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annalive 01/2015

Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

8 DAS THEMA

8 DAS THEMA Pflegebeziehungen, die ohne Worte funktionieren Nonverbale Kommunikation Jeder von uns kommuniziert zu etwa 85 Prozent ohne Worte. Die nonverbale Kommunikation ist geprägt durch unsere Kultur, die Sozialisation und jeden einzelnen selbst. Unbewusst drücken wir Gefühle wie Angst, Trauer, Schmerz oder Freude durch unsere Mimik und Gesten aus. Die Körperhaltung verrät unser Befinden; Kleidung und Statussymbole demonstrieren Zugehörigkeit. Nonverbale Kommunikation funktioniert unabhängig von Alter oder Demenz und nimmt daher im Pflegealltag einen hohen Stellenwert ein. Auch lässt sie sich, wie in den folgenden Fallbeispielen dargestellt, durch vertrauliche Geschäfte oder Bildkarten und klare Strukturen zum Wohl des jeweiligen pflegebedürftigen Menschen individuell einsetzen. Ziel des integrativen pädagogischen Konzepts ist es, die Selbstständigkeit im Alltag durch Strukturierungen und Visualisierungen zu fördern. Dabei gilt es, die individuellen Stärken und Interessen sowie Texte: Andrea Jochum, Sabine Unterweger Fotos: Inge Streif, Kerstin Gigler Strukturen statt Sprache „Therapie und Förderung für autistische und in ähnlicher Weise kommunikationsbeeinträchtigte Kinder“ lautet die deutsche Übersetzung des aus den USA stammenden individuellen Förderprogramms TEACCH*, von dem auch Erwachsene und Menschen ohne Autismus profitieren.

9 DAS THEMA den individuellen Lernstil zu berücksichtigen. So kann es hilfreich sein, die unsichtbaren Grenzen um den eigenen Teller am Tisch durch Markierungen sichtbar zu machen, einen detaillierten Tagesplan zu erstellen oder sich anhand von Farben zu orientieren. Frau M.s Farbe in ihrer Wohngruppe der Lebenswelt St. Antonius, einer Einrichtung der St. Anna-Hilfe für Menschen mit Behinderung, ist rot: Ihre Hygieneartikel befinden sich im roten Körbchen, ihre Tasse ist rot oder auch ihr Platzset. Im Wochenplan findet sie sich anhand von Bildkärtchen zurecht. Wenn Frau M. in die Arbeitswelt kommt, werden zwei Kärtchen vom Gesamtplan genommen und auf ihren individuellen „Erst-Dann“-Plan geklebt. Sind die Aufgaben erledigt, wirft sie die Kärtchen in die „Fertigbox“ und erhält zwei neue Aufgaben. Frau M. kommuniziert mit Lauten und ihrer Mimik. Durch einfache nonverbale Gesten wie zum Beispiel in die Hände klatschen signalisiert sie „bitte“. Wenn sie etwas benötigt, nimmt sie ihre Betreuerinnen auch gern an die Hand und zeigt es ihnen. Diese teilen Frau M. Angebote und Aufforderungen in kurzen und einfachen Worten mit und wiederholen so oft wie nötig. Herr E. lässt mit sich handeln Im Seniorenheim Schmidt in Vandans leben derzeit neun Bewohner und eine Bewohnerin im Alter von 43 bis 75 Jahren mit Korsakow-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine Form der Amnesie (Gedächtnisstörung), die durch Alkoholismus ausgelöst wird. Da sich die Betroffenen kaum verbal äußern können, stellt ihre Integration in den Heimalltag eine große Herausforderung an die Pflegenden dar. Herr E. zum Beispiel lebte zweieinhalb Jahre im Landeskrankenhaus Rankweil, bevor er zu uns kam. Es ging um den Versuch, ihn in unsere Hausgemeinschaft einzugliedern. Wir kannten Herrn E. und sein auffälliges Verhalten bereits von einem Besuch in Rankweil und konnten uns auf seinen Einzug vorbereiten. Typisch für Herrn E. ist seine motorische Unruhe, die er bei uns in Form von ständigem Laufen ausleben darf. Anfangs, als Herr E. noch kein Vertrauen in seine Umgebung hatte, war auch keine verbale Kommunikation möglich. Er ließ Pflegehandlungen nur widerwillig über sich ergehen und wehrte sich. Dann ergab es sich, dass die Pflegenden mit ihm um Zigaretten dealten. So bekam er beispielsweise ein paar Zigaretten, wenn er dem Inkontinenzwechsel zustimmte. Oder er durfte rauchen, wenn er sich Haare und Nägel schneiden ließ. Nach etwa einem halben Jahr hatte Herr E. Vertrauen zum Personal gefasst; die Pflegehandlungen sind heute für beide Seiten angemessen durchführbar. Herr E. redet wann und mit wem er möchte, meist nur mit dem Personal. Durch kurze klare Anweisungen gibt er seine Wünsche bekannt. Dass Herr E. bei uns angekommen ist, zeigt er mit kleinen Gesten, die eine große Wirkung auf uns haben, zum Beispiel durch ein verschmitztes Grinsen, ein Klopfen an die Dienstzimmerscheibe, ein Winken oder wenn er uns beim Namen nennt. ❑ *„Treatment and Education for Autistic and related Communication handicapped Children“ Das Korsakow-Syndrom Im Jahre 1887 hat der russische Psychiater und Neurologe Sergej Korsakow erstmals ein „polyneuritisches, anamnetisches Syndrom“ beschrieben. Diese durch Alkoholismus bedingte Amnesie ist anterograd und retrograd, das heißt neu Erlerntes oder Erlebtes geht verloren, aber auch vergangene Erinnerungen können in Vergessenheit geraten. Die Mobilität von Korsakow- Erkrankten ist kaum eingeschränkt.

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