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annalive 02/2016

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Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

8 DAS THEMA

8 DAS THEMA Bewohnerinnen zum Thema Schönsein für sich und andere Was ist schön? Der Sinn fürs Schöne, egal, ob er die eigene Person, das Gegenüber oder den Lebensraum betrifft, ist individuell und zutiefst menschlich. Er schwindet weder im Alter, noch bei Demenz und körperlicher oder geistiger Behinderung. Was ist schön für dich? Wer ist schön für Sie? Warum möchtest du schön sein? Wann fühlen Sie sich schön? Die befragten Bewohnerinnen der St. Anna-Hilfe haben durchweg gerne auf diese Fragen geantwortet. Texte: Elisabeth Holzinger, Bernadette Peitler, Elke Benicke Fotos: Elisabeth Holzinger, Inge Streif, Elke Benicke „Der Fuß braucht ein bisschen Höhe, er ist ja so geformt“ Luise Sperger, geistig rüstige 94 Jahre alt, ist gern unter Leuten und freut sich über Besuch, den sie ganz selbstverständlich in ihr liebevoll eingerichtetes Zimmer im Seniorenheim Tschermakgarten bittet. Die Farben sind aufeinander abgestimmt, die Sitzecke in Rosa mit weißer Spitze. „Alles selbst gehäkelt“, sagt sie auf Nachfrage. Luise Sperger dekoriert und gestaltet gern und achtet nicht nur bei ihrem Zimmer auf harmonische Farbkombinationen. Blau ist ihre Lieblingsfarbe. Sie hat viele blaue Kleidungsstücke: hellblau, dunkelblau, blaugrün. „Der Himmel ist blau“, sagt sie. Woher kommt der Sinn fürs Schöne? Sie schmunzelt: „Ich war 25 Jahre lang Schuhverkäuferin, da lernt man, was zusammen passt.“ Früher trug Luise Sperger gerne und immer Schuhe mit höheren Absätzen. „Der Fuß braucht ein bisschen Höhe, er ist ja so geformt“, erklärt sie. Anlässlich des Kleiderverkaufs im Haus, der einmal jährlich stattfindet, hat sich die ältere Dame vor fünf Jahren als Model zur Verfügung gestellt. Es hat ihr großen Spaß gemacht, den Bewohnerinnen und ihren Angehörigen verschiedene Kombinationen zu präsentieren. „Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie betrachtet“ (David Hume, Philosoph, 1711 – 17776)

9 DAS THEMA Schönheitstipps einer fast Hundertjährigen Auch mit 99 Jahren ist Katharina Pichler ein Musterbeispiel für eine adrette und gepflegte Dame. Täglich trägt sie ein in sich stimmiges Ensemble aus Rock, Pullover und Halskette. Nach ihrer kaufmännischen Ausbildung in Ebensee hat die gebürtige Gmundnerin mehrere Jahre ein Geschäft für Pelzmode geführt. „Da ist ein ansprechendes Aussehen wünschenswert“, weiß sie. Katharina Pichler hatte schon immer einen strukturierten Pflegeablauf für ihren Körper, den sie mit klaren Anweisungen auch bei den Pflegenden im Haus St. Josef einfordert. Mit ihrer herzlichen Art, Gesangseinlagen, Gedichten und Naschwerk verschönt sie den Mitarbeiterinnen dabei den Arbeitsalltag. Einige ihrer Schönheits- und Körperpflegetipps gibt sie gerne weiter: • Alle drei Wochen lässt sich die ältere Dame im hauseigenen Friseursalon verwöhnen. Dazwischen waschen Mitarbeiterinnen ihr die Haare mit einem speziellen Birkenhaarshampoo und drehen sie auf Lockenwickler. • Auch beim Mundwasser legt Katharina Pichler großen Wert auf eine bewährte Rezeptur: Dafür werden Salbeiblätter zerkleinert und in Kornbrand für 14 Tage angesetzt. Einige Sprit- zer dieser Mixtur ins Zahnputzwasser und kräftig gurgeln. Das beugt jeglichen Wunden im Mundraum verlässlich vor und sorgt für einen frischen Geschmack. • Die Gesichtscreme und die parfümierte Kosmetikcreme für Schultern, Oberarme und Ellenbogen werden täglich aufgetragen. Die rote Weinlaubsalbe stärkt die Venen der Unterschenkel und Knie. • Seidenweiche Haut, eine Wundprophylaxe sowie ein wohltuendes und wohlriechendes Hautgefühl erreicht Katharina Pichler durch das Auftragen eines Körperpuders. • Die fast Hundertjährige achtet neben der äußeren Körperpflege auch auf ihre Ernährung. Bei ihr hat der tägliche Apfel den englischen Spruch „An apple a day keeps the doctor away“ (deutsch: ein täglicher Apfel hält den Doktor fern) bewahrheitet. Außerdem schwört sie auf das tägliche Joghurt und den stets gefüllten Wasserkrug. • Fitness gehört für Katharina Pichler zum Alltag: Sie geht spazieren oder fährt eine Runde Fahrrad auf dem Hometrainer im Gemeinschaftsraum. • Auch ihre geistige Fitness trainiert sie täglich, konzentriert sich auf Hörbücher oder lernt Gedichte auswendig, die sie auch gerne vorträgt. Alzheimer-Patientinnen behalten ihren Sinn für Ästhetik Guter Geschmack trotzt der Demenz Der Sinn für Ästhetik besteht auch bei einer fortgeschrittenen Alzheimer-Erkrankung weiter. Wissenschaftlerinnen der Universität Wien baten 18 Patientinnen mit Demenz, Landschaftsbilder danach zu sortieren, wie gut sie ihnen gefallen. Zwei Wochen später konnten die Kranken sich großenteils nicht mehr an die Bilder erinnern. Die Reihenfolge ihrer Geschmacksurteile blieb aber fast gleich. Interessanterweise fiel das Ergebnis bei Porträtfotografien anders aus. Dort schien es keine Konstanz des ästhetischen Empfindens zu geben. Quelle: Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“ 6/2013, Wort & Bild Verlag

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