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annalive 02/2011

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Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

4 DAS THEMA Ein Thema

4 DAS THEMA Ein Thema mit Zukunft Geschlechtersensible Altenpflege In den meisten Pflegeheimen Österreichs oder Deutschlands ist Gender Care, die geschlechtersensible Altenpflege, noch kein geläufiger Begriff – nichtsdestotrotz einer mit Zukunft. Denn Frauen und Männer unterscheiden sich in ihren gesundheitlichen Problemen, ihrem Körperbewusstsein, Rollenverständnis oder auch der Art zu kommunizieren und haben daher ganz unterschiedliche Anforderungen an Betreuung und Pflege. Inwiefern es möglich ist, die jeweils eigene Geschlechterrolle im Heim zu leben, wie mit Wünschen nach Nähe und Sexualität umgegangen werden sollte oder was den Männern in der von Frauen dominierten Welt fehlen könnte, erläutert Pflegeexperte Dr. Gerald Gatterer, Leiter der Psychologisch-Psychotherapeutischen Ambulanz und der Abteilung für Psychosoziale Rehabilitation im Geriatriezentrum am Wienerwald, im folgenden Interview. Text: Elke Benicke/Fotos: Inge Streif, Gerald Gatterer

5 DAS THEMA Guten Tag Herr Dr. Gatterer! „Sich als Frau oder Mann fühlen und verhalten können“ – das ist eine selbstverständliche Aktivität des täglichen Lebens* (ATL). Was impliziert diese ATL? Sich als Frau oder Mann fühlen, stellt einen wesentlichen Teil des menschlichen Lebens dar. Eng damit verbunden sind Identität und Selbstwert, weiters auch viele Verhaltensweisen, emotionale Verarbeitungsmechanismen, Regeln, Normen und Einstellungen. Werden die jeweiligen Rollenbilder ignoriert, entstehen nicht selten Konflikte wie das Nähe-Distanz-Problem. Was trägt im Heimalltag dazu bei, dass sich Frauen und Männer mit ihrer jeweiligen Geschlechterrolle identifizieren können? Die geschlechtsspezifische Kommunikation – die schon bei den Anredeformen „Frau“ und „Mann“ beginnt – und die Förderung von typisch weiblichen oder männlichen Aktivitäten tragen dazu bei. Pflegende sollten sexuelle Bedürfnisse, Wünsche nach Intimität oder Distanz sensibel wahrnehmen, akzeptieren und, wenn möglich, auch erfüllen. Werden zum Beispiel emotionale Distanzen nicht geachtet, – was der Fall sein kann, wenn eine Frau von einem Mann gepflegt wird –, können sie Aggressivität oder Ängstlichkeit auslösen. In den meisten Pflegeheimen leben weit mehr Frauen als Männer. Weiß man, wie es den Männern damit geht, ob sie darunter „leiden“? Studien dazu kenne ich keine. Im klinischen Alltag fällt allerdings auf, dass Männer in gemischten Stationen das Vorhandensein von Frauen als sehr positiv bewerten. Probleme ergeben sich jedoch, wenn Männer durch das Vorhandensein von Frauen auch in ihrer sexuellen Rolle als Mann auftreten und Distanzen der Frauen überschreiten. Gehen Heimleitung und Pflegekräfte ausreichend auf die Minderheit der pflegebedürftigen Männer ein – zum Beispiel, was die Wahl der Bezugspersonen betrifft oder die alltägliche Beschäftigungsstruktur? Es ist wichtig, männerspezifische Betreuungs- und Beschäftigungsstrukturen in den Heimen zu schaffen. Dazu gehören körperliche Arbeitsangebote im Garten oder Haus, wo sich Männer auch „männlich“ ausagieren können. Leider sind viele Heime in ihren Angeboten eher auf die höhere Anzahl der weiblichen Bewohner ausgerichtet. Die Männer sind dann körperlich oft unterfordert und wenig motiviert. Auch der Pflegeberuf ist überwiegend weiblich geprägt. Sehen Sie ein Problem darin? Für die weiblichen Pflegekräfte beziehungsweise die Bewohner – Männer wie Frauen? Ja, Probleme gibt es. Zum Beispiel für die weiblichen Pflegekräfte, wenn Männer bei Intimpflegehandlungen sexuelle Reaktionen, zum Beispiel eine Erektion, zeigen. Auf der anderen Seite ist es nicht einfach, einem an Demenz erkrankten Mann verständlich zu machen, dass die weibliche Person, die sich gerade mit seinem Geschlechtsteil beschäftigt, eben keine Sexualpartnerin ist. Denn dies ist in seinem Altgedächtnis so als Automatismus gespeichert. Ein höherer Anteil an männlichen Pflegekräften wäre in jedem Fall wichtig: Einerseits könnten sie die Herren pflegen und leichter typisch männliche Gespräche mit ihnen führen. Andererseits fühlen sich viele ältere Damen durch das Vorhandensein von männlichen Pflegepersonen in ihrer Identität als Frau positiv bestätigt. Erfahrungen zeigen, dass sie sich dann besser pflegen und auch hübscher aussehen möchten. Liebe und Sexualität im Alter sind noch immer ein Tabuthema in unserer Gesellschaft, die Medien zeichnen den älteren Menschen weitgehend geschlechtsneutral. Welche sexuellen Wünsche haben Senioren mit 70 bis 100 Jahren denn tatsächlich? Die sexuellen Wünsche hängen stark von der Biografie jedes einzelnen Menschen ab. Wenn Sexualität ein wesentlicher Faktor im Leben war, möchte diese Person ihre Gewohnheiten auch im Alter und im Falle einer Demenzerkrankung fortführen. Andere wiederum geben ihre Sexualität im Alter auf, zum Beispiel, wenn diese primär mit einem attraktiven Körper und der Fähigkeit zur Fortpflanzung verbunden war. Die Pflegekräfte sollten beide Einstellungen akzeptieren, sollten einerseits also Tabuisierungen vermeiden, andererseits das Thema auch nicht überbetonen. Können auch Menschen, die an Demenz erkrankt sind, ihre Sexualität leben und erleben? Ja, bei den meisten Menschen bleibt das Grundbedürfnis nach Sexualität auch im Rahmen einer Demenzerkrankung erhalten. Oft sind sie in ihren Wünschen sogar enthemmter, da Regeln und Normen, die früher galten, in der Krankheit weg-

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