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Jahresbericht 2013 der Stiftung Liebenau

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Der Jahresbericht der Stiftung Liebenau, der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist und der Stiftung Helios – Leben im Alter. Die drei Stiftungen sind mit insgesamt 6 000 Mitarbeitern an 90 Standorten in Deutschland, Österreich, Italien, Bulgarien und der Schweiz tätig, hauptsächlich in den Aufgabenfeldern Altenhilfe, Hilfe für Menschen mit Behinderung, Gesundheit, Bildung und Hilfen für Kinder und Jugendliche.

Zeitlupen-Spiritualität

Zeitlupen-Spiritualität „Alles muss schnell gehen, präzise, genau, und je schneller Dir alles von der Hand geht und je perfekter Dir alles vorkommt, desto stärker fühlst Du Dich, und wichtig. Hat außer Atem zu sein und angestrengt zu wirken etwas Wertschätzendes an sich? Geschwindigkeit prägt unseren Alltag – und Präzision.“ Vorstand Michael H. F. Brock berichtet von einer ganz persönlichen Erfahrung. Hektik wird zu einem Markenzeichen an Arbeitsamkeit, und gewisse Überarbeitungsanzeichen gelten als Indiz dafür, wie engagiert man sei für die Familie oder bei der Arbeit. „Ich muss noch schnell dies“, „es muss noch schnell jenes“, und überhaupt alles muss noch schnell erledigt werden. Wer als erstes den Arbeitsplatz verlässt, gilt als schwach, womöglich sogar als faul. Wer nicht wenigstens noch zwei Stunden nach der Arbeit Geschäftigkeit vorweisen kann, gilt als bedenklich. Es ist nun ein paar Monate her, da habe ich eine ganz eigene Erfahrung gemacht, die mich mitten aus größter Geschäftigkeit und Wichtigkeit herausgeworfen hat. Vermeintlich war es nur eine Kleinigkeit, und der Aufenthalt beim Arzt gipfelte in der Bemerkung: „Sie werden das in wenigen Tagen schon wieder hinkriegen“. Denn all das, was auf mich wartet, Arbeit, Gedanken, Geschäft, Strategien, Visionen bedürfen meiner vollsten Aufmerksamkeit und … Geschwindigkeit. bevor das Ergebnis der Untersuchung feststand, und wollte sprechen von der Freude, dass es eine gute Prognose war. Und ich stellte mir vor, diese Schwestern, die sich um mich bemüht haben, hätten sich keine Zeit genommen. Und ich meine damit ja nicht Stunden, ich meine Augenblicke. Ein Augenblick unter dem Motto „Ach wissen Sie, ich bleib noch ein wenig hier“. Eine Geste wie etwa „Kann ich noch irgendetwas für Sie tun?“ Eine kurze Einschätzung von Puls- und Fiebermessen „Schauen Sie, es geht doch aufwärts“. Und die große Achtsamkeit beim ersten Aufstehen „Ich halte Aus dieser kurzen Begegnung sind viele Wochen geworden, und alle ach so wichtigen Dinge waren auf einmal unwichtig. Ein schwerer operativer Eingriff, große Müdigkeit und große Schwäche danach. Die größte Schwäche, die ich empfunden habe in dieser Zeit, war die Langsamkeit. Die Zeit, als die Füße versagten und ich für Tage ans Bett gefesselt darauf angewiesen war, dass andere Menschen sich Zeit genom- Sie, haben Sie keine Sorge, Sie fallen nicht“. Der erste Ausflug auf meinen eigenen Füßen war gera- men haben für mich. Und ich bin froh und dankbar, dass es fast ausnahmslos Menschen waren, die ich sehr geduldig erlebt habe. Ich wollte der Krankenschwester am Morgen gerne dezu ein Experiment der Langsamkeit. Ich konnte nur wie in Zeitlupe laufen, und all die hektischen Menschen um mich herum wurden geradezu zur Bedrohung. Geschwindigkeit, erzählen von meinen Schmerzen, von den Stunden der Nacht, von den Gedanken, auch von den Ängsten, Ängste. Was ist, wenn mich einer anrempelt? Was ist, wenn jemand mir nicht ansieht, dass ich verletzt 20

in? Wenn jemand mit zu großer Geschwindigkeit auf mich zukam, blieb ich einfach stehen, legte meine Hände schützend über meinen Bauch, wie um zu signalisieren: Schutzräume in meiner Nähe. Jemand, der mich in meiner Langsamkeit stützt. Jemand, der mich in meiner Angst beruhigt. „Komm mir nicht zu nahe, nicht in dieser Geschwindigkeit, nicht in dieser Unaufmerksamkeit.“ Ja, es war das unbedingte Gefühl, verletzbar zu sein – auch nach überstandener Operation. Als Theologe gesprochen und einmal hineingeschaut in die Bibel: Ich kenne keine hektischen Hirten. Ein Hirt, der für seine Schafe da ist, ist ein ruhiger Mensch. Vielleicht sollten wir sagen, ein langsamer Und hernach wieder zuhause, kamen mir folgende Gedanken: Auch wenn ich gesund bin und werde, werde ich mir vornehmen, langsamer zu Mensch. Einer der in seiner „Zeitlupen-Mentalität“ den Blick für jeden einzelnen hat, und es sind kurze präzise Bewegungen seines Hirtenstabes, sein, weil ich mir gut denken kann, dass übergroße Geschwindigkeit und ein „immer noch mehr“ an Diensten und Aufgaben wirken wie jene schnelle Menschen, die mir begegneten, die die Ruhe und die Richtung auf seine Herde übertragen. Ganz nebenbei ordnen sich auch die Gedanken. Vieles, was mir vor meiner „Langsamkeit“ wichtig war, gerät in den Hintergrund, als ich verletzt war. Vielleicht wirkt übergroße Geschwindigkeit auch bedrohlich. Und wenn man mir anmerken würde (was ich bei keiner einzigen Kran- und viele Dinge, die vielleicht zu einsam oder zu verletzt am Rande standen, rücken mehr und mehr in meine Aufmerksamkeit. Ja, ich glaube, das gibt es, kenschwester gespürt habe), dass man in meiner Nähe immer noch mehr, immer noch präziser, immer noch schneller sein und arbeiten muss, vielleicht empfinden mich ja die Menschen auch als Bedrohung? Und ich überlege mir, ob in meinem Alltag bislang oder doch wenigstens zukünftig diese kleinen Gesten der Langsamkeit nicht eine größere Bedeutung gewinnen sollten. Ich habe Zeit, und es muss in meiner Nähe nicht immer nur etwas geleistet werden. Es gibt auch eine „Zeitlupen-Spiritualität“, die den Blick, den Sinn und das Herz freimacht für die Verletzbarkeit der Seele, des Geistes und des Körpers. Manchmal frage ich mich, ob wir den Menschen, die wir begleiten – älter gewordene Menschen, Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf und Menschen mit Behinderung – mit der nötigen Langsamkeit begegnen, oder soll ich besser sagen „Aufmerksamkeit“. 21

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