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Anstifter 3, 2014 der Stiftung Liebenau

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Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Altenhilfe, Behindertenhilfe, Bildung, Gesundheit, Familie und Dienstleistungen.

Der Tod von Bewohnern

Der Tod von Bewohnern und Bewohnerinnen ist für die Mitarbeiter in der stationären Pflege belastend. Foto: Alexander Raths - Fotolia.com Rituale helfen in der Trauer Belastungen und Ressourcen im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer von Anne Oschwald LIEBENAU – Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der stationären Pflege sind durch das häufige Miterleben von Sterben, Tod und Trauer hohen Belastungen ausgesetzt. Die Altenhilfe Deutschland der Stiftung Liebenau wollte über eine Erhebung erfahren, was besonders belastend wirkt und wie Teams für Entlastungen sorgen können. Die Erhebung in Zusammenarbeit mit der Hochschule Ravensburg-Weingarten leitete Prof. Dr. Michael Wissert. Heute versterben 40 Prozent der Bewohner einer stationären Einrichtung im Laufe des Jahres, wie Gerhard Schiele (Geschäftsführer der Liebenauer Altenhilfe Deutschland) an aktuellen Zahlen bei der Veranstaltung zum Abschluss der Studie verdeutlichte. Pflegekräfte seien täglich dem Spagat zwischen persönlicher Nähe und professioneller Distanz ausgesetzt. Prof. Maik H.-J. Winter von der Hochschule Ravensburg-Weingarten nahm beim Thema demografische Entwicklung eine besondere Perspektive ein und zeigte Zahlen, die vor allem die heute noch Jüngeren betreffen. In den vergangenen 150 Jahren sei die Lebenserwartung in Industrienationen um etwa 40 Jahre gestiegen. Die Hälfte der heute 50-Jährigen kann sich darauf einstellen, dass sie den 80sten Geburtstag feiern kann. Ein heute 80-Jähriger hat im Schnitt noch acht Lebensjahre vor sich. Fakten, die die zukünftige professionelle stationäre Pflege prägen werden. 20 Prozent der Bewohner in stationären Einrichtungen benötigen heute Schwerstpflege. Der Charakter von stationären Einrichtungen ändert sich: Sie werden zu palliativen Einrichtungen und zu Orten des Sterbens. Daraus ergeben sich besondere Anforderungen und Belastungen für die Mitarbeiter. Alexandra Vogt (Hochschule Ravensburg-Weingarten) stellte die Ergebnisse einer Befragung aus zehn Einrichtungen der Liebenauer Altenhilfe zu Belastungen, aber auch Ressourcen von Mitarbeitern vor. Mitarbeiter und Bewohner teilen für eine Weile eine Biografie, erleben körperliche, soziale und emotionale Nähe und sind mitunter wichtige Vertraute. Wenn ein Bewohner stirbt, empfinden Mitarbeiter dies als innerlich belastend. Die Belastung wird aber ganz unterschiedlich erlebt. Ihre Auswertung ergab, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Zahl der Todesfälle und der gefühlten Belastung gibt. Im Stationären Hospiz ver- 24 Altenhilfe

Beim Umgang mit der Trauer ist für mich das Naheliegende der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen. Wichtig ist das Verabschieden gemeinsam mit den Bewohnern: Ins Verabschiedungsbuch wird der Name mit Foto der verstorbenen Person eingetragen. Ich selbst stelle nach dem Abendessen eine Kerze an den Platz des Verstorbenen und wir beten gemeinsam ein „Vaterunser“ für diesen Menschen. Im Haus St. Meinrad feiern wir an Silvester einen Gottesdienst zum Jahresabschluss. Dabei werden alle Namen der Verstorbenen vom vergangenen Jahr vorgelesen. Zu diesem Gottesdienst werden die Angehörigen der Verstorbenen eingeladen. Für mich persönlich ist es eine Freude, Angehörige wiederzusehen. Monika Plank, Seelsorgebeauftragte Haus St. Meinrad Ravensburg Wenn ein Bewohner in unserem Haus stirbt, betrifft es mich immer auch persönlich. Ein festes Ritual hilft mir, mich von ihm zu verabschieden. Ich öffne das Fenster, sodass die Seele in den Himmel aufsteigen kann. Mit meinen Kollegen bete ich gemeinsam das Vaterunser, wir stellen gemeinsam ein Bild des Verstorbenen mit einer Kerze auf, sodass alle Mitbewohner erfahren, dass derjenige verstorben ist. Wann immer ich Zeit habe, besuche ich die Trauerfeier für den Bewohner, um einen Abschluss für mich zu finden und mich vollständig von dem Verstorbenen zu verabschieden. Die Gespräche mit meinen Kollegen helfen mir sehr dabei, die Trauer zuzulassen und schließlich zu verarbeiten. Die Gewissheit, dass ich dazu beigetragen habe, einem alten Menschen den letzten Weg so angenehm und schön wie möglich gestaltet zu haben, hilft mir dabei, meine Arbeit weiter unbeschwert ausüben zu können. Margit Madlener, Pflegehelferin Haus St. Ulrika Mengen sterben im Schnitt 44 Personen im Jahr. Nimmt man eine Skala von 0 bis 10 als Grundlage, empfinden die Mitarbeiter die Belastung hier mit 3,4 am geringsten. In einer der zehn teilnehmenden Einrichtungen mit 7,2 Todesfällen in einem Jahr lag die Belastung hingegen bei 5,4. Männer scheinen weniger belastet (3,2) als Frauen (4,6). Je länger die pflegende Arbeit dauert, desto belastender wirkt sich der Verlust aus. Mitarbeiter finden oft bedrückend, dass sie ihrem An-spruch nicht gerecht werden können, dem Bewohner im individuellen Sterbeprozess intensiver beistehen zu können. Meist scheitert dies im Pflegealltag am Zeitmangel. Je mehr Zeit sich die Pflegekraft andererseits nimmt, desto höher wird das Belastungsempfinden nach dem Tod des Bewohners. „Lassen sich Mitarbeiter auf eine enge Beziehung ein, hat dies einen Preis“, so Vogt. In der Befragung wurden auch die Ressourcen thematisiert, die Mitarbeiter nutzen oder nutzen können. So gaben 60 Prozent der Befragten an, dass Teamgespräche helfen. Wer diese Gespräche nutzt, schätzt sie als stark unterstützend ein. Auch spezielle interne Fortbildungen werden als positiv bewertet. Die Befragten gaben zu 50 Prozent an, eigene Rituale in ihrer Trauer zu nutzen und dies als stark unterstützend zu empfinden. 40 Prozent gaben an, dass es einrichtungsfestgelegte Rituale gibt, wie das Auslegen von Abschiedsbüchern, das Aufstellen des Bildes der verstorbenen Person oder das Anzünden von Kerzen. Die Trauer hört nie auf Eindrücklich schilderte Monika Müller vom Bundesverband Trauerbegleitung e. V. Erfahrungen aus der Praxis. Die emotionale Fähigkeit der Trauer sei angeboren. Trauer könne jeden treffen: Junge und Alte, Gesunde und Kranke, Sterbende und Angehörige, sowohl vor, während und nach dem Verlust. Dieser Trauervorgang ist ernst zu nehmen“, so ihr Plädoyer. Wie ernst, zeigte sie mit Hilfe von Zitaten wie: „Mit dem Tod des Vaters hat das Leben erst mal aufgehört.“ Trauer wird demnach ausgelöst durch den Verlust einer Person oder einer Sache, zu der eine sinnerfüllte Beziehung bestand. Trauer zu bewältigen, bedeute nicht, sie abzustellen, sondern ihre „Verwicklungen“ zu lösen. Trauer höre nie auf, aber sie verändere ihren Charakter. Werden Menschen in ihrer Trauer begleitet, geht das Belastungsniveau um 37 Prozent zurück. Bei denjenigen ohne Begleitung nur um 29 Prozent. Menschen mit Behinderung 25

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