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Anstifter 3, 2014 der Stiftung Liebenau

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Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Altenhilfe, Behindertenhilfe, Bildung, Gesundheit, Familie und Dienstleistungen.

Ab jetzt: Zukunft Das

Ab jetzt: Zukunft Das Berufsbildungswerk Adolf Aich blickt positiv nach vorn von Christof Klaus RAVENSBURG – Viele neue Auszubildende und Teilnehmer in der Berufsvorbereitung, eine gute Belegungssituation im Wohnheim: Die Lage im finanziell unter Druck geratenen Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW) hat sich vorerst etwas entspannt. Nach einem Defizit von rund 350.000 Euro in 2013 peilt man für das laufende Jahr eine schwarze Null an. Dennoch sieht die zur Stiftung Liebenau gehörende Einrichtung Reformbedarf bei den Strukturen der Berufsbildung. „Beim Berufsbildungswerk geht es ans Eingemachte“ – „Tiefrote Zahlen für die Berufsbildung“. So titelten die hiesigen Lokalzeitungen vor wenigen Monaten. „Die meisten Absolventen haben einen Job“, lautete fast zeitgleich eine andere Schlagzeile über das BBW – mit seinen derzeit über 600 betreuten Personen allein am Hauptsitz Ravensburg und zusammen mit dem Standort Ulm rund 350 Mitarbeitern einer der größten Bildungsträger in der Region. Seit über 30 Jahren bringt das BBW vorwiegend junge Menschen mit besonderem Teilhabebedarf beruflich und persönlich auf Kurs. Mit Erfolg, wie die stets guten Vermittlungsquoten zeigen. Fast alle Auszubildenden schaffen ihre Abschlussprüfungen, und in der Regel bekommen gut zwei Drittel der Absolventen dann auch gleich eine Beschäftigung. Trotzdem war die Einrichtung in den letzten Jahren – wie übrigens auch die anderen 51 deutschen Berufsbildungswerke – zunehmend unter finanziellen Druck geraten. „Das System ist nicht mehr in Balance“, sagt BBW-Geschäftsführer Herbert Lüdtke und verweist auf die vom Hauptkostenträger, der Bundesagentur für Arbeit, gezahlten Sätze, die den tatsächlichen Aufwand nur unzureichend abdecken – gerade in einer Region mit vergleichsweise hohem Preisniveau wie der Raum Bodensee-Oberschwaben. Und so verzeichnete das Ravensburger BBW 2013 bei einem Umsatz von etwa 26,5 Millionen Euro ein Defizit von Freut sich über die vielen Neuanmeldungen in diesem Sommer und hofft für das laufende Geschäftsjahr auf eine „schwarze Null“: Herbert Lüdtke, Geschäftsführer des finanziell unter Druck geratenen Berufsbildungswerks Adolf Aich. Foto: Klaus rund 350.000 Euro. „Wir kämpfen seit Jahren um eine schwarze Null“, so Lüdtke. „Das ist auf Dauer keine befriedigende Situation.“ Schließlich müsste es für ein Unternehmen auch einen Handlungsspielraum für Investitionen geben. Und das Einsparpotenzial, so Lüdtke, sei jedenfalls ausgereizt. „Jede weitere Einsparung ginge zu Lasten der Leistungsfähigkeit des Unternehmens, der Mitarbeiter und insbesondere zu Lasten der betreuten Menschen.“ Für das laufende Jahr peilt der Geschäftsführer wieder ein ausgeglichenes Ergebnis an. Grund ist die unerwartet hohe Zahl der Neuanmeldungen in diesem Sommer. Mehr als 180 junge Menschen starteten vor knapp zwei Wochen am BBW in ihre Ausbildung oder Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB), viele davon zogen auch in das angeschlossene Wohnheim ein. Und gerade bei den förderintensiven Maßnahmen habe es einen 20-prozentigen Zuwachs gegeben. Für Herbert Lüdtke ist das ein klares Signal: „Der Bedarf an Spezialeinrichtungen ist nach wie vor da“, so seine Überzeugung angesichts der immer größeren Zahl an Jugendlichen mit psychi- 32 Bildung

schen Problemen, mit einer Autismus-Spektrum-Störung oder anderen gravierenden Benachteiligungen. Diese werden im BBW intensiv von erfahrenen Psychologen betreut. „Wir haben hier im Haus umfassende Angebote an therapeutischen Hilfen und Trainings, die andere Einrichtungen nicht leisten können“, betont Dr. Stefan Thelemann, Leiter der Abteilung Diagnostik und Entwicklung. Dadurch habe sich das BBW auch überregional einen sehr guten Ruf erarbeitet und sein Profil geschärft. Neben dieser Spezialisierung gehört es seit einigen Jahren aber auch zur Strategie des BBW, sich gegenüber weiteren Zielgruppen – insbesondere Erwachsenen – zu öffnen. Das heißt: Qualifizierung von Menschen ohne Berufsausbildung, Kurse für den beruflichen Wiedereinstieg von Alleinerziehenden, modulare Weiterbildungen oder auch die Kooperation mit externen Firmen bei der Vermittlung von Spezialkenntnissen, wie Manfred Haas, Leiter der Abteilung Bildung und Arbeit, aufzählt. Positive Signale „Ab jetzt: Zukunft.“ Dieses neue Motto des BBW sei laut Geschäftsführer Lüdtke nicht nur für die Jugendlichen, sondern auch für das ganze Unternehmen Programm. Hoffnungsvoll stimmen die BBW-Verantwortlichen in diesen Tagen neben der Belegungssituation auch die positiven Signale aus der Politik. So würdigt Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles in einem aktuellen Schreiben an den Dachverband der bundesdeutschen Berufsbildungswerke den Beitrag der BBWs zur Inklusion: „Viele junge Menschen verdanken den Berufsbildungswerken die Möglichkeit zur Teilhabe an Arbeit und Gesellschaft“, zitiert Lüdtke aus dem Brief und betont die Wichtigkeit der Komplexeinrichtung BBW als „Inklusionsschlüssel“ für die Jugendlichen: „Wir haben das Know-how, den Willen und die Kraft dazu.“ Große Hoffnungen setzt das BBW auch in die laufenden Gespräche mit dem Regierungspräsidium über den Status und die damit verbundene Finanzierung seiner privaten Sonderberufsschule, der Josef-Wilhelm-Schule. Sie ist zwar als Ersatz- und Sonderschule genehmigt, wird aber in puncto Sachkostenzuschuss bisher nur unzureichend refinanziert. Wunsch des BBW ist aufgrund entsprechender Klientel die Gleichstellung mit einer Sonderschule für Erziehungshilfe. Aufnahmefeier im Ravensburger BBW - und fast kein Platz blieb leer. Über 180 junge Menschen starteten dort in diesem Jahr in eine Ausbildung oder eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB). Fotos: Klaus Bildung 33

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