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Leitlinien zum Umgang mit Sexualität und Behinderung

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6. Kinderwunsch

6. Kinderwunsch und Schwangerschaft 6.1. Kinderwunsch von Menschen mit Behinderung Immer wieder äußern Menschen mit Behinderung Mitarbeitenden gegenüber einen Kinderwunsch. Wie sollen Mitarbeitende reagieren, wenn eine Frau oder ein Mann mit Behinderung ihren/seinen Wunsch nach einem Kind klar benennt? Grundsätzlich darf dieser Wunsch nicht von vornherein ausschließlich abgelehnt werden. Es ist wichtig, den Wunsch ernst zu nehmen und das dahinter liegende Bedürfnis zu verstehen. In Gesprächen sollte eine verantwortungsbewusste Beratung stattfinden, die die Selbstbestimmung des behinderten Menschen stets berücksichtigt. Unter Umständen stellt sich in diesen Gesprächen heraus, dass hinter dem Kinderwunsch der Wunsch nach Nähe und Normalität das eigentliche Anliegen ist. Gelegentlich wird der Kinderwunsch dann ganz vehement geäußert, wenn eine Person aus dem nahen sozialen Umfeld ein Kind bekommen hat oder wenn Mitarbeitende oder Angehörige Kinder zu Besuch mitbringen. Meistens distanzieren sich die Menschen mit Behinderung relativ schnell von ihrem Kinderwunsch, wenn im Gespräch aufgezeigt wird, mit welchen Anforderungen und Konsequenzen eine Elternschaft verbunden ist bzw. sein kann. Grundsätzlich gilt, dass bei Menschen mit Behinderung, die einen Kinderwunsch äußern und die Einsicht in die Tragweite von Schwangerschaft und Kindererziehung nicht aufbringen, die Begleitung der Mitarbeitenden auf ein Abkommen von dem Kinderwunsch hinzuwirken hat. Im Gegensatz zu dem »zeitweiligen« Kinderwunsch ist der nachdrückliche Wunsch von Menschen mit Behinderung zu sehen, die einsichtsfähig sind und in einer tragfähigen und dauerhaften Partnerschaft leben. Hier darf der Wunsch nach einem Kind nicht grundsätzlich versagt werden. Hier ist es wichtig, die verantwortliche Leitung zu Rate zu ziehen. In jedem Fall sollte eine externe Beratung in einer der im Anhang (2) genannten Beratungsstellen stattfinden, um zusammen mit der Frau oder dem Paar mit Behinderung eine adäquate Lösung zu finden. Das Wohl des Kindes ist dabei genauso zu bedenken und zu berücksichtigen, wie die Selbstbestimmung der Menschen mit Behinderung. 6.2. Empfängnisverhütung Mit dem Anspruch, die sexuellen Bedürfnisse der Menschen mit Behinderung ernst zu nehmen, ist auch ein verantwortungsvoller Umgang mit der Frage der Empfängnisverhütung verbunden. Wenn Menschen mit Behinderung in einer Paarbeziehung leben, ist es die Aufgabe der Mitarbeitenden, die Beziehung behutsam und gewissenhaft zu begleiten und wenn es erforderlich ist, mit dem Paar bzw. der Frau oder dem Mann die Frage der Verhütung anzusprechen und zu klären. Wenn Menschen mit Behinderung nicht in der Lage sind, sich sprachlich zu äußern, ist die achtsame und verantwortungsvolle Begleitung umso notwendiger. Sie gilt auch für Menschen, die nicht in einer tragfähigen Partnerschaft leben, sondern in kurzfristigen und/oder häufig wechselnden Beziehungen oder auch in Beziehungen mit Abhängigkeitscharakter. Hier gilt es einerseits, die vorhandene Situation zu respektieren und andererseits mit den Betroffenen ein Wertsystem zu erarbeiten, das Handlungsalternativen ermöglicht. Die Frage der Verhütung darf allerdings auch hier nicht ausgeklammert werden. Seite 8

Eine verantwortungsbewusste Begleitung in Fragen der Verhütung setzt die Kenntnis der verschiedenen Methoden, ihre Vor- und Nachteile sowie die Anwendbarkeit von Menschen mit Behinderung voraus. Aus diesem Grund ist im Anhang (3) eine sehr ausführliche Übersicht über die verschiedenen Methoden zusammen gestellt. Die Sterilisation von Menschen mit Behinderung schließt die Fortpflanzungsfähigkeit irreversibel und auf Dauer aus. Sie ist somit ein sehr weit reichender körperlicher Eingriff. Die Sterilisation ist deshalb nur als letztes Mittel in Erwägung zu ziehen. Das Verfahren ist im Betreuungsrecht geregelt. Eine ausführliche Beschreibung findet sich im Anhang (4). An folgenden Kriterien sollte sich eine Entscheidung orientieren, welche Verhütungsmethode bei Menschen mit Behinderung eingesetzt wird: • Wie zuverlässig ist die selbstständige Einnahme? • Werden gleichzeitig Medikamente eingesetzt, die bestimmte Präparate von vornherein ausschließen? • Welche Nebenwirkungen und Spätfolgen sind zu erwarten? • Grundsätzlich: So verträglich wie möglich, nur so viel Eingriff wie nötig. • Keine prophylaktische Verhütung, sondern ausschließlich am tatsächlichen Bedarf orientiert! • Wo immer möglich, sollte die Entscheidung durch und mit den Betroffenen getroffen werden, um ein Bewusstsein für diesen Bereich zu wecken. In den Entscheidungsprozess sind die begleitenden Ärzte (Allgemeinmediziner und/oder Gynäkologin) mit einzubeziehen. 6.3. Schwangerschaft Besteht eine Schwangerschaft, ist ebenfalls professionelle Hilfe gefragt, damit Eltern und Kind die notwendige Unterstützung erhalten können. Das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft rechtfertigt nicht, dass behinderten Menschen weit reichende Restriktionen in ihrem Privatleben auferlegt werden. Sexualität bleibt die höchstpersönliche Angelegenheit behinderter Menschen und damit Teil einer Intimsphäre, die dem Zugriff und der Reglementierung durch Dritte weitgehend entzogen ist. Folglich können Mitarbeitende nur in beratender Funktion agieren. Die Liebenau Teilhabe spricht sich im Fall einer Schwangerschaft ganz klar für das Kind und gegen eine Abtreibung aus, wenn diese nicht aus medizinischer Sicht notwendig ist. Seite 9

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