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Zeittöne Herbst/Winter 2020/2021 - Stiftung Liebenau

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Lebensqualität Wir sind

Lebensqualität Wir sind bereits dabei, diese Empfehlung umzusetzen. Nach einer intensiven Vorbereitungsphase hat das Pilotprojekt »Real Lab« im Haus der Pflege St. Konrad in Kressbronn im Oktober 2020 seine Arbeit aufgenommen. Dieses Pilotbringt. Sie agieren bereits sehr kompetent und selbstbestimmt in diesem Bereich. Der Zugang zum Internet erlaubt auch eine Form von Teilhabe, die etwa durch eine eingeschränkte Mobilität so nicht mehr möglich ist. Nur ein Beispiel: Viele Kulturinstitutionen haben ihre Konzerte, Opernaufführungen, Lesungen in das Netz gelegt. Das wird auch nach der Pandemie bleiben. Für viele unserer Bewohnerinnen und Bewohner kann das eine Bereicherung ihres Lebens darstellen. Neue Formen der Kommunikation sind, wie Sie dargestellt haben, wichtige Instrumente für Teilhabe. Die Digitalisierung hat aber noch sehr viel mehr Facetten. Der aktuelle Altersbericht untersucht ja auch die verschiedenen digitalen Ansätze in den Bereichen Mobilität, Wohnen, Gesundheit und Pflege … … richtig. Daher hatte ich zu Beginn auch betont, hier differenzieren zu wollen. Wir bieten in unserem Tätigkeitsbereich Pflege und Lebensräume verschiedene Wohnformen an, die unterschiedlich, aber in wachsendem Maße von der Digitalisierung profitieren. Auch wenn wir da wie alle noch am Anfang stehen und jede Entwicklung unseren ethischen Grundsätzen unterwerfen. Unser neue Wohnform Service- Wohnen * verfügt bereits über eine durchdachte Digitalstrategie, die den noch selbstständigen Bewohnerinnen und Bewohnern zugutekommt. Hier sind intelligente Assistenzsysteme integraler Bestandteil der barrierefreien Appartements. Zur Grundausstattung gehören hier neben der Herdabschaltung nach Zeitschaltuhr ein appartementinternes, sich automatisch einschaltendes Wegelicht, das in der Nacht Orientierung gibt und so mögliche Stürze vermeiden soll. Über einen Notfalltaster am Bett kann ein ambulanter Pflegedienst kontaktiert werden. Die eingebauten Sensoren können außerdem weitere Informationen übermitteln: Etwa eine außergewöhnlich hohe Bewegungsaktivität, überdurchschnittlich lange Aufenthalte im Bad oder keine Rückkehr ins Bett in der Nacht. In solchen Fällen wird der ambulante Dienst alarmiert. Oder denken Sie an das Instrument der Telemedizin. Also die videogestützte ärztliche Sprechstunde. Vor der Pandemie wurden in Baden-Württemberg erste Gehversuche auf diesem Gebiet gemacht, verschiedene Pilotprojekte sind ins Leben gerufen worden. Seit Juni 2020 ist die ärztliche Fernbehandlung auch außerhalb dieser Projekte möglich. Wir beginnen diesen Weg zum Wohle unserer Bewohne­ rinnen und Bewohner mit unseren Partnern, u.a. Caresolutions. Ich möchte an dieser Stelle jedoch klar sagen: Telemedizin ist nur eine Möglichkeit der ärztlichen Versorgung, sie ergänzt und erleichtert in vielen Fällen den Pflegenden eine kurzfristig notwendige Entscheidung, die Linderung bringen kann ohne, dass der oder die behandelnde Arzt oder Ärztin persönlich anwesend sein muss. Das persönliche Vertrauensverhältnis muss erhalten bleiben, die ärztliche Versorgung mehrheitlich im direkten Kontakt verbleiben. Fernbehandlungen werden nicht der Standard sein, aber im Mix der Versorgungsstrukturen eine wichtige Rolle spielen. Ich halte dieses Angebot für eine große Hilfe. Die Erfahrungen werden wir auswerten und den Einsatz von Telemedizin den Bedürfnissen der Menschen anpassen. Die Kommission des achten Altersberichtes hat der Bundesregierung fünf Empfehlungen angetragen. Eine fordert das Bundesministerium für Gesundheit dazu auf, »die Belange älterer Menschen mit körperlichen, kognitiven oder anderen pflegerelevanten Bedarfen und Bedürfnissen stärker in seinen strategischen Überlegungen › Digitalisierung in der Pflege ‹ zu berücksichtigen.« Ziel dabei solle sein, den älteren Menschen eine menschenwürdige Pflege, unabhängig vom konkreten Lebensort zu ermöglichen und den Pflegenden Entlastung zu bringen. Was darf man darunter verstehen? projekt soll in den kommenden drei Jahren wesentliche Erkenntnisse liefern für die Frage: Wie können technische Assistenzsysteme und digitale Vernetzung in der Pflege eine sinnvolle Anwendung finden? Hierzu arbeiten wir eng mit unserem Partner inHaus GmbH zusammen, der uns auch im Bereich der Assistenzsysteme bei ServiceWohnen unterstützt. Im Kern geht es um die wichtigen Zukunftsfragen in der Pflege: Welche Instrumente helfen den Pflegekräften, mehr Zeit für individuelle, zugewandte Pflege zu generieren und für die ihnen anvertrauten Menschen da zu sein? Wie können innovative technische und digitale Systeme bei Menschen mit Pflegebedarf so eingesetzt werden, dass sie perspektivisch auch zuhause bleiben können und dabei pflegende Angehörige und Pflegekräfte so zu entlasten, dass dies zu einem für alle Seiten befriedigenden Zusammenspiel werden kann. Dazu gehört auch die oben bereits angesprochene Telemedizin. Bei all dem ist uns ein hohes Maß an Sicherheit wichtig. Denn Sicherheit trägt entscheidend dazu bei Selbstständigkeit und Autonomie so weit als möglich zu erhalten. Wir erwarten auch eine Reduktion von Stress und Belastung der Pflege- und Betreuungskräfte. Denn zufriedene Mitarbeitende sind für gute zugewandte Pflege unser wichtigstes Gut. Ich bin sehr optimistisch, dass wir mit diesem Projekt auf dem richtigen Weg sind. Abschließend möchte ich gerne noch einmal festhalten: Alles, was wir in dieser Richtung anstoßen dient den Menschen, für die wir Verantwortung haben. Das ist unser Anspruch und Antrieb. Interview: Heike Schiller *www.stiftung-liebenau.de/servicewohnen 18 zeittöne Lebensqualität zeittöne Lebensqualität 19

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