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Positionspapier BWGV-AKBW-SONG - Zusammen Leben Wohnen und Arbeiten

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Zusammen wirtschaften - Co-Working-Möglichkeiten ausbauen - Nahversorgung und Handel sichern - Regionale Versorgung fördern Die Coronakrise führte in kürzester Zeit zu völlig neuen (digitalen) Arbeitsformen. Beispielsweise wird die Erfahrung des zeitlich und räumlich mobilen Arbeitens aus dem Homeoffice und des Ersetzens von Dienstreisen durch Videokonferenzen für viele Arbeitnehmer zu nachhaltigen Veränderungen führen. Arbeits- und Wohnwelten vermischen sich. Pendlerverkehr und Dienstreisen reduzieren sich. Wohnen und arbeiten an Orten, die von den Ballungszentren weiter entfernt liegen, gewinnt an Attraktivität. Hierfür sind auch außerhalb von Wohnungen dezentral Räume zu schaffen, beispielsweise in Form von Co-Working-Spaces. Dadurch können Wohnraum eingespart, günstige dezentrale Arbeitsmöglichkeiten angeboten sowie Begegnung, Austausch und branchenübergreifende Inspiration ermöglicht werden. Gleichzeitig ist die Krise ein Brandbeschleuniger für die ohnehin laufenden Veränderungen der Innenstädte. Mit dem zunehmenden Ladensterben in den Einkaufsstraßen bei gleichzeitigem Boom des Online-Handels drohen diese zu veröden. Ähnliches gilt auch für ländliche Räume. Doch gerade „Post-Shopping-Innenstädte“ bieten auch die Chance zu neuen Nutzungsmischungen. Aus reinen Einkaufsmeilen können vielfältige Quartiere werden – mit neuen Kombinationen von Wohnen, Handel, Gastronomie, Kultur, Handwerk, Dienstleistungen, Bildung, Kreativwirtschaft sowie Begegnungsund Gasträumen und weiteren sozialen Orten. Zugleich steigt das Bewusstsein für Nähe und Regionalität. Damit rücken regionale Wertschöpfungsketten, wie zum Beispiel die Produktion und Vermarktung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs, wieder verstärkt in den Fokus und daraus könnten sich auch langfristig neue Möglichkeiten ergeben. Nicht zuletzt sind es regional verankerte Genossenschaften, die hier seit Jahrzehnten ihre Stärken zeigen und das gemeinsame Wirtschaften künftig auf ganz neuen Feldern etablieren und damit die Transformation begleiten können. 8

Zusammen Umwelt schützen - Ökologisch bauen und sanieren - Energieversorgung nachhaltig ausrichten - Mobilität umweltbewusst gestalten Alle zuvor genannten Aspekte lassen sich nur gesamtgesellschaftlich lösen. Auch dem Klimawandel können wir nur gemeinsam begegnen. Gebäude haben einen wesentlichen Anteil am Gesamtenergiebedarf und an den Treibhausgasemissionen in Deutschland. Den Energiebedarf von Gebäuden zu verringern, ist daher nicht nur ein Schwerpunkt deutscher und baden-württembergischer Klimaschutzpolitik, sondern liegt im Interesse aller Bürgerinnen und Bürger, die von geringeren Betriebskosten profitieren. Dies betrifft Neubauten ebenso wie die energetische Sanierung von Bestandsbauten. Die Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudebereich ist einer der Schlüssel zur erfolgreichen Umsetzung der Wärme- und Energiewende. Eine nachhaltige Energieversorgung für bestehende und neue Quartiere sorgt für die Ausgestaltung eines klima- und umweltfreundlichen Betriebes des Wohn- und Lebensumfelds. Das Klimaschutzgesetz und das Gebäudeenergiegesetz auf Bundesebene sowie das Klimaschutzgesetz und das Erneuerbare-Wärme-Gesetz auf Landesebene stoßen als gesetzliche Rahmenbedingungen Sanierungsaktivitäten an. Parallel dazu werden großzügige finanzielle Mittel bereitgestellt, um die Sanierungen des Gebäudebestands weiter anzureizen. Die energetische Sanierung eignet sich außerdem zur Kombination mit anderen Sanierungsschritten wie beispielsweise Instandsetzung, Werterhalt, Verschönerung, Modernisierung oder Barrierefreiheit. Und darauf aufbauend ist eine Mobilitätsinfrastruktur – angefangen bei Fahrrädern und Pedelecs über Autos bis hin zu (Bürger-) Bussen – zusammen weiterzuentwickeln. Energiegenossenschaften haben durch ihre Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien eine Akzeptanz vor Ort aufgebaut. Die Genossenschaften sind oft eng mit den Bürgern vor Ort verbunden, da viele auch Mitglied in der Genossenschaft sind. Somit bieten sich Energiegenossenschaften an, die Idee des E-Carsharings zu bewerben. Dabei stellt die Genossenschaft die Fahrzeuge und trägt die laufenden Kosten für Versicherung und Wartung der Fahrzeuge. Darüber hinaus gibt es eine Reihe anderer E-Mobilitätsprojekte, die hochinnovativ sind und in der Bevölkerung implementiert werden könnten. Dazu gehören Pedelec- und Scooter-Ladestationen oder auch Pedelec-Verleihangebote. Kürzere Wege schaffen Lebensqualität und Attraktivität im Wohnumfeld. Oft empfiehlt es sich für Energiegenossenschaften, E-Mobilitätsvorhaben zusammen mit Partnern zu realisieren und nach Möglichkeiten der Förderung zu suchen. Stadtwerke und andere lokale Energieversorger haben oft, neben dem elektrotechnischen Wissen, auch günstig gelegene Betriebsdächer und Zugang zu einem Kundenstamm. In großen Städten ist das Carsharing oftmals schon verbreitet, dort beherrschen meistens etablierte Anbieter den Markt. Hier können Kooperationen mit Carsharing-Anbietern dann erfolgversprechend sein, wenn diese E-Fahrzeuge in ihre Bestände aufnehmen und zum Beispiel öffentlichkeitswirksam ihre Stellflächen mit Fotovoltaik-Dächern ausstatten. Die Umwelt schützen wir auch durch einen verantwortungsvollen Umgang mit Flächen. Bevor neue Baugebiete ausgewiesen werden, sind die innerörtlichen Potenziale zu prüfen: Wie viele Gebäude stehen leer beziehungsweise welche Flächen mit aufgegebenen Nutzungen können recycelt werden. Das spart teure Investitionen und den Betrieb von erforderlichen neuen Infrastrukturen. Und durch die Belebung mit mehr Menschen innerorts überleben auch Dienstleistungen beziehungsweise lässt sich die Identität eines Dorfes oder einer Gemeinde bewahren und stärken. 9

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