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Anstifter 1, 2015 der Stiftung Liebenau

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Der Anstifter ist die Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau mit Themen aus den Bereichen Altenhilfe, Behindertenhilfe, Bildung, Gesundheit, Familie und Dienstleistungen.

Beihilfe zur

Beihilfe zur Selbsttötung Ethikkomitee der Stiftung Liebenau legt Stellungnahme vor Die Fragen stellte Susanne Droste-Gräff LIEBENAU – Die organisierte Beihilfe zur Selbsttötung soll in Deutschland künftig unter Strafe gestellt werden. An der Diskussion über den Gesetzentwurf zum § 217 StGB beteiligt sich auch die Stiftung Liebenau. Allein in Deutschland betreut die Stiftung Liebenau mehr als 3000 alte Menschen. Ihre Begleitung in den letzten Lebenstagen, mit dem Anspruch, ein würdevolles Leben bis zuletzt möglich zu machen, ist dabei eine wichtige Aufgabe. Eine Stellungnahme des Ethikkomitees der Stiftung befasst sich mit rechtlichen und ethischen Aspekten der Suizidbeihilfe. Wir sprachen mit Aufsichtsratsmitglied Professor Dr. Bruno Schmid, dem Vorsitzenden des Ethikkomitees. Vor wenigen Monaten hat das Ethikkomitee der Stiftung Liebenau seine Stellungnahme zur Beihilfe zum Suizid vorgelegt. Auf welche Resonanz ist sie bisher gestoßen? Gab es Unterschiede zu den Stellungnahmen der Vergangenheit? Wir unterscheiden normalerweise bei unseren Stellungnahmen, ob sie eher nach außen gerichtet sind – wie zum Beispiel die Stellungnahme zur Präimplantationsdiagnostik aus dem Jahr 2011 – oder ob sie eher innerhalb der Stiftung Liebenau Anlass und Grundlage für eine Auseinandersetzung mit einem Thema sein sollen. Die aktuelle Stellungnahme will beides. Professor Dr. Bruno Und so haben wir sowohl von Experten gründliche Schmid ist Mitglied Rückmeldungen erhalten, aus der Politik eher wenig. des Aufsichtsrats der Innerhalb der Stiftung Liebenau waren die Diskussionen dagegen sehr lebhaft und kontrovers. Einigen Stiftung Liebenau und Vorsitzender des war das Nein zur Selbsttötung im christlichen Kontext nicht stark genug. Auch das Infragestellen der Ethikkomitees. Foto: privat kirchlichen Tradition, nach der die Selbsttötung als Missachtung des Lebens als Gottes Geschenk scharf verurteilt wurde, war für einige irritierend. Das gehört aber zum Prozess der Urteilsbildung. Philosophen und Theologen haben sich seit jeher auch mit der Selbsttötung auseinandergesetzt. Wie erklären Sie sich die neuerliche Diskussion über die Beihilfe zum Suizid? Gab es „Auslöser“? Seit einigen Jahren ist eine Art „Sterbetourismus“ in die Beneluxländer zu beobachten. Hier ist die Tötung auf Verlangen unter bestimmten Umständen nicht strafbar, wenn sie durch einen Arzt erfolgt. Auch in die Schweiz reisen viele Sterbewillige. Der Schweizer Verein Dignitas hat im Jahr 2012 bei 177 Menschen Beihilfe zum Suizid geleistet, davon waren 172 Ausländer, 77 kamen aus Deutschland. In der Schweiz ist, ähnlich wie in Deutschland, die Beihilfe zum Suizid nicht gesetzlich geregelt, die Tötung auf Verlangen jedoch strafbar. Der deutsche Gesundheitsminister Hermann Gröhe hat 2013 diese gesellschaftlichen Entwicklungen aufgenommen und will nun die organisierte Beihilfe zum Suizid unter Strafe stellen. Worin liegt Ihrer Einschätzung nach die größte Herausforderung für die Stiftung Liebenau in Bezug auf die Beihilfe zum Suizid? Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege befinden sich in einem Dilemma, das nicht aufgelöst werden kann. Auf der einen Seite wollen sie Menschen bis zuletzt in Würde begleiten und deren Leben erhalten. Auf der anderen Seite sollen sie den Willen der Bewohner respektieren und Autonomie ermöglichen. Gilt das auch für den Willen nach einem organisierten Tod? Das Gewissen des Einzelnen entscheidet. Es gibt kein Dogma der Moral. Dieses Dilemma anzunehmen ist das Hauptthema. Das Anliegen des Ethikkomitees hierbei ist es, die Mitarbeiter zur Urteilsbildung zu befähigen, um dann in der konkreten Situation bewusst mit allen Aspekten umgehen zu können. In der Stellungnahme – und auch in der öffentlichen Diskussion – ist immer wieder die Rede von der „Suizidprävention“. Wie könnte diese konkret aussehen? Womit beginnt sie? Wenn wir von der Suizidprävention im Alter sprechen, gibt es durchaus mehrere Ansätze. Da sind natürlich die Hospizarbeit und die Palliativpflege zu nennen. Vor allem aber zuvor gelernt zu haben, das 8 Stiftung Liebenau

eigene Altern anzunehmen und damit auch die „Zumutung“ des Älterwerdens, scheint mir wesentlich. Auch die Mitarbeiter könnten – zum Beispiel über Fortbildungen – dazu angeregt werden, das Altwerden zu reflektieren. Und wenn die Pflegekräfte in der Lage sind, den Bewohnern Lebensfreude zu vermitteln und ihnen dabei beistehen können, Verluste zu bewältigen, kann das präventiv wirken. Info Die Stellungnahme „Beihilfe zum Suizid in ethischer Bewertung“ ist zu finden unter www.stiftung-liebenau.de und erhältlich unter der Tel.: 07542 10-1207. Die Position der Stiftung Liebenau zur Sterbehilfe Der Respekt vor der Autonomie des Suizidwilligen steht für das Ethikkomitee an oberster Stelle. Es schlägt daher in der Diskussion um die Beihilfe zur Selbsttötung die Prüfung einer gesetzlichen Regelung auf Ebene des Verwaltungsrechts vor – wie zum Beispiel Bußgelder für organisierte Suizidunterstützer – und auf eine Anwendung des Strafrechts zu verzichten Die aktive Beihilfe zum Suizid ist den Mitarbeitern der Stiftung Liebenau untersagt. Wichtig war dem Ethikkomitee zudem eine Begriffsklärung, um Unschärfen und Missverständnisse in der öffentlichen Diskussion zu vermeiden. Unter den Begriff „Sterbehilfe“ fallen sowohl strafbare als auch nicht strafbare Handlungen. Aktive Sterbehilfe > steht in Deutschland unter Strafe Gezielter Eingriff auf Verlangen des Patienten mit der Absicht der Tötung Beihilfe zum Suizid > bisher nicht verboten Verschreiben/Besorgen tödlicher Medikamente, die der Patient selbst einnimmt Passive Sterbehilfe > nicht strafbar Einen Patienten auf dessen Wunsch an seiner Krankheit sterben lassen, indem eine Therapie beendet oder nicht ausgeweitet wird Indirekte Sterbehilfe > nicht strafbar Einsetzen von schmerzlindernden Maßnahmen auf Wunsch des Patienten, die möglicherweise lebensverkürzend wirken Sterbebegleitung > nicht strafbar Pflegerische, symptom- und schmerzlindernde sowie seelsorgerische Maßnahmen (Hospiz/Palliativ Care) Neue Finanzierung für die Sozialwirtschaft Der Ansatz des Wirkungsorientierten Investierens (WI) von Susanne Droste-Gräff LIEBENAU – Soziale Dienstleistungen sind in Deutschland regelfinanziert: Ausgehend vom Hilfebedarf des Einzelnen und der entsprechenden Einstufung finanzieren verschiedene Leistungsträger diesen Bedarf – seien es die Sozialversicherungsträger, die Arbeitsagentur oder die öffentliche Hand. Mit dem demografischen und gesellschaftlichen Wandel kommen große Herausforderungen auf diese Finanzierungsform zu. Die dann notwendigen Innovationen und präventiven Maßnahmen, um das Sozialsystem stabil und ausbaufähig zu halten, sind jedoch mit dem regelfinanzierten System nicht abgedeckt. Ein ergänzender Ansatz ist das so genannte „Wirkungsorientierte Investieren (WI)“ oder auch „Social Impact Investment“. „Wirkungsorientiertes Investieren (WI)“ soll sich verstärkt privates Kapital zunutze machen, um gesellschaftliche Aufgaben zu erfüllen. „Das bedeutet nicht, den Staat aus der Verantwortung zu entlassen, sondern es geht hier um ein komplementäres System“, betont Dr. Markus Nachbaur, Vorstand der Stiftung Liebenau. „Die staatlich garantierte Daseinsvorsorge – eine Errungenschaft des deutschen Systems – muss unberührt bleiben.“ Nachbaur war der einzige süddeutsche Vertreter der Sozialwirtschaft einer nationalen Expertengruppe, die im Auftrag der G8-Staaten Empfehlungen zu künftigen Finanzierungsmöglichkeiten gab. Ein wesentlicher Bestandteil „Wirkungsorientierten Investierens“ ist der Beweis einer positiven Wirkung. Stiftung Liebenau 9

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