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Anstifter 2, 2017 der Stiftung Liebenau

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Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Bildung, Familie, Gesundheit, Lebensräume, Pflege, Service und Teilhabe.

Stiftung Liebenau „Wir lernen alle“ Ambulante Dienste unterstützen Gastfamilien für minderjährige Flüchtlinge Unter den geflüchteten Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten sind unzählige Minderjährige: Viele haben ihre Familien verloren oder wurden von ihnen auf die Reise geschickt. Um diesen jungen Menschen Schutz, Sicherheit und Geborgenheit in einer komplett fremden Welt zu geben, werden sie in Baden-Württemberg in Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht oder an Gastfamilien vermittelt. Auch in den Einrichtungen der Stiftung Liebenau leben mittlerweile geflüchtete Minderjährige. Und die Ambulanten Dienste im Aufgabenfeld Stiftung Liebenau Teilhabe fungieren im Gastfamiliencoaching für derzeit 13 Familien im Bodenseekreis. Die ersten frühlingshaften Sonnenstrahlen ermöglichen Familie Ahrens den Aufenthalt im Garten. Unvermeidlich richtet sich der Blick Richtung Bodensee, der sich diesig und leicht verschleiert unterhalb von Immenstaad ausbreitet. Auch das jüngste Familienmitglied sitzt am Tisch: die 17-jährige Aminata Jama (Name geändert) kommt aus Somalia. Über ihre mehr als einjährige Flucht ist wenig bekannt. Traurige Gewissheit ist aber, dass ihre leiblichen Eltern nicht mehr leben. Über Nacht sozusagen wurden Sibille und Gregor Ahrens zu Eltern. Im Oktober vergangenen Jahres fragten die Ambulanten Dienste der Stiftung Liebenau Teilhabe im Auftrag des Jugendamtes bei ihnen an, ob sie die junge Frau in ihrer Familie aufnehmen würden. Dann ging alles Knall auf Fall. Nach der Prüfung, ob die Familie und die Jugendliche zusammenpassen, kam eine Woche Probewohnen mit anschließender kurzer Bedenkzeit. Die Wellenlänge stimmte. „Bei Ihnen hat es von Anfang an gepasst“, meint Gülsüm Krisko, die Ansprechpartnerin von den Ambulanten Diensten im Bodenseekreis. Längst ist eine Beziehung zwischen der jungen Somalierin und dem Ehepaar Ahrens gewachsen. Aminata geht täglich in die Schule, um vor allem die deutsche Sprache und die Kultur zu lernen. Der Kurs nennt sich VABO: Vorbereitungsjahr für Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse. „Am Anfang unterhielten wir uns mit Händen und Füßen“, schildert Sibille Ahrens rückblickend. Die junge Frau habe in ihrer Heimat nicht die Chance gehabt, die Schule zu besuchen. Fachkräfte stärken Familien „Wir lernen alle“, sagt Sibille Ahrens, bezogen auf die Gastfamilien, die Ehrenamtlichen, die Fachkräfte und die Geflüchteten. Sie erklärt, dass Aminata oft auch überfordert ist. Ihre Klasse hatte längst die Arbeit aufgenommen, als sie dazu stieß. Gerne hätte sie für die junge Frau eine andere Lösung, um ihr 12 anstifter 2 | 2017

Stiftung Liebenau Aminata Jama (links) aus Somalia lebt seit Oktober 2016 bei Sibille Ahrens (2.v.l.) und ihrem Mann Gregor. Gülsüm Krisko von den Ambulanten Diensten besucht die Gastfamilie und die Jugendliche in regelmäßigen Abständen. das Lernen unter weniger starkem Druck zu ermöglichen. Sibille Ahrens arbeitet als Yoga-Lehrerin und im Architekturbüro ihres Mannes. Im Alltag übt sie Normalität mit Aminata, wie etwa den Umgang mit Geld oder die Verlängerung der Papiere auf dem Rathaus in Friedrichshafen, die alle drei Monate ansteht. In den Ambulanten Diensten sieht sie einen wichtigen Partner. „Das Coaching ist eine feine Sache. Ich empfinde es als große Hilfe.“ Die Entscheidungen fielen zwar in der Familie, dennoch fühle sie sich vom fachlichen Input, dem Zuspruch und der Anerkennung des Dienstes gestärkt. Neben den regelmäßigen Besuchen von Gülsüm Krisko bei den Gastfamilien bietet der Dienst im Rahmen des Gastfamiliencoachings regelmäßige Treffen für die Familien. Fortbildungen zu Themen wie Pubertät oder Trauma sollen sie stärken und sensibilisieren. Kreative Angebote, gemeinsames Kochen und Essen erleichtern den Austausch. Unterstützung erhält Familie Ahrens auch von einer ehrenamtlich Engagierten, die mit Aminata lernt. Außerdem hilft Gregor Ahrens dem jungen Familienmitglied bei den Hausaufgaben. Familie Ahrens kann auch auf Erfahrungen bauen, die sie bei der Begleitung eines minderjährigen jungen Mannes aus Afghanistan sammelte, der vor Aminata in der Familie lebte. „Je mehr ich von der Kultur weiß, desto leichter kann ich mit der Situation umgehen“, so Sibille Ahrens. Die Offenheit füreinander, die Kommunikation miteinander und die fachliche Begleitung seien wichtige Basis für gegenseitiges Verständnis und damit für eine gelingende Integration der Jugendlichen in unsere Gesellschaft. (ao) Qualifikation steht an erster Stelle Die Bilder aus dem Jahr 2015 sind immer noch präsent. Hoffnungslos überfüllte Schleuser-Boote im Mittelmeer, Menschen, deren Flucht vorerst an Stacheldrahtzäunen oder in provisorischen Auffanglagern endete. Gut 800 000 Menschen fanden im Jahr 2015 Zuflucht in Deutschland. Flüchtlingshilfe wurde zunächst improvisiert, Grundbedürfnisse gestillt und erst nach und nach bildeten sich Organisationsstrukturen, die der Situation gerecht wurden. Dies gilt auch für die Flüchtlingsarbeit in der Stiftung Liebenau. Auch hier stand die unmittelbare Versorgung mit dem Nötigsten zuerst im Vordergrund. So wurden die Kirche St. Maria und der darunterliegende Gallussaal vorübergehend zu einer Notunterkunft für bis zu dreizehn Familien aus Syrien und dem Irak. Die Familien leben mittlerweile in einer Unterkunft in Uhldingen-Mühlhofen oder in Anschlussunterbringungen im Bodenseekreis. Inzwischen geht die Flüchtlingsarbeit in der Stiftung Liebenau deutlich weiter. Angefangen mit der Bereitstellung von Wohnraum in Einrichtungen der Liebenau Teilhabe und des Liebenauer Berufsbildungswerkes, werden auch Gastfamilien vermittelt (s. auch S. 12). Die Liebenau Teilhabe begleitet im Rahmen der Jugendhilfe 16 unbegleitete Jugendliche im Fachzentrum Hegenberg und sechs Jugendliche im Betreuten Jugendwohnen in Meckenbeuren. Bildungsangebote werden inzwischen stetig ausgebaut, Qualifikation steht an erster Stelle. In sogenannten VABO-Klassen, das steht für „Vorbereitungsjahr Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse“, lernen in Ravensburg und Ulm derzeit gut 135 Schüler die deutsche Sprache, auf dem Stundenplan steht aber ebenso der interkulturelle Austausch. In der Stiftung Liebenau konnten bereits in verschiedenen Aufgabenfeldern Geflüchtete beschäftigt werden. Der Flüchtlingskoordinator der Stiftung Liebenau, Jonas Kimmig, sieht das Prinzip des Förderns und Forderns auch weiterhin als Mittel der Wahl: „Integration kann nur dann gelingen, wenn geflüchtete Menschen nicht in die Rolle von passiven Hilfeempfängern gedrängt, sondern Wege geschaffen werden, sich selbst als aktives Mitglied einer Gesellschaft erleben zu können.“ (dk) anstifter 2 | 2017 13

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