Mediathek der Stiftung Liebenau
Aufrufe
vor 1 Jahr

Leitlinien zum Umgang mit Sexualität und Behinderung

  • Text
  • Menschen
  • Behinderung
  • Liebenau
  • Missbrauch
  • Sexueller
  • Thema
  • Teilhabe
  • Selbstbestimmung
  • Sterilisation

9. Schutz vor sexuellem

9. Schutz vor sexuellem Missbrauch Sexueller Missbrauch von Menschen mit Behinderung ist ein besonderes Tabu, das im deutschsprachigen Raum vor allem seit der Mitte der 90er Jahre Gegenstand der Forschung ist. Studien und Untersuchungen 8 belegen, dass: • Frauen und Männer mit Behinderung häufiger sexueller Belästigung und sexuellem Missbrauch ausgesetzt sind als Menschen ohne Behinderung • Menschen mit Behinderung, die in Einrichtungen leben und aufgewachsen sind, einem größeren Risiko ausgesetzt sind • Sexueller Missbrauch gegenüber Menschen mit und ohne Behinderung fast immer eine Beziehungstat ist und die Täter überwiegend Männer sind (90%) Diese Ergebnisse fordern dazu auf, sich offen und selbstkritisch mit dem Thema zu beschäftigen, um Menschen mit Behinderung vor den Gefahren des sexuellen Missbrauchs zu schützen. Zunächst soll jedoch die Definition von sexuellem Missbrauch eine gemeinsame Verstehensbasis bilden: Definition von sexuellem Missbrauch Sexueller Missbrauch ist ein vom Täter bewusst herbeigeführter Akt mit dem Ziel, sich am Körper des Opfers zu erregen/befriedigen oder sich von ihm erregen/befriedigen zu lassen; häufig gegen den Willen des Opfers und immer im Rahmen eines Machtverhältnisses. Sexueller Missbrauch ist daher in der Regel keine zufällige Begebenheit, sondern geplant. Die Gelegenheiten dazu werden vom Täter gesucht und arrangiert. Voraussetzung ist das Vertrauen, das dem Täter vom Opfer entgegen gebracht wird. Ein weiteres Merkmal ist das vom Täter ausgehende Gebot der Geheimhaltung mit Androhung negativer bedrohlicher Folgen bei Zuwiderhandlung. 9 Sexueller Missbrauch ist also ein bewusst herbeigeführter Übergriff und steht immer im Zusammenhang mit Macht und Abhängigkeit. Es braucht deshalb gerade im institutionellen Kontext eine konstruktive Auseinandersetzung über strukturell bedingte Abhängigkeiten und die sich daraus ergebende Notwendigkeit, Menschen mit Behinderung in Bezug auf Selbstbestimmung, Wunsch- und Wahlrechten etc. zu stärken. Wie kann sexueller Missbrauch verhindert werden? • Durch eine frühzeitig einsetzende und fortlaufende sexualpädagogische Begleitung, wie sie im 4. Kapitel dieser Leitlinien beschrieben ist Das Wissen um körperliche Vorgänge, die Sicherheit, zwischen angenehmen und unangenehmen Gefühlen unterscheiden zu können und die Fähigkeit, nein sagen zu können, sind zusätzlicher Schutz für Menschen mit Behinderung • Das Thema Selbstbestimmung und Abgrenzung muss beständig Thema bleiben und in den Teams der verschiedenen Bereiche in Bezug auf die Umsetzung diskutiert werden 8 Klein, S., Wawrok, S., Menschen mit geistiger Behinderung als Opfer und Täter sexueller Gewalt 1999. Fegert, J.M., Wolff, M. (Hg.) Handlungsmöglichkeiten bei sexuellem Missbrauch und anderem Fehlverhalten in Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe, 2002. 9 Lacour 2. Seite 12

• Durch eine Grundhaltung, die den Menschen mit Behinderung das Recht auf Intimität, Sexualität und einem sorgsamen Umgang damit zugesteht; ebenso durch eine Atmosphäre, in der persönliche Grenzen geachtet werden • Durch eine offene Kommunikation und einen Austausch zum Thema Sexualität – Sexueller Missbrauch innerhalb der verschiedensten Bereiche in der Liebenau Teilhabe • Durch die Stärkung der Menschen mit Behinderung in Bezug auf Selbstbestimmung, Wunsch- und Wahlrechte, Ressourcen und Fähigkeiten. Die Leitungsverantwortlichen in der Liebenau Teilhabe nehmen das Thema Schutz vor sexuellem Missbrauch sehr ernst. Es ist allen ein großes Anliegen, sich verantwortungsbewusst mit der Komplexität des Themas auseinander zu setzen und als Einrichtung klare Richtlinien zu entwickeln, um die Risiken für Menschen mit Behinderung soweit wie möglich zu reduzieren. Aus diesem Grunde wird zum Thema sexueller Missbrauch ein eigener Leitfaden entwickelt. 10. Abschließende Bemerkungen Die Leitlinien können und wollen kein »Rezeptbuch« sein, welches auf jede Situation eine wohldosierte Anweisung bereithält. Im Umgang mit Menschen ist es unerlässlich, jeden Menschen in seiner Einzigartigkeit zu sehen und die professionelle Begleitung immer an der Situation und Perspektive des Betroffenen auszurichten - geleitet von der Frage, was für den Menschen in seiner individuellen Situation die bestmögliche Lösung ist. Die Leitlinien zeigen den Handlungsrahmen auf. Einige Themen (Bordellbesuche, Recht auf Kinder etc.) wurden – weil sie zum Teil sehr speziell sind – bewusst in den Leitlinien nicht ausgeführt. Die Diskussionen in der Arbeitsgruppe gingen weit über das Bestehende hinaus. Dort wo sich diese oder andere Themen im Alltag ergeben, bitten wir die Mitarbeitenden, sich an die zuständige Leitung zu wenden. Wir werden, soweit es möglich ist, verantwortete Einzelfallentscheidungen treffen. Das gilt auch, wenn Paare, die in einer stabilen Partnerschaft leben, den Wunsch äußern, zu heiraten. Wenn Einsichtsfähigkeit vorliegt (die Entscheidung darüber fällt der Standesbeamte), können Paare standesamtlich und kirchlich heiraten. In allen anderen Fällen wird für diese Menschen eine kirchliche Segensfeier angeboten. Zum Schluss möchten wir alle Mitarbeitenden einladen, die Leitlinien als Anregung aufzunehmen und die Inhalte in den eigenen Bereichen zu diskutieren. Rückmeldungen nehmen die Mitglieder der Arbeitsgruppe gerne entgegen. Sie sind uns hilfreich, wenn im Lauf der Zeit eine Überarbeitung ansteht. Seite 13

Hier finden Sie Impulse für den Alltag

Anstifter

Anstifter 3, 2019 der Stiftung Liebenau
Anstifter 2, 2019 der Stiftung Liebenau
Anstifter 1, 2019 der Stiftung Liebenau
Anstifter 3, 2018 der Stiftung Liebenau
Anstifter 2, 2018 der Stiftung Liebenau
Anstifter 1, 2018 der Stiftung Liebenau
Anstifter 3, 2017 der Stiftung Liebenau
Anstifter 2, 2017 der Stiftung Liebenau
Anstifter 1, 2017 der Stiftung Liebenau
Anstifter 3, 2016 der Stiftung Liebenau
Anstifter 2, 2016 der Stiftung Liebenau
Anstifter 1, 2016 der Stiftung Liebenau
Anstifter 3, 2015 der Stiftung Liebenau
Anstifter 2, 2015 der Stiftung Liebenau
Anstifter 1, 2015 der Stiftung Liebenau
Anstifter 3, 2014 der Stiftung Liebenau
Anstifter 2, 2014 der Stiftung Liebenau
Anstifter 1, 2014 der Stiftung Liebenau

Jahresberichte

Jahresbericht 2016 der Stiftung Liebenau
Jahresbericht 2015 der Stiftung Liebenau
Jahresbericht 2014 der Stiftung Liebenau
Jahresbericht 2013 der Stiftung Liebenau
Jahresbericht 2012 der Stiftung Liebenau
Jahresbericht 2011 der Stiftung Liebenau
Jahresbericht 2010 der Stiftung Liebenau

Karriere/Akademie

Deine Ausbildung bei uns - Stiftung Liebenau
Dein FSJ/BFD bei uns - Stiftung Liebenau

Kirchliche Stellungnahmen

Die Stiftung Liebenau – eine Lebens- und Wesensäußerung von Kirche

Stiftung Liebenau Österreich

annalive 02/2018
annalive 01/2018
annalive 02/2017
annalive 01/2017
annalive 02/2016
annalive 01/2016
annalive 02/2015
annalive 01/2015
annalive 02/2014
annalive 01/2014
annalive 02/2013
annalive 01/2013
annalive 02/2012
annalive 01/2012
annalive 02/2011
annalive 01/2011
annalive 02/2010
annalive 01/2010
annalive 02/2009

Beteiligungen

BDS Flyer