steigen. Welche Pflegekräfte braucht ein Heim? Pamminger: Das ist eine viel diskutierte Frage und manchmal auch ein Streitpunkt. Meine Meinung ist ganz klar: Es braucht alle Berufsgruppen. Es braucht qualifizierte und diplomierte Krankenschwestern und -pfleger, die sich für die Langzeitpflege spezialisieren, denn die akutmedizinische Ausbildung ist zu wenig in der Langzeitpflege, es braucht Pflegehelfer, es braucht die gut geschulten Sozial-Altenfachbetreuer und auch diplomierte Sozialfachbetreuer, und es gibt neuerdings die Heimhilfen, die auch bei uns ausgebildet werden. Vor allem braucht es eine top-qualifizierte Führung – ob Mann oder Frau – die weiß, was es braucht, wo Entwicklungs- und Schulungsbedarf notwendig ist. „Angemessenen Pflege und Betreuung“ keine Kostenerhöhung verursacht. Aber es braucht Schulung. Es braucht Schulung, denn viele alte Menschen haben eine Vielzahl an Krankheiten und medizinischen Diagnosen, und bei manchen kommt dann auch noch die Demenz dazu. Das zeigt, wie qualifiziert das Personal heute sein muss – um das Richtige zu tun und um zu verstehen, dass Langzeitpflege nicht primär einen kurativen Auftrag hat. Es geht vielmehr um Lebensqualität, also darum, dem Menschen mit seinen Einschränkungen die höchstmögliche Qualität zu ermöglichen. Das ist oftmals eine Gratwanderung. In den Köpfen ist meiner Meinung nach immer noch zu viel kuratives Denken – und das ist es, was aus meiner Sicht das System verteuert. „Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht die Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.“ (Antoine de Saint-Exupéry, franz. Schriftsteller) Und wie sieht es mit der Qualifikation des Personals aus? Es gibt viele Schulen, die gute Ausbildungen für die Langzeitpflege anbieten. So etwa in Bregenz für Sozialfachbetreuer, auch mit Diplom-Abschluss, die Pflegehelferschule in Feldkirch, und dann gibt es noch ein paar private Einrichtungen, die Pflegehelfer ausbilden. Wichtig ist in den Häusern, dass jede Kraft mit Diplom oder abgeschlossener Ausbildung weiß, dass sie sich permanent weiterbilden muss. Das Diplom oder andere Berufsberechtigungen sind kein „Führerschein“ für immer. Können Sie das mit einem Beispiel deutlich machen? Die eingangs angesprochene Demenz etwa ist die Herausforderung in der momentanen Situation und wird sich in Zukunft noch mehr zuspitzen. Meine eigene Erfahrung: Vor 20 Jahren hatte ich nicht die Erkenntnis, die ich heute habe. Dazu habe ich mich fortbilden müssen, habe mich reinknien und die Praxis studieren müssen. Außerdem stellt sich die Frage, was brauchen die Menschen heute? Die Pflege und Betreuung verlangt heute einen Bewusstseinswandel. Die Grundhaltung und auch die Pflegephilosophie muss sich nach den Bedürfnissen der Bewohner orientieren. Außerdem gilt es, die im Vorarlberger Heimgesetz verankerte „Angemessene Pflege und Betreuung“ umzusetzen. Das heißt, der Bewohner ist das Maß für den individuellen Handlungsbedarf. In der Praxis zeigt es sich, dass die Umsetzung der Sie setzen sich sehr stark für den Einsatz diplomierter Fachkräfte ein. Mehr hoch qualifizierte Mitarbeiter treiben aber die Personalkosten nach oben. Es gibt keine Kostenexplosion, wenn man gut qualifiziertes Personal hat, im Gegenteil. Es reduziert sich oder wird zumindest eine Stagnation geben. Gehen die Heime diese Qualitätsoffensive mit? Es gibt ganz viele gute Häuser und viele, die gut unterwegs sind. Inzwischen wurde auch politisch verstanden, dass gute Pflegequalität etwas kostet und dass Schulungsbedarf besteht. Es wird ja auch entsprechend investiert. Das sind schon sehr positive Tendenzen zur Bewusstseinsänderung. Auch in der St. Anna-Hilfe hat man das verstanden. Im Heim Mariahilf etwa ist mit dem BOA-Projekt in kürzester Zeit signifikant viel passiert, die Rückmeldungen aus der Bevölkerung sind sehr gut. Wenn ein Heim sich auf den Weg macht und Schulungsbedarf erkennt: Welche Fortbildungsmöglichkeiten gibt es? Am besten ist es, wenn die Führung selbst Defizite beim Personal erkennt und sich mit ganz konkreten Schulungszielen an uns wendet, etwa wenn Bedarf an Basaler Stimulation ® besteht, der Palliativgedanke in den Vordergrund rückt oder auf demenzkranke Bewohner besser eingegangen werden soll. Wir organisieren dann eine Inhouse-Schulung und vermitteln

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