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Forum Mehr wissen, besser verstehen Weiterentwicklung der gerontopsychiatrischen Kompetenz Wer psychische Erkrankungen wie Demenzen versteht, kann verändertes Verhalten verständnisvoller interpretieren und besser damit umgehen. Im elfmonatigen Lehrgang „Weiterentwicklung der gerontopsychiatrischen Kompetenz“, angeboten vom Land Vorarlberg und durchgeführt von der connexia, konnten sich Pflegende seit März 2012 bis März dieses Jahres zum oder zur Beauftragten für Gerontopsychiatrie qualifizieren. So wie Anita Freiler, die das neue Wissen im Seniorenheim Tschermakgarten implementiert und eine Arbeitsgruppe gegründet hat. Die Fragen stellte: Elke Benicke Frau Freiler, wann haben Sie sich zur Beauftragten für Gerontopsychiatrie qualifiziert? Anita Freiler: Das war im Jahr 2015. Von Jänner bis November habe ich an dem berufsbegleitenden Lehrgang „Gerontopsychiatrie in der Pflege“ teilgenommen, der seit 2016 „Weiterentwicklung der gerontopsychiatrischen Kompetenz“ heißt. Das war sehr intensiv, lehrreich und auch umfangreich. Mit welchen Themen haben Sie sich beschäftigt? Der Lehrgang war aufgeteilt in sieben Module mit 180 Präsenzstunden, praktischen Vorbesprechungen und weiteren 260 Unterrichtseinheiten für die Praxisarbeit. Inhaltlich ging es viel um Pflegeassessment, Milieu- und Angehörigenarbeit sowie Terminologien. Die großen Themen Demenz, Depression und Aggression waren mit praktischen Fallbesprechungen verbunden. Außerdem ging es um Palliative-Care, Differentialdiagnosen und auch Angst, Wahn und Sucht. Was hat Sie besonders interessiert? Das Projektmanagement, das Herr Michael Grossinger vom Land geleitet hat, zum Beispiel: Wir haben gelernt, wie man eine Fallbesprechung noch besser aufbaut, moderiert und leitet. Das hat mir sehr gut gefallen. Eigentlich hat mich alles interessiert, denn der Lehrgang greift genau die Themen auf, die in der Praxis tagtäglich eine Rolle spielen. Wir haben viele Bewohnerinnen und Bewohner, die herausforderndes Verhalten zeigen oder auch Angehörige, die sich beschweren. Können Sie uns ein konkretes Beispiel geben? In einem Fall hat ein Bewohner eine Bewohnerin mit fremdsprachigen Parolen beschimpft. Die Bewohnerin selbst störte das nicht weiter, doch als ihr Sohn das mitbekam, hat er sich massiv beschwert. Wir haben in diesem Fall eine Psychologin hinzugezogen; dafür haben wir ja jetzt ein Budget. Sie hat uns gezeigt, wie wir die Situation deeskalieren und konstruktiv mit dem Sohn reden können. Es war spannend herauszufinden, dass hinter der Beschwerde eigentlich ein psychologisches Problem steckte: 16 anstifter ÖSTERREICH 2 | 2019

Forum Bild links: Zusammen mit dem Seniorenheim Tschermakgarten (Bregenz) haben auch das St. Josefshaus (Gaißau) und das Pflegeheim St. Josef (Schruns) erfolgreich an der „Weiterentwicklung der geronto psychiatrischen Kompetenz“ teilgenommen. Die Zertifikate überreichten Landesrätin Katharina Wiesflecker (links) und Projektleiterin Andrea Plut-Sauer von der connexia (rechts) im Februar 2019. Hausleiterin Jutta Unger (2.v.l.), Pflegedienstleiterin Astrid Voraberger (Mitte) und Hausleiter Arno Schedler (2.v.r.) nahmen sie entgegen. Mit auf dem Foto: Interview partnerin Anita Freiler, Beauftragte für Gerontopsychiatrie im Seniorenheim Tschermakgarten (3.v.l.). Da der Sohn das Gefühl hatte, sich nicht genug um die Mutter zu kümmern, hat er in dieser Sache etwas überreagiert. In der Nachbereitung zu diesem Fall haben wir Pflegeeskalationsplanungen erstellt, die nun in ähnlichen Fällen zum Einsatz kommen. Das klingt sehr konstruktiv. Was sind Ihre Aufgaben als Beauftragte für Gerontopsychiatrie in solchen Fällen und insgesamt im Seniorenheim Tschermakgarten? Zunächst habe ich im Rahmen meiner Praxisarbeit eine Arbeitsgruppe für unser Haus gegründet, die sich kümmert, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Wohnbereich spontan nicht weiterkommen. Ich leite sie an und organisiere Termine wie in diesem Fall mit der Psychologin. Ich moderiere die Turnusfallbesprechungen, die wir nun regelmäßig einmal pro Monat über jeweils einen Bewohner oder eine Bewohnerin führen. Außerdem tausche ich mich mit anderen Beauftragten aus: Ein bis zwei Mal pro Jahr bei offiziellen Treffen oder im online-Forum der connexia. Der Mensch als Maß Gütesiegel salvus Alle zwei Jahre werden Vorarlberger Unternehmen, die sich in besonderem Maß für die Gesundheitsförderung stark machen, mit dem Gütesiegel salvus ausgezeichnet. Bei der salvus-Gala Ende März in Götzis erhielt die Stiftung Liebenau den „goldenen salvus“; ausgezeichnet wurden insgesamt 49 weitere Unternehmen im Land Vorarlberg. Ursprünglich als Anerkennung für unternehmerische Bemühungen um „gesunde Arbeitsplätze“ gedacht, steht das Gütesiegel heute für Unternehmen, die sich in besonderer und nachahmungswerter Weise um die entsprechende Ausgestaltung des Arbeitsumfeldes bemühen. Den goldenen salvus erhalten Betriebe, die ein breites Angebot an Gesundheitsmaßnahmen aufweisen und ihre Gesundheitsziele strukturell verankern. Dabei sind der goldene und auch der silberne salvus mehr als nur ein Gesundheits-Gütesiegel, beweist es doch, dass trotz aller technischen Fortschritte immer noch der Mensch das Maß aller Dinge ist. Partner der Initiative sind das Amt der Vorarlberger Landesregierung, die Wirtschaftskammer Vorarlberg, die Arbeiterkammer Vorarlberg sowie die Vorarlberger Gebietskrankenkasse. Quelle: fonds gesunde betriebe vorarlberg: Udo Mittelberger Inwiefern hat sich die Arbeit seit der Implementierung des neuen Wissens im Haus verändert? Das fängt schon beim Aufnahmemanagement an: Wir fragen genauer nach und nehmen herausfordernde Fälle auch mal nur zur Probe auf. Durch die Arbeitsgruppe können Fallbesprechungen schneller eingeläutet werden, was allen Beteiligten zugutekommt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zufriedener, da sie Rückhalt bei ihren Entscheidungen haben. Außerdem haben wir immer mal wieder Schulungen, zum Beispiel in Deeskalation. Wir haben die Turnusfallbesprechungen, können Psychologen hinzuziehen, haben dafür ein eigenes Budget. Was ist Ihr Fazit zum Thema Gerontopsychiatrie? Dass man nie fertig wird, weil das so ein weites Feld ist. Da gibt’s immer was zu tun. Vielen Dank für das Gespräch, Frau Freiler! Ein gesundes Unternehmen: Die Stiftung Liebenau nimmt den goldenen salvus entgegen. anstifter ÖSTERREICH 2 | 2019 17

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