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annalive 01/2014

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Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

24 PRAXIS KÄRNTEN

24 PRAXIS KÄRNTEN Gartengruppe Lebenswelt St. Antonius Kompetenz fürs Grüne SPITTAL – Die Lebenswelt St. Antonius hat einen „Garten zum Anfassen“. Auf dem weitläufigen Grundstück begegnen sich alte Obstbäume und moderne Kunst. Dort gedeihen Kräuter neben rankenden Rosen. Sieben Bewohnerinnen von der Lebenswelt St. Antonius arbeiten im Bereich Gärtnerei, betreuen und pflegen das Areal. Text: Lioba Scheidel/Foto: Holger Trebitscher Sommer wie Winter ist die Arbeit der Gartengruppe spürbar. Der Apfelsaft, der im Haus ausgeschenkt wird, stammt aus eigener Ernte. Kräuter werden in der eigenen Küche verarbeitet. Wachsam achten die Gärtnerinnen auf ihre Pflanzen, staunen über das Wunder der Natur, wenn sich aus einem winzigen Samenkorn ein üppiges Tomatengewächs entwickelt. Sie sorgen sich um die Obstbäume, wenn ein letzter Frost die ersten zarten Blüten erfasst, beobachten das Wachsen der Äpfel, freuen sich an den Rosen und teilen ihre Ernte großzügig mit den anderen. Im Einklang mit der Natur Die Gärtnerinnen mähen den Rasen, pflegen die Rosen und schneiden die Hecken. Sie putzen die Dachrinne, damit das Regenwasser ungehindert abfließen kann. Sie jäten das Unkraut. Für Rollstuhlfahrer wurden zwei Hochbeete angelegt. Lohn ihrer Mühe ist eine Fülle an Düften und Farben. Die Gartengruppe sammelt den Lavendel und verpackt ihn in kleine Stofftäschchen. Der intensive herbe Duft erinnert an den Sommer und weckt die Vorfreude auf ein neues Gartenjahr. ❑ In diesem Jahr hat die Einrichtung in einen neuen Aufsitzrasenmäher für die Gartengruppe investiert. Zudem wurde ein neuer Anhänger angeschafft, der den Abtransport von Laub und Grünschnitt erleichtert. Kunst- und Kreativwerkstatt Lebenswelt St. Antonius Vom Altpapier zur Kunstkarte SPITTAL – Wer das Besondere liebt, ist in der Lebenswelt St. Antonius genau richtig. Auf Wunsch eines Auftraggebers produzierten die „Künstlerinnen“ der Kreativwerkstatt und der Kunstwerkstatt 200 individuell gestaltete Weihnachtskarten. Jede Karte ist einzigartig. Text: Lioba Scheidel/Foto: Holger Trebitscher Das besondere an den Karten ist, dass sie aus Altpapier hergestellt werden. „Zuerst muss das Papier durch die Maschine, und das gibt dann viele kleine Schnipsel“, erklärt Florian Gasser von der Kreativwerkstatt. „Danach kommt alles in eine große Wanne mit Wasser und wir tauchen da mit einem Rahmen Carmen Kapeller holt das Papier aus dem Wasser.

25 PRAXIS KÄRNTEN hinein, und heraus kommt ein Blatt Papier. Das wird dann gepresst und getrocknet“, erklärt Carmen Kapeller. Fünf Tage dauert es, bis das Wasser verdunstet ist. „Dann wird das Papier gefaltet, damit es in ein Kuvert passt“, sagt Isabella Jost. Engel, Sterne, Tannenbäume Nebenan arbeitet die Kunstgruppe an den Vorlagen für die individuelle Gestaltung der Motive. Da werden Engel für den Druck geschnitten. Sterne, Tannenbäume und Schneemänner gezeichnet, geklebt und mit Farbe ausgemalt. Auf einige Karten hat sich ein Wichtel geschlichen. Wildes Schneegestöber, Kerzenlichter in warmen Farben, Tannenbäume im dunklem Grün erzählen einen Traum von Weihnachten, sind ein Geschenk von „Künstlerinnen“ mit Handicaps, die teilhaben lassen an ihrer Liebe zum Detail, an ihrer Vorfreude auf das Fest und an ihren Fähigkeiten, in unermüdlicher Hingabe kleine Kunstwerke zu erschaffen. ❑ Christoph Pichorner rollt Eiskristalle und andere Winterund Weihnachtsmotive aufs Papier. In weiteren Arbeitsschritten werden daraus Weihnachtskarten. Hausleiter aus Liebenau in Spittal Hier wie dort geht es um alltagsnahe Betreuung SPITTAL/DRAU – Die Lebenswelt St. Antonius arbeitet eng mit der deutschen St. Lukas-Klinik zusammen: Beide Einrichtungen gehören zum Verbund der Stiftung Liebenau, beide betreuen Menschen mit Behinderung in alltagsnahen Wohngemeinschaften. Deshalb schickte die St. Lukas- Klinik einen erfahrenen Hausleiter nach Kärnten, als die dortige Leitung der erst im vergangenen Jahr eröffneten Einrichtung vorübergehend unbesetzt war. Von April bis Dezember hat Holger Trebitscher das Team und die jungen Erwachsenen mit Behinderung begleitet. Text: Lioba Scheidel/Foto: privat In einem ersten Schritt hat der Liebenauer Hausleiter die Dienstzeiten so verändert, dass zusätzliche Besprechungszeiten möglich wurden. „Um eine qualitativ gute Arbeit leisten zu können, ist es Teambesprechung mit Holger Trebitscher (Mitte). unabdingbar, Freiräume für den täglichen Austausch zu haben“, sagt er. Unter seiner Leitung hat das Team die pädagogischen Konzepte weiterentwickelt – immer darauf bedacht, den Bewohnerinnen durch Struktur und in Beziehungen Halt zu geben. Der Interimshausleiter führte Elterngespräche und stand als fester Ansprechpartner zur Verfügung. Besonders wichtig war ihm, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu etablieren, persönliche oder gemeinsame Erledigungen in der Stadt zur Routine werden zu lassen oder Ausflüge in die Umgebung zu unternehmen. „Wir haben auch Feste im Team organisiert, an denen Angehörige und Menschen aus der Stadt teilnahmen und die Bewohnerinnen spürten: ‚Wir gehören dazu!‘“ Ende November hat sich die Lebenswelt außerdem mit einem Verkaufsstand im Stadtpark vorgestellt. Rückkehr nach Liebenau Mitte Dezember kehrt Holger Trebitscher nach Liebenau in die St. Lukas-Klinik zurück. Er würdigt die gute Zusammenarbeit mit Klaus Müller, Geschäftsführer der St. Anna-Hilfe und Doris Kollar-Plasser, Regionalleiterin für Oberösterreich und Kärnten: „Es hat mir viel Spaß gemacht, die Lebenswelt ein Stück zu begleiten“ und bedankt sich beim Team: „Die Mitarbeiterinnen leisten eine gute Arbeit!“ Auch eine neue Hausleiterin ist gefunden. Seit November leitet Sabine Unterweger die Lebenswelt St. Antonius. ❑

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