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annalive 02/2011

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Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

10 DAS THEMA Lust hat

10 DAS THEMA Lust hat Grenzen Der an Demenz erkrankte Herr A. zeigt seine Lust völlig ungeniert. Die Krankheit entledigt ihn nicht nur aller Hemmungen, sondern auch der Erinnerung an Worte oder Taten. Spontan und mit einem galanten Lächeln fragt er eine Pflegekraft zum Beispiel: „Darf ich deinen Busen küssen und streicheln?“ Sie kennt den Herrn, kennt seine Anzüglichkeiten und weiß, wie sie Grenzen setzen kann – darüber hat sie sich im Team ausgetauscht. „Das erledigt schon mein Mann“, antwortet sie anscheinend unbeeindruckt, oder „Ich mag nicht, dass du das machst.“ Herr A. akzeptiert solche Antworten voll und ganz. Sie hindern ihn allerdings nicht daran, seiner Lust weiter nachzugeben und sich selbst im gemeinsamen Wohnbereich zu befriedigen. Das wiederum akzeptieren die Pflegekräfte – unter bestimmten Bedingungen: Herr A. setzt sich dazu in einen Lehnsessel in einer Ecke der „Stuba“, bedeckt sein Geschlecht mit einem Polster und macht kein Aufsehen. Da sein Atem relativ ruhig bleibt, realisieren die meisten Bewohner nicht, was vor sich geht. Abgesehen von seinen Anzüglichkeiten hat Herr A. nie wirklich den Wunsch nach einer Partnerin, nach Zärtlichkeit und Nähe geäußert. Herr A. ist zufrieden so, wie es ist. ❑ Warum soll ich mich schämen, Körperteile zu nennen, die zu erschaffen sich Gott nicht geschämt hat? (Bischof Klemens von Alexandrien) Paare, die lieber alleine leben In den Häusern der St. Anna-Hilfe sind Einzelzimmer die Regel. Daneben gibt es aber auch Doppelzimmer, die vor allem für pflegebedürftige Ehepaare reserviert sind. Fast möchte man meinen, dass die Zahl der vorgesehenen Doppelzimmer eventuell zu knapp und der Bedarf höher sein könnte. So dachte auch ein Hausleiter, da seine beiden Doppelzimmer vor fünf Jahren noch durch zwei Ehepaare voll belegt waren. Nachdem ein Ehepartner verstorben ist, lebte der verbliebene Teil noch bis zum eigenen Tod in diesem letzten gemeinsamen Wohnort. Seit alle vier Partner verstorben sind, gab es allerdings keinen Bedarf mehr. Es gibt zwar immer wieder Anfragen von Paaren, die gemeinsam in das Pflegeheim einziehen wollen, jedoch keinesfalls in eins der Doppelzimmer. Der Wunsch nach dem jeweils eigenen, vom Partner getrennten Zimmer und dem eigenen Bett steht für viele im Vordergrund. Erklärungen ergeben sich oft aus der Biografie des Paares. Viele hatten zu Hause schon getrennte Schlafzimmer, entweder aus Überzeugung oder aus beruflichen Gründen, wenn ein Partner zum Beispiel sehr früh aufstehen musste, oder weil ein Partner unruhig oder laut schläft. Aktuell lebt im betreffenden Pflegeheim ein Ehepaar: Der Mann hat sein Zimmer im Untergeschoß, die Frau wohnt einen Stock über ihm. Die beiden treffen sich oft tagsüber, kommen sich gegenseitig besuchen, trinken gemeinsam Kaffee oder sind zusammen im Garten. Dennoch ziehen sie sich immer wieder gerne in die eigenen Zimmer zurück. ❑

11 DAS THEMA Eine Liebesgeschichte Frau M. und Herr F. waren beide verwitwet und kamen aufgrund ihrer fortschreitenden Demenz ins Pflegeheim. Dort lernten sie sich kennen. Auf vorsichtige Annäherungsversuche, etwa dass sie sich beim Mittagessen zusammen an einen Tisch setzten oder auf der Gartenbank die Nähe des anderen genossen, folgten Händchenhalten, Streicheln und später intime Besuche des Herrn im Zimmer der Dame. Die Mitarbeiter beobachteten, dass es beiden gut ging dabei und sie bei gesellschaftlichen Treffen höchst motiviert waren. In einer Teambesprechung wurde vereinbart, die Privatsphäre der beiden zu wahren – solange sich sowohl Frau M. als auch Herr F. wohl fühlten. Auch die Kinder des Liebespaars befürworteten die Verbindung. Um die Erbschaftsverhältnisse zu sichern, schlossen sie aber eine mögliche Hochzeit aus. Herr F. meinte einmal: „Ich war über 50 Jahre mit meiner Frau glücklich verheiratet und habe sie geliebt, aber ich weiß, sie versteht mich im Himmel und ist mir nicht böse.“ Die liebevolle Beziehung der beiden im Pflegeheim dauerte schon zwei Jahre, da verschlechterte sich Frau M.s gesundheitlicher Zustand. Herr F. saß die ganze Nacht an ihrem Sterbebett und hielt ihre Hand, bis sie starb. Danach sagte er: „Danke! Mit M. habe ich mich wieder am Leben gefühlt und meiner lieben, seligen Frau sehr nahe!“ Kurze Zeit darauf ist auch Herr F. verstorben. ❑

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