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Anstifter 1, 2018 der Stiftung Liebenau

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Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Bildung, Familie, Gesundheit, Lebensräume, Pflege, Service und Teilhabe.

Stiftung Liebenau Über das Schöne von Prälat Michael H. F. Brock Ich habe Worte gefunden, die mich tief bewegt haben. Die Worte stammen von Gabriel Barylli: „Man muss mit allem rechnen, auch mit dem Schönen.“ Diese Worte standen auf einer Weihnachtskarte. Jetzt liegt die Karte auf meinem Schreibtisch und erinnert mich. Mit was rechne ich jeden Tag. In meinen Begegnungen. Menschen begegnen mir und ich ihnen. So unterschiedlich sind mir meine Begegnungen. Begegnen wir uns einfach in der „Rolle“, die wir haben. Dann begegnet einem Mitarbeiter der Vorstand und umgekehrt. Das löst etwas aus: Abstand, Respekt, Vorsicht. Das geht aber nicht nur mir so. Das geschieht für gewöhnlich in allen Hierarchie-Ebenen. Immer wenn einer mehr Macht hat als ein anderer, oder einfach eine andere Verantwortung, ganz wie wir es sehen wollen. Abstand ist ja auch nichts Schlechtes. Das richtige Maß von Nähe und Distanz ist immer gut. Respekt erbitte ich mir geradezu und hoffe auch, dass ich Menschen mit Respekt begegne. Schließlich ist Vorsicht nie falsch. Doch irgendwie fehlt mir etwas im Aussprechen dieser Worte. Rechne ich bei dem, was immer mir begegnet, eigentlich noch mit dem Schönen? Und ich gehe auf die Suche in meinen Gedanken und in meinem Herzen nach einer Übersetzung. Ich meine so etwas wie Feinheit und Stil. Ist Anmut spürbar in unseren Begegnungen? Ich spüre wie mir diese Suchbewegung beginnt Freude zu machen: Ist Faszination spürbar in unseren Gesprächen? Entfaltungskraft, die nicht sofort auf das Machbare zielt, sondern sich erst einmal auch ausprobieren will? Gibt es noch Spielräume für Natürlichkeit? Sind noch Augenblicke von Entdeckerfreude und Zeitlosigkeit möglich in unserem Handeln? Kann ich Charismen zulassen unter uns und begeistert es mich, wenn ein anderer Ausstrahlung besitzt? Können mich Gedanken noch in den Bann nehmen? Lasse ich mich noch betreffen vom Leid oder Glück eines Menschen? All diese Gedanken kommen in mir vor, wenn ich mir die Frage stelle: Kann ich noch Schönes zulassen, suchen, erleben? Musik hilft mir manchmal. Ein Blick nach draußen in die Natur. Ein kleines Gespräch. Ein Augenblick Schweigen. Und dann lasse ich mich wieder ein auf das, was wir den Alltag nennen. Aufgaben, Anordnungen, Forderungen, Überforderungen. Alltagsgeschehen. Und ich führe mir vor Augen, wie jeder von uns an seinem Ort mit seinen Aufgaben, seiner Lebenssituation seine ureigenen Augenblicke durchlebt. Ich wünsche sie mir von Schönheit getragen. Weil wir das sind. Jeder einzelne von uns so, wie er eben ist, weil er ist. So jedenfalls möchte ich Menschen betrachten und begegnen. Menschen sind nicht einfach Rolle oder Funktion. Nicht einfach Mitarbeiter oder Vorgesetzter, nicht einfach nur Klient, Patient oder Schüler. Wir sind gemeinsam, zusammen und jeder für sich und für andere die Strahlkraft einer Schöpfung, der wir verbunden sind. Es ist dies die Idee einer Welt, die sich faszinieren lässt vom Guten. In dem das Versagen nicht zur Verwerfung wird, sondern zum Anlass einander zu tragen. Und darum schätze ich die Karte auf meinem Schreibtisch. Sie erinnert mich bei aller Alltäglichkeit: Man muss mit allem rechnen, auch mit dem Schönen. 6 anstifter 1 | 2018

kurz und knapp Stiftung Liebenau 501 Kerzen für die Liebenauer Euthanasieopfer Für jeden ermordeten Menschen leuchtet eine weiße Kerze im Altarraum. Die Orgel erklingt, vier Ministrantinnen und Ministranten aus den Reihen der Bewohner und Beschäftigten der Stiftung Liebenau begleiten Prälat Michael H. F. Brock beim Einzug in die Kirche. 501 Menschen wurden 1940 und 1941 aus Liebenau und Rosenharz mit Bussen abtransportiert. Das Ziel: Ihre Ermordung in Grafeneck und Hadamar. Mit dem Gedenkgottesdienst in der Kirche St. Maria erinnerte die Stiftung Liebenau Ende Januar an die Euthanasieopfer. Die Besucher des Gottesdienstes finden schulheftgroße Blätter auf den Kirchenbänken. In winziger Schrift, ohne Lupe kaum lesbar, stehen darauf alle 501 Namen der getöteten Menschen. „Suchen Sie mal Mathilde Müller“, fordert Prälat Brock auf und hält das kleine Blatt in die Höhe. „Dass die Namen, Personen und Schicksale immer kleiner werden in unserem Bewusstsein und unseren Herzen, bis sie irgendwann nicht mehr lesbar sind, das ist unsere größte Sorge“, löst Brock die Irritation der Besucher über die Unleserlichkeit auf. Deshalb treffe man sich einmal im Jahr – gegen das Vergessen. Das Gedankengut der beiden Freiburger Professoren Alfred Hoche und Karl Binding war Basis für den später systematisch organisierten Massenmord des Nazi-Regimes an kranken und behinderten Menschen. Dass wir auch heute nicht gefeit sind vor solchen Haltungen und Gesinnungen, davon ist Brock überzeugt. Er beobachte, dass in diesen Tagen der Respekt vor anderen Menschen und Kulturen verloren gehe. Seine Erkenntnis: „Es gibt keinen Fortschritt in der Geschichte, nur ein Fortschreiten der Zeit. Einen Fortschritt kann nur jeder Mensch persönlich machen.“ Stiftung Liebenau Gemeinsam für bezahlbaren Wohnraum Bezahlbaren Wohnraum zu finden, ist auch abseits der Ballungsräume längst eine Herausforderung geworden. Ihn zu schaffen, nannte Dr. Berthold Broll, Vorstand der Stiftung Liebenau, beim Bürgermeisterfachtag im vergangenen Herbst eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die grundsätzlichen Rahmenbedingungen erläuterte Christian Huttenloher. Der Generalsekretär vom Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e. V. verwies dabei, auch anhand demografischer Entwicklungen, auf den zunehmenden Bedarf an barrierefreiem Wohnraum. Eine größere Verantwortung in der Flächenentwicklung komme dabei Kommunen und Gemeinden zu. Beispiel Ulm: Hier werden umfangreichere Bau- und Siedlungsprojekte nur realisiert, wenn das Grundstück zuvor in städtisches Eigentum übergegangen ist. Die Notwendigkeit eines kooperativen Ansatzes ist auch im Bodenseeraum weit verbreitet. Am Beispiel des Quartiersprojektes in Tettnang (s. S. 20) erläuterte Sebastian Merkle, wie sich die Interessen aus kommunaler Politik, Wohnungs- und Sozialwirtschaft sowie Kirchengemeinden in richtungsweisenden Projekten zusammenfinden können. Der Vorstand der Baugenossenschaft Familienheim hat bereits mehrere Quartiersprojekte mit der Stiftung Liebenau und kooperierenden Gemeinden umgesetzt. Diese schaffen ein hochwertiges Wohnangebot unterhalb der ortsüblichen Vergleichsmiete, das zudem Erfordernisse von Menschen mit Behinderungen und Senioren berücksichtigt. Alles zum Thema „Wohnen“ in der Stiftung Liebenau gibt es jetzt in unserem Themendossier auf der Webseite www.stiftung-liebenau.de/dossier anstifter 1 | 2018 7

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