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Leitlinien zum Umgang mit Sexualität und Behinderung

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4. Sexualpädagogische

4. Sexualpädagogische Grundlagen Um Sexualität leben und erleben zu können, ist eine sexuelle Aufklärung unverzichtbar. Diese beinhaltet zum einen die Vermittlung von Kenntnissen über die verschiedenen Bereiche der Sexualität und umfasst weite Bereiche vom Wissen über den eigenen Körper, über die Geschlechterrollen bis hin zu Fragen der Genitalsexualität. Über diese reine Wissensweitergabe hinaus muss Sexualpädagogik auch Werte und Haltungen vermitteln. So soll Aufklärung dazu beitragen, eigene Gefühle wahr- und ernst zu nehmen, eigene Bedürfnisse und die Bedürfnisse anderer zu erkennen (und anzuerkennen), aber auch sich abgrenzen zu können. Somit stellt eine angemessene Aufklärung die wesentliche Grundlage bei der Entwicklung der eigenen Identität als Mann oder Frau und der sexuellen Selbstbestimmung jedes Menschen dar. Ebenfalls ist sie unverzichtbarer Bestandteil bei der Prävention vor sexuellem Missbrauch sowie vor AIDS oder anderen Krankheiten. Die körperliche Entwicklung von Menschen mit geistiger Behinderung unterscheidet sich in der Regel nicht von der von Menschen ohne Behinderung. Deshalb sollte Sexualpädagogik »in frühester Kindheit beginnen und zwangsläufig als lebenslange Aufgabe unverzichtbarer Bestandteil der gesamten Erziehungsbemühungen sein.« 5 Sexualpädagogik geht aus diesem Grund weit über ein einmaliges Aufklärungsgespräch hinaus. Für Schülerinnen und Schüler der Don-Bosco-Schule ist Aufklärung Bestandteil des Lehrplans. Ergänzende und vertiefende Gespräche in den Wohngruppen sind dennoch erforderlich. Eine gute Kooperation und der Austausch zwischen Schule und Heimbereich sind deshalb von großer Bedeutung. Sexualpädagogik betrifft jedoch in gleichem Maß erwachsene Menschen mit Behinderung. Viele der behinderten Menschen sind älter und in einer Zeit aufgewachsen, in der eine umfangreiche Aufklärung nicht vorausgesetzt werden kann. Andere kamen und kommen erst nach der Schulzeit bzw. im Erwachsenenalter in die Liebenau Teilhabe. Die Erfahrung zeigt, dass sich zum Teil auch im fortgeschrittenen Erwachsenenalter erhebliche Wissenslücken bei einfachen körperlichen Vorgängen finden. Die Themen der Sexualpädagogik richten sich in erster Linie nach den aktuellen Bedürfnissen der behinderten Menschen. Es ist deshalb Aufgabe der Mitarbeitenden, diese Bedürfnisse zu erkennen und passende Formen der Vermittlung von Wissen oder Fähigkeiten zu finden. Dabei ist es wichtig, dass eigene Anschauungen oder Themen die sexualpädagogische Arbeit nicht dominieren und sexualpädagogische Aspekte im Team offen angesprochen und diskutiert werden. Zur Entwicklung einer weiblichen oder männlichen Identität gehört, dass ein Mensch sich sowohl mit weiblichen als auch männlichen Bezugspersonen auseinander setzen kann. Aus diesem Grund werden Mitarbeiterteams nach Möglichkeit gemischtgeschlechtlich zusammengesetzt. Weiterhin wird die Rollenfindung bzw. ein angemessenes Rollenverhalten der in der Liebenau Teilhabe lebenden Menschen durch geschlechtsspezifische Angebote wie Mädchen- oder Jungengruppen (bzw. Frauen- und Männergruppen) unterstützt. 5 Walter, Orientierung 6. Seite 6

Bei Menschen, die das Lesen nicht beherrschen, entfällt die sonst oft übliche Aufklärung über Bücher oder Zeitschriften. Umso bedeutsamer ist die Bereitstellung von anschaulichen Bildern oder Materialien, mit denen der Bezug zum eigenen Körper gut hergestellt werden kann. Eine Liste von geeigneten sexualpädagogischen Materialien befindet sich im Anhang des Leitfadens. Bei auftretenden Fragen oder Schwierigkeiten können die Fachdienste der Heime oder auch Fachleute wie Mitarbeitende von Beratungsstellen oder Frauenärzte zu Rate gezogen werden. Entsprechende Adressen finden sich ebenfalls im Anhang. Als ergänzendes Angebot können Menschen mit Behinderung oder Mitarbeitende der Liebenau Teilhabe Fortbildungen besuchen. 5. Partnerschaften von Menschen mit Behinderung Fast jeder Mensch hat das Bedürfnis nach Nähe, Zärtlichkeit und Beziehung zu einem bestimmten Menschen, mit dem das Leben und Erleben in besonderer Weise geteilt werden kann. Partnerschaften prägen das Selbstwertgefühl, ermöglichen Erfahrungen der eigenen Identität als Mann oder Frau und sie vermitteln das Gefühl der Normalität. Neben einer Vielfalt an positiven Wirkungen von gelebten Partnerschaften gibt es auch die Erfahrungen von Enttäuschung oder Verletzung. Beziehungen sollen jedoch nicht aus Angst vor negativen Erfahrungen durch Mitarbeitende verhindert werden. Vielfach wird ein »normaler« Umgang mit Partnerschaften durch unterschiedliche Faktoren erschwert: • behinderte Menschen leben nicht in kleinen Wohnungen, sondern in Wohngruppen mit vielen Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern, häufig noch in Mehrbettzimmern • Menschen mit Behinderung, die im Heim leben, haben wenig Privatsphäre. Jeder Besuch der Freundin oder des Freundes wird zwangsläufig von den Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern oder den Mitarbeitenden registriert und häufig auch reglementiert • Partnerschaften werden nicht durchgängig als selbstverständliche Möglichkeiten der Entwicklung und Lebensplanung von Menschen mit Behinderung gesehen. Der »Gemeinschaftsgedanke« ist in den Gruppen und Teams häufig noch dominanter als das Recht auf Individualität und Privatheit Deshalb wünschen wir uns, dass Mitarbeitende der Liebenau Teilhabe Partnerschaften von Menschen mit Behinderung begleiten, unabhängig davon, ob es heterosexuelle oder homosexuelle Partnerschaften sind. • Dort wo bauliche Hemmnisse ein Zusammenleben erschweren, gilt es gemeinsam mit der zuständigen Leitung akzeptable Lösungen zu finden • Es sind Wohnformen zu schaffen, die Privat- und Intimsphäre ermöglichen und die Integration in das soziale Umfeld fördern • Mitarbeitende haben die Möglichkeit, Fortbildungen zum Thema Sexualität in Anspruch zu nehmen, sowie das eigene Handeln im Rahmen von Supervision oder Begleitung durch die Fachdienste zu reflektieren • Für behinderte Menschen braucht es Angebote, die zur Findung und Stärkung der Geschlechtsidentität beitragen und die Kontaktmöglichkeiten in der Einrichtung bieten (z.B. kulturelle Veranstaltungen, Disco, Tanzkurs) • Menschen mit Behinderung können einzeln, als Paar oder als Gruppe Beratung oder Hilfe durch Fachdienste in Anspruch nehmen. Bei Bedarf werden unterstützend externe Beratungs- und Hilfsangebote hinzugezogen Seite 7

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