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annalive 01/2010

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Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

24 PRAXIS

24 PRAXIS OBERÖSTERREICH Viele Besucher im Sozialzentrum Kloster Nazareth Sehenswürdige Hausgemeinschaften Der Klubobmann der ÖVP, Thomas Stelzer, unterhält sich mit der Bewohnerin Mathilde Winterbacher. STADL PAURA – Besucher aus Politik und Fachwelt haben sich Anfang September im Sozialzentrum Kloster Nazareth die Klinke in die Hand gegeben. Im Mittelpunkt des Interesses stand vor allem das neue Konzept der Hausgemeinschaften. Text: Helga Raible/Foto: Doris Kollar Innerhalb einer Woche begrüßten Regionalleiterin Doris Kollar und Hausleiterin Stefanie Freisler sieben Bezirkshauptleute aus der Region, eine Delegation der ÖVP und eine slowenische Gruppe von Haus- und Pflegedienstleitern im Sozialzentrum Kloster Nazareth. Mit der Inbetriebnahme des Neubaus im April 2005 hat die St. Anna-Hilfe erstmals in Oberösterreich das Konzept der Hausgemeinschaften realisiert. Die Bezirkshauptleute wollten sich nun vor Ort ein Bild von der praktischen Umsetzung des Konzepts machen. Doris Kollar stellte außerdem die St. Anna-Hilfe und die Stiftung Liebenau vor. „Sehr interessant und kompetent“ sei die anschließende Diskussion verlaufen, sagte Hofrat Dr. Heinz Steinkellner, Sprecher der Bezirkshauptleute. Interessiert zeigten sich auch Thomas Stelzer, oberösterreichischer Klubmann der ÖVP, und Ulrike Schmeitzl, die regionale ÖVP-Vertreterin, während ihres Besuchs. Beim Rundgang durchs Haus unterhielten sie sich eingehend mit Bewohnern und Mitarbeitern. In derselben Woche war außerdem eine Gruppe von 20 Haus- und Pflegedienstleitern aus Slowenien angereist. Auch sie wollten sich vor Ort über das Alltagsleben in den Hausgemeinschaften informieren, wobei ihre Aufmerksamkeit vor allem der Betreuung von Menschen mit Demenz galt. ❑ Goldene Hochzeit im Haus St. Josef GMUNDEN – Mitte Juni feierte das Ehepaar Alois und Margarethe Zopf ihr 50-jähriges Hochzeitsjubiläum im Haus St. Josef. Zum Auftakt des Festes zelebrierte Konsistorialrat Franz Haidinger einen Wortgottesdienst in der Hauskapelle. Anschließend feierte das Jubelpaar mit der Familie und Freunden im eigens geschmückten Begegnungsraum. ❑ Text/Foto: Andrea Anderlik

25 PRAXIS OBERÖSTERREICH Eine Uhren-Anekdote aus dem Haus St. Josef Besser, das Pendel schlägt GMUNDEN – Jemand ist gestorben und die Uhr exakt zu seiner Todesstunde stehen geblieben. Entweder man hat schon davon gehört oder kann eine eigene Geschichte dazu erzählen. Auch im Altenund Pflegeheim St. Josef war es dem einen oder anderen unheimlich, wenn die alte Pendeluhr still stand. Jetzt bleibt sie nicht mehr stehen. Warum, das erzählt die Regionalleiterin der St. Anna-Hilfe für Oberösterreich, Doris Kollar. Text/Foto: Doris Kollar „Beim Umzug in das neue Haus St. Josef wurde auch eine alte Pendeluhr übersiedelt. Sie hängt jetzt im kleinen Salon in der Hausgemeinschaft „Marienweg“. Eine unserer Mieterinnen aus den betreuten Wohnungen, Frau Studt, kommt regelmäßig an der Uhr vorbei, wenn sie zum Mittagessen in die Hausgemeinschaft „Josefsweg“ geht. Schon seit einiger Zeit hat die Seniorin bemerkt, dass die Uhr nicht läuft. Sie erzählte mir, sie erinnere sich jedes Mal an die Ballade „Die Uhr“ von Johann Seidl, wenn sie an der Pendeluhr im „Marienweg“ vorbeikomme. Auch wisse sie noch aus ihrer Kindheit, dass die Uhren angehalten wurden, wenn ein Familienmitglied verstorben war. Nach der Bestattung wurde das Pendel wieder in Gang gesetzt. So wie Frau Studt verbinden wohl viele ältere Menschen in unserem Haus eine stehende Uhr mit dem Tod. Seit meinem Gespräch mit ihr wird die alte Pendeluhr deshalb wieder regelmäßig aufgezogen; eine Mitarbeiterin aus dem Alltagsmanagement kümmert sich darum. Inzwischen kommen viele Bewohnerinnen und Bewohner, auch Angehörige, um die Pendeluhr zu besuchen. Sie verweilen einige Zeit bei der Uhr, lauschen ihrem Ticken und beobachten den Pendelschlag. So ist die Pendeluhr im „Marienweg“ ein fester Bestandteil im täglichen Leben des Hauses St. Josef geworden.“ ❑ Die Uhr Ich trage, wo ich gehe, stets eine Uhr bei mir; Wie viel es geschlagen habe, genau seh ich an ihr. Es ist ein großer Meister, der künstlich ihr Werk gefügt, Wenngleich ihr Gang nicht immer dem törichten Wunsche genügt. Ich wollte, sie wäre rascher gegangen an manchem Tag; Ich wollte, sie hätte manchmal verzögert den raschen Schlag. In meinen Leiden und Freuden, in Sturm und in der Ruh, Was immer geschah im Leben, sie pochte den Takt dazu. Sie schlug am Sarge des Vaters, Sie schlug an des Freundes Bahr, Sie schlug am Morgen der Liebe, Sie schlug am Traualtar. Sie schlug an der Wiege des Kindes, Sie schlägt, will‘s Gott, noch oft, Wenn bessere Tage kommen, wie meine Seele es hofft. Und ward sie auch einmal träger, Und drohte zu stocken ihr Lauf, So zog der Meister immer großmütig sie wieder auf. Doch stände sie einmal stille, Dann wär‘s um sie geschehn, Kein andrer, als der sie fügte, Bringt die Zerstörte zum Gehn. Dann müßt ich zum Meister wandern, Der wohnt am Ende wohl weit, Wohl draußen, jenseits der Erde, Wohl dort in der Ewigkeit! Dann gäb ich sie ihm zurücke Mit dankbar kindlichem Flehn: Sieh, Herr, ich hab nichts verdorben, Sie blieb von selber stehn. Johann Gabriel Seidl (1804 – 1875), Lyriker, Erzähler, Dramatiker und Archäologe. Viele seiner Gedichte wurden von Franz Schubert (zum Beispiel „Die Taubenpost“) und von Carl Loewe (zum Beispiel „Die Uhr“) vertont. Er dichtete außerdem den Text für die österreichische Kaiserhymne.

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