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annalive 01/2013

Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

8 DAS THEMA Interview

8 DAS THEMA Interview mit Manfred King, Experte in der Hilfe für ältere Menschen Das alte Leben neu inspiriert Die Entscheidung ins Heim zu ziehen, ist gefallen. Nun gilt es, den neuen Wohnraum zum eigenen zu machen und im Alltag einer noch fremden Gemeinschaft seinen Platz zu finden. Der ältere Mensch soll außerdem aus einem Spektrum an Aktivitäten die passenden für sich wählen – kurz: sein Leben neu gestalten. Im folgenden Interview erklärt Manfred King, Berater in der Hilfe für ältere Menschen und früherer Geschäftsführer der St. Anna-Hilfe, worauf es bei diesem Neustart ankommt, was er unter dem Begriff „Aktivitäten“ versteht und wie sich ein „Wohlfühlklima“ im Heim entwickeln kann. Text: Elke Benicke Fotos: Manfred King, Annelies Rümmele, Felix Kästle Herr King, Sie haben unter anderem die St. Anna- Hilfe in Österreich mit aufgebaut und bis Ende 2006 geleitet, insbesondere auch Lebenskonzepte für ältere Menschen im Heim entwickelt. Worauf kommt es bei der Gestaltung des neuen Lebens im Heim an? Manfred King: Während meiner langen Berufszeit seit 1963 in der Psychiatrie, im Krankenhaus, in der Hilfe für ältere Menschen und der Hilfe für Menschen mit Behinderung habe ich viele Schicksale erlebt, die mich geprägt und beeindruckt haben. Teil des Schicksals so vieler war vor allem auch die menschenunwürdige Unterbringung in so genannten Armenheimen, Heil- und Pflegeanstalten oder 40- Betten-Sälen. Damals beschloss ich: So möchte ich nicht alt werden müssen! Die Goldene Regel aus der Bibel – was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu – wurde zu einer meiner Leitlinien im Beruf. Bis heute hat sich, Gott sei Dank, vieles zum Positiven gewandelt. Nach welchem Rezept? Manfred King: Ein Patent-Rezept für ein gelingendes Leben im Heim gibt es nicht. Ich bin mir allerdings sicher: Ältere Menschen wollen vor allem sich selbst sein dürfen! Die Veränderungsfähigkeit und –bereitschaft von 70- bis 100-Jährigen ist in der Regel gering – warum sollten sie auch? Vielmehr sollten wir uns an ihre Bedürfnisse anpassen und versuchen, sie in ihrer ganz speziellen, oft schwierigen Situation zu verstehen. Menschliche Nähe und Wärme sind ein wesentliches Element in der Betreuung. Deshalb ist das Konzept familienähnlicher Hausgemeinschaften, wie sie in der St. Anna-Hilfe gelebt werden, eine gute Basis für die weitere Gestaltung des neuen Lebensabschnitts. Welche Rolle spielt die Vergangenheit eines älteren Menschen für sein Leben im Heim? Manfred King: Die jetzige Generation an Bewohnerinnen hat den Krieg noch erlebt. Zu ihren Erfahrungen gehören Vertreibung, Hunger, der Verlust von nahestehenden Menschen oder dem Vermögen. Diese Geschichten wollen erzählt werden und werden erzählt, wenn es jemanden gibt, der aufmerksam zuhört. In 80, 90 und mehr Lebensjahren haben sie außerdem enorme Leistungen vollbracht. Auch darüber möchten viele gerne berichten und in ihrer Biografie ernst genommen werden. Und die Zukunft? Kann ein an Demenz erkrankter Mensch noch Ziele haben? Manfred King: Ob Menschen mit Demenz noch Ziele haben, weiß ich nicht. Eines aber weiß ich sicher: Menschen mit Demenz suchen immer einen Menschen! Einen Menschen, der versucht, sie zu verstehen, der ihre Sprache spricht und ihre Signale versteht.

9 DAS THEMA Aloisia Winkel ist 96 Jahre alt. Nichtsdestotrotz soll auf ihrer Liste der wichtigen und schönen Dinge im Leben auch das Zigarettenrauchen nicht fehlen. Für Franziska Campidell, Jahrgang 1929, steht ein gutes Essen ganz oben auf ihrer Liste der Wichtigkeiten im Leben. Sie hat vier Kinder und daher reichlich Besuch. Besondere Freude bereitet ihr das Singen oder „Dialektüben im Sunnaeck“. Wann werden Aktivitäten als sinnstiftend empfunden? Manfred King: Übergestülpte, das heißt nicht an den Bedürfnissen der einzelnen Bewohnerin orientierte Aktivitäten lehne ich ab. Vielmehr möchte ich in diesem Zusammenhang erneut auf das Konzept der Hausgemeinschaften verweisen. Bei dieser Wohnform erleben die älteren Menschen Abläufe, die sie von zu Hause kennen. Vieles davon ist im Altgedächtnis gespeichert und braucht nur abgerufen zu werden. Zu den Aktivitäten im Heim zähle ich außerdem: einfach nur zuhören oder auch mal meckern dürfen, kleine Pflichten übernehmen oder sich auch spontan ins eigene Zimmer zurückziehen dürfen. Auch das Essen? Manfred King: Ja, denn nicht selten habe ich erlebt, dass für die Bewohnerinnen das Essen wichtiger ist als die Pflege. Ich halte die Einnahme der Mahlzeiten trotz eingeschränktem Geschmacksempfinden, Kauund Schluckbeschwerden für einen der Höhepunkte des Tages und eine der wichtigsten Aktivitäten. Ein wesentlicher Faktor dabei sind Ruhe, Zeit und ein angemessenes Niveau: freundliche Menschen, eine saubere Tischdecke oder dass es sonntags und feiertags einfach etwas Besonderes gibt. Was Bewohnerinnen Freude macht Zum Thema Lebensfreude im Heim kann man sich viele Gedanken machen, Konzepte erarbeiten, Erfahrungen sammeln – oder die Bewohnerinnen einfach selbst dazu befragen. Vesna Basagic, Hausleiterin des Seniorenheims Tschermakgarten, hat in einer kleinen Runde mit fünf Bewohnerinnen und einem Bewohner über deren kleine und große Lebensfreuden gesprochen. Dass sie alle großen Wert auf gutes Essen und freundliches Personal legen und sich über Besuch oder sonniges Wetter freuen, war vorhersehbar. Überraschend waren vielmehr die Zwischentöne: die Reihenfolge der Wichtigkeiten, ein kleines Laster oder eine besondere Leidenschaft. Ihre Portraits und Statements haben wir auf den Seiten acht bis elf eingestreut. ❑ Text: Elke Benicke

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