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wir mittendrin - 1 / 2020

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Die Zeitschrift von Menschen mit und ohne Behinderungen

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4 1 | 2020 Grenzen adieu! Innere Grenzen überwindet man, indem man sich von innen nach außen öffnet und auf die Leute zugeht und auch mit weniger Bekannten auf der Straße spricht. Es hat mich am Anfang schon Überwindung gekostet, meinen Mut zusammenzunehmen und Freundschaften zu knüpfen und daraus mehr werden zu lassen. Aber das Team hat mir geholfen und mich bestärkt. Als ich das erste Mal mit Huckepack-Reisen unterwegs war, damals in Dresden 2007, habe ich auch die innere Grenze überschritten. Was mir heute selbstverständlich vorkommt, wie einmal im Monat in die Hockstube zu gehen, um mich mit älteren Leuten auszutauschen. Das brauchte am Anfang schon Mut, sich mit fremden Menschen zu treffen. Ich bin froh, dass sich innere Grenzen überwinden lassen. Text: Irmgard Weiland, Reporterin der „wir mittendrinwird von der Stiftung Liebenau begleitet. FREIZEIT Über den Tellerrand Ich mache viele Radtouren in der Heimat, zum Beispiel im Argental oder am Bodensee, aber ich war bisher seit 1985 auch schon zehnmal in La Salette, einem bekannten Marienwallfahrtsort in Frankreich. Bei meinen Touren lerne ich immer wieder neue Leute kennen. Bei diesen Begegnungen führe ich sehr interessante Gespräche. Dadurch lerne ich viele Menschen aus verschiedenen Lebensbereichen kennen. Auf den zahlreichen Auslandsfahrten habe ich auch die Gelegenheit des Öfteren Englisch zu sprechen. Etliche Menschen haben auch andere Sichtweisen auf die Dinge und dadurch ergänzt man sich gegenseitig. Ichschaue immer wieder über den Tellerrand meiner gewohnten Heribert Danner trifft viele Leute: Mit manchen ist er langfristig in Kontakt. Umgebung. Oft ähneln die Meinungen der anderen den mei- Text und Fotos: „wir viele tausend Kilometer zurück, nen, aber sie sind häufig nicht mittendrin“-Reporter Heribert überwindet politische Grenzen ganz gleich, und so kann ich die Danner ist leidenschaftlicher und kommt international mit eigene Meinung korrigieren. Radfahrer. Mit seinem Rad legt er anderen in Kontakt. KULTUR Gemeinsam grenzenlos – Kultur verbindet Kultur ist das Salz in der Suppe, sie ist Integrator und Vermittler – für Menschen mit und ohne Behinderungen: Eine Kooperation des Kulturhauses Caserne in Friedrichshafen und der Stiftung Liebenau fördert das Ansinnen. Aktuell planen wir mit der Stiftung Liebenau Veranstaltungen und ein jährliches Festival zum Thema Kunst und Inklusion mit Kultur bringt Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen. Aufführungen, Kino, Podiumsdiskussionen, Workshops und Ausstellungen. Einen Auftakt machte das Angebot bereits mit dem Film „Kinder der Utopie“, einem Film über Inklusion und Erwachsenwerden. In dem Kinofilm treffen sich sechs junge Erwachsene wieder, die zwölf Jahre zuvor schon einmal für den Film „Klassenleben“ dokumentiert wurden. Bei dem Kulturprojekt liegt der Fokus auf der Beteiligung von Menschen mit und ohne Behinderungen. Künstler aus den Bereichen Tanz, Zirkus, Schauspiel und Komik mit viel Erfahrung in der inklusiven Arbeit kommen zusammen, um den Traum von Inklusion zu verwirklichen: gemeinsam mit den Teilnehmenden über die sozialen Grenzen hinaus. Zuvor sind auch räumliche Grenzen noch zu überwinden. Einige Veranstaltungsräume im ehemaligen Kasernengebäude sind nur teilweise oder noch nicht barrierefrei. Daran wird gearbeitet. Und dann heißt es: Bühne frei für eine lebendige inklusive Zusammenarbeit! Text: Dorothée Schaeffer, Kulturmanagement und Kooperation Caserne: Seit 25 Jahren richtet sich das Angebot im Kulturhaus Caserne im Friedrichshafener Fallenbrunnen an Menschen aller Altersgruppen, sozialer und kultureller Hintergründe. Hier findet Partizipation, Begegnung und Austausch statt. Foto: Kilian Vogel

1 | 2020 5 INKLUSION Inklusive Landesgartenschau Überlingen Die Landesgartenschau Überlingen wird ein Fest für alle, auch wenn sie später als geplant stattfindet. Wo könnte Inklusion besser gelingen als bei einer solchen Veranstaltung? Ein Fest für alle: „Das ist unser großes gemeinsames Ziel mit allen unseren Partnern“, so Edith Heppeler, Geschäftsführerin der Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH. „Und wenn ich alle sage, dann schließen wir nicht nur alle Generationen mit ein, sondern auch Menschen mit den unterschiedlichsten Handicaps. Und da ist uns die Stiftung Liebenau ein großartiger Partner.“ Edith Heppeler weiter: „Landesgartenschauen sind ja nicht nur ein schönes Fest, nicht nur eine sommerlange Einweihungsparty nachhaltiger Freiräume, Die Landesgartenschau Überlingen wird ein Fest für alle. sondern auch lehrreich und sie mit Einschränkungen problem- tragen dazu bei, Horizonte zu los orientieren und die Hilfe an- erweitern und neue Perspektiderer in Anspruch nehmen könven zu eröffnen. Barrieren abnen. Ein Höhepunkt wird das bauen und das Miteinander selbst komponierte Inklusions- stärken, genau das wollen wir lied, das beim geplanten Mit- mit unseren Beiträgen zur Intendrin-Fest aufgeführt wird. klusion.“ Unter anderem wer- „Was ich persönlich ganz herden Stellen mit besonderen ausragend finde, sind die Ver- Steigungen, die ganz typisch nissagen aller Blumenschauen sind für Überlingen, durch ein in Gebärdensprache. Übrigens barrierearmes Leitsystem mar- wird auch die Eröffnungsverankiert, sodass sich Menschen staltung übersetzt, und wir bieten auch Führungen übers Gelände in Leichter Sprache und in Gebärdensprache an“, so die Geschäftsführerin. „Und einen Flyer in Leichter Sprache werden wir ebenfalls herausgeben.“ An körperlich beeinträchtigte Menschen hat die Landesgartenschau auch gedacht. Im Bahnhof Therme befindet sich eine Servicestation. Hier können Rollstühle und Rollatoren gegen ein Pfand von 20 Euro sowie Rollstühle mit elektrischer Brems- und Schiebehilfe und Elektromobile gegen ein Pfand von 50 Euro entliehen werden. Text und Foto: Petra Pintscher, Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit/Marketing Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH INKLUSION LIVE Eigenes Wissen an andere weitergeben Die Corona-Pandemie wirbelt so manche Pläne durcheinander: Doch wenn die Landesgartenschau in Überlingen – voraussichtlich 2021 – läuft, sind spezielle Gästeführer für Touren in Leichter Sprache gewappnet. Unter ihnen auch Nicole Weiss, Reporterin der „wir mittendrin“. Sie wird von der Stiftung Liebenau begleitet Fast 30 Gästeführer informieren in Leichter Sprache. Schulung für die Gästeführer. Bildmitte stehend: Nicole Weiss. und möchte als Gästeführerin Interessierten etwas erklären und gleichzeitig von ihnen lernen. Insgesamt sind wir 26 Personen, immer einer mit und einer ohne Behinderung im Tandem. Die Frau, mit der ich die meisten Führungen mache, habe ich schon kennengelernt. Sie hat mich gefragt, ob ich das mit ihr machen möchte. Wir haben uns alle schon einmal getroffen auf dem Andreashof in Überlingen. Da haben wir was über Pflanzen gelernt. Die Stimmung war gut. Wir erklären und zeigen Besuchern besondere Dinge von Überlingen. Dafür haben wir einen Text. Den lerne ich, indem ich ihn durchlese. Aber ich muss ihn nicht auswendig können. Ich darf „spickeln“. Beim Lernen hilft Nils Pasternak von der Stiftung Liebenau, der für das Projekt Landesgartenschau inklusiv verantwortlich ist. Der Text ist in Leichter Sprache, damit es für jeden verständlich ist. Ich habe mich als Gästeführerin gemeldet, weil es mich interessiert, mich mit anderen Menschen zu unterhalten und ich einen guten Umgang mit anderen Menschen erlernen möchte. Wenn es dann mit den Führungen los geht, bin ich wahrscheinlich auch ziemlich aufgeregt. Ich will dann bei der Landesgartenschau in allen Monaten Führungen machen, gerne manchmal zwei oder drei. Ich wünsche mir, dass ich dabei nette Leute treffe und dass ich, wenn sie Hilfe benötigen, auch hilfsbereit bin. Es gibt ja auch welche, die mit Gehwagen kommen oder älter sind. Und wenn sie was nicht verstehen, ich ihnen das dann auch noch besser erklären kann. Und gute Stimmung wünsche ich mir auch. Es ist für mich was Neues, dass ich als Frau mit einer Behinderung etwas erkläre. Ich hoffe, dass es gut ausgeht. Fotos: Nils Pasternak

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