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annalive 02/2011

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Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

8 DAS THEMA Notizen aus

8 DAS THEMA Notizen aus dem Heimalltag Von Liebe, Sexualität und Geschlechterrollen Jeder Einzelne soll sich auch im Pflegeheim weitgehend mit seiner Geschlechterrolle identifizieren können. Dazu gehören Komplimente, Kleidung, typische – unter Umständen auch atypische – Frauen- oder Männerbeschäftigungen ebenso wie die Wahrung der Intimsphäre, ein erfülltes Beziehungsleben und das Ausleben von Sexualität. Jutta Unger, Florian Seher und Dieter Muther, Hausleiterin und Hausleiter der St. Anna-Hilfe in Vorarlberg, sowie Doris Kollar, Regionalleiterin der St. Anna-Hilfe für Oberösterreich, haben Notizen und Geschichten zu Geschlechterrollen, Wünschen nach Nähe, Sexualität oder auch Distanz gesammelt und die folgenden fünf für die „anna live“ ausgewählt. Text: Doris Kollar, Jutta Unger, Florian Seher, Dieter Muther/Fotos: Doris Kollar, Felix Kästle Keine Lust zum Keksebacken Uns Pflegekräften ist es ein Anliegen, dass sich möglichst alle Bewohner, Männer wie Frauen, am Geschehen in der Hausgemeinschaft oder im Wohnbereich beteiligen. Doch viele Männer reden nun mal nicht so gerne, beobachten lieber. Auch sind sie früher nicht in die Küche gegangen, um Früchte für einen Obstsalat klein zu schneiden oder Kekse zu backen, sondern um dort etwas zu reparieren. Auch mit regelmäßig wiederkehrenden Beschäftigungen können sie sich nicht so gut anfreunden – die männlichen Bewohner übernehmen lieber spontane Aufgaben im körperlichen oder technischen Bereich: Bereitwillig helfen sie beim Schneeschaufeln oder bei Reinigungsarbeiten vor dem Haus und sind stolz, wenn sie bei der Reparatur einer defekten Steckdose beratend zur Seite stehen dürfen. Männer lassen sich gerne zu Gartenarbeiten motivieren oder auch dazu, die Frauen zu unterstützen, zum Beispiel, wenn es etwas zu tragen oder reparieren gibt. Einer Frau zu helfen, gibt dem Mann ein gutes Gefühl. Er fühlt sich gebraucht und genießt die Anerkennung. Wichtig ist unseren Männern auch der regelmäßige Kegelnachmittag im Gasthaus. Selbstverständlich lassen sie sich gerne von den Frauen aus dem Heim dorthin begleiten. ❑

9 DAS THEMA Traditionelle Rolle gibt Halt Frau H. fiel der Umzug ins Pflegeheim nicht leicht. Die Seniorin hing sehr an ihrer Wohnung und der Hausfrauenrolle, die sie bisher gelebt hatte. Die erste Zeit im Heim lief Frau H. immer wieder weg, wollte „nach Hause“. Feuerwehr, Polizei und Bergrettung benötigten zum Teil Mannschaften mit bis zu 60 Personen, Hundestaffeln und Hubschrauber, um sie zu finden. Nach einigen Wochen zeigte sich, dass Frau H. einem älteren Herrn im Heim sehr zugetan war. Sie kümmerte sich fürsorglich um ihn und schließlich bezogen die beiden ein gemeinsames Zimmer. An der Seite des Mannes fühlte sich Frau H. zu Hause und lief nicht mehr weg. Doch nachdem der Mann verstorben war, verlor sie aufs Neue den Halt und ihre traditionelle Rolle. Um zu vermeiden, dass ihre Weglauftendenz wieder aufflammt, involvierten die Pflegekräfte Frau H. daher verstärkt in verschiedene hauswirtschaftliche Tätigkeiten, die sie prompt und begeistert angenommen hat. Beim Bügeln oder Wäscheverteilen, beim Blumengießen und bei Gartenarbeiten findet sich Frau H. nicht nur selbst wieder, sondern hat in der Rolle der Hausfrau eine neue Heimat im Heim gefunden: Sie fühlt sich wohl bei der Arbeit, kann ihren Bewegungsdrang ausleben und erfährt Bestätigung. Es kommt zwar immer noch vor, dass die Seniorin einen ausdauernden Marsch von sechs bis acht Stunden unternimmt, doch meldet sie sich zuverlässig ab und kehrt gerne ins Heim zurück! ❑ Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, ob sie wiederkommen. (Oscar Wilde) Wunsch nach Zärtlichkeit Frau S., knapp 50 Jahre alt, wohnt seit längerer Zeit im Pflegeheim. Die Seniorin ist zwar auf den Rollstuhl angewiesen, doch hat sie sich den Wunsch nach einem Partner, Zärtlichkeit und sexueller Befriedigung erhalten. Das Gefühl von Einsamkeit hingegen belastet sie, macht sie schwermütig, unzufrieden. Nach einer Besprechung mit der Bewohnerin, im Team und mit den Angehörigen waren sich alle einig: Frau S. soll ihre Bedürfnisse nicht nur äußern können, sondern auch erfüllt bekommen! Denn ein auf Respekt und Anerkennung basierender, wertschätzender Umgang mit den Bewohnern impliziert selbstverständlich auch deren sexuellen Bedürfnisse. Seitdem kommt Hans, ein Sexualtherapeut, ein Mal pro Woche und zieht sich dann mit Frau S. in deren Zimmer zurück, wo sie ungestört sind. Die regelmäßigen Treffen mit Hans haben Frau S. verändert: Sie erlebt sich wieder als Frau, ist lustiger, ausgeglichener. Die Kosten für seine Besuche trägt die Bewohnerin übrigens selbst. ❑

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