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annalive 01/2015

Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

6 DAS THEMA Den anderen

6 DAS THEMA Den anderen annehmen Die Kommunikationsfähigkeit von Menschen mit weit fortgeschrittener Demenz ist laut Prof. Barry Reisberg, dem Begründer der Retrogenese-Theorie*, jener von Kleinkindern im Alter von etwa zwei Jahren oder jünger vergleichbar. Dr. Stefanie Auer, wissenschaftliche Leiterin der M.A.S.-Alzheimerhilfe Oberösterreich, und Prof. Barry Reisberg vertreten nach gemeinsamen Studien im Jahr 2006 die Ansicht, dass keine spezielle Kommunikationsform für ein wertschätzendes Gespräch mit demenzerkrankten Menschen erforderlich ist, sondern vielmehr ein ständiges Hinterfragen des eigenen Verhaltens. Bezugnehmend auf die Retrogenese-Theorie sei es wichtiger, diese Menschen in ihrem jeweiligen Stadium der Erkrankung und des entsprechenden Entwicklungsalters zu verstehen und ihre Ressourcen und Fähigkeiten anzuerkennen. Menschen mit Demenz kehren zurück zu ihren Wurzeln und erleben die Zeit ihrer Kindheit erneut. Patrick De Ryck, wissenschaftliches Mitglied der European Foundation Initiative on Dementia, betont „in diesem Kind gibt es immer noch die erwachsene Frau oder den Mann“. Nur durch eine solche Wertschätzung verbessert sich das Selbstwertgefühl der Betroffenen. „Es wäre jedenfalls grausam, aus falsch verstandener Rücksicht oder eigener Hilflosigkeit auf Gespräche mit den demenzerkrankten Menschen zu verzichten und sich weitgehend auf die nonverbale Kommunikation Botschaften für Menschen mit Demenz formulieren • Sprechen Sie mit jeder Bewohnerin. Denken Sie daran, dass auch eine verwirrte Person oder eine Person, die ihre Sprache verloren hat, viele andere Fähigkeiten hat. • Beachten Sie, dass diese Fähigkeiten innerhalb eines Tages und an verschiedenen Tagen unterschiedlich sein können. Die Sprache sollte allerdings gleich bleiben, sich nicht der Tagesform der Bewohnerin anpassen. • Denken Sie an die Fähigkeiten der Personen im aktuellen Krankheitsstadium. • Vermeiden sie unbedingt Eile und Zeitdruck für sich und die Bewohnerin. • Sprechen Sie in kurzen Sätzen. • Stellen Sie einfache Fragen, vermeiden Sie Warum-Fragen. • Verwenden Sie eine Sprache, Mundart oder Hochsprache, die aus Ihrer Sicht angemessen ist, um die Bewohnerin zu erreichen. • Achten Sie auf Ihre Stimme, auf die Wortwahl und das Sprechtempo. • Geben Sie immer nur eine Information auf einmal. • Zeigen Sie auf die gemeinten Gegenstände oder Körperteile, das erleichtert das Verstehen. • Zeigen Sie die gewünschten Pflegehandlungen, wie zum Beispiel das Gesicht waschen oder Haare kämmen, pantomimisch vor. • Haben Sie Geduld, warten Sie die Reaktion ruhig ab. Machen Sie gezielte kurze Pausen.

7 DAS THEMA zu beschränken“, schreibt Jan Wojnar, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, in seinem Buch „Die Welt der Demenzkranken. Leben im Augenblick“. Über Menschen mit Demenz sprechen In der täglichen Pflegepraxis ist es notwendig, dass sich die Mitarbeiterinnen des Pflegeteams über das Befinden und Verhalten der Bewohnerinnen austauschen. Sie tun dies mehrmals täglich in so genannten Übergabegesprächen und personenbezogenen Fallbesprechungen. Durch die verwendete Sprache drücken die Pflegepersonen ihre innere Haltung gegenüber den Bewohnerinnen aus. Fragen wie „Wie war sie denn am Wochenende?“ oder „Wie geht es unserm Schätzchen heute?“ mit Antworten wie „Er war am Wochenende ganz brav“ oder „Unser Schätzchen war ziemlich anstrengend“ oder „Seppi ist wieder so aggressiv“ zeigen, dass die jeweilige Pflegeperson dem älteren Menschen mit Demenz wenig bis keinen Respekt entgegenbringt. Fragen wie „Wie ging es Frau Müller am Wochenende?“ oder „Hatte Herr Schuster Schmerzen?“ hingegen zeigen durch die Ansprache mit dem Familiennamen Respekt vor der erwachsenen Person, haben keine Wertungen, sondern den Informationsaustausch zum Ziel. Ebensolche Antworten sollten lauten: „Frau Müller war sehr unruhig, zeigte Weglauftendenzen. Nach einem kleinen Spaziergang im Garten ging es ihr aber besser“ oder „Herr Schuster hatte wieder starke Schmerzen im Rücken, die er vielen Bewohnerinnen lautstark mitteilte. Ein Entspannungsbad hat ihm schließlich geholfen.“ ❑ *Retrogenese wird von Reisberg et al (1999) definiert als „der Prozess, bei dem degenerative Mechanismen den Mechanismus der normalen Kindheitsentwicklung umkehren.“ Lesetipps - „Elderspeak Communication: Impact on Dementia Care”, von Williams, K. N., Herman, R., Gajewski, B., Wilson, K., Sage Publications: American Journal of Alzheimer`s Disease & other Dementias, 2008 - „Aufruf zu einer neuen Art der Kommunikation über Demenz“, von De Ryck, P., EFID - Robert Bosch Stiftung, 2011

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