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annalive 01/2013

Lesenswertes aus der Stiftung Liebenau Österreich

4 DAS THEMA Vom Umgang

4 DAS THEMA Vom Umgang mit einem neuen Lebensabschnitt Chancen nutzen, Erfüllung finden Für die meisten pflegebedürftigen, älteren Menschen bedeutet der Einzug ins Heim, dass ihr letzter Lebensabschnitt nun definitiv begonnen hat. Hochbetagt und angewiesen auf Betreuung und Pflege verlassen sie ihre gewohnte Umgebung und ihren sozialen Raum, sollen sich an einem neuen Ort auf neue Menschen einlassen. Dabei haben weder sie noch ihre Angehörigen eine genaue Vorstellung davon, wie dieses neue Leben aussehen soll. Neben den praktischen und konkreten Anliegen stellen sich daher oft auch die philosophisch-ethischen Lebensfragen einmal wieder neu: Wie kann ich mein künftiges Leben als pflegebedürftiger Mensch im Heim gestalten? Welchen Sinn meiner zunehmenden Gebrechlichkeit und Demenz abgewinnen? Prof. Dr. Bruno Schmid, Mitglied des Aufsichtsrats und des Ethikkomitees der Stiftung Liebenau, hat seine Gedanken dazu formuliert, beschreibt Zumutungen, die in Chancen und Erfüllung münden können. Text: Prof. Dr. Bruno Schmid/Fotos: Felix Kästle, privat, Constanze Gruber – Fotolia.com

5 DAS THEMA Erfahrungen mit dem Leben im Heim habe ich durch meine Schwiegermutter gewonnen. Nach einer schweren Gehirntumor-Operation konnte sie nicht mehr zurück in ihre Wohnung, in der sie mehr als 60 Jahre verbracht hatte. Sie lebte dann sieben Jahre in einem Heim nahe bei Stuttgart, bevor sie 2009 im Alter von 96 Jahren starb. Wir – meine Frau und soweit möglich auch ich – haben sie dort regelmäßig, alle paar Wochen einmal, besucht. Zu Beginn war sie eine der rüstigsten Bewohnerinnen; sie suchte das Gespräch mit den Nachbarinnen, ergriff die Initiative zu Spaziergängen, gewann beim Quiz den ersten Preis und brauchte nur wenig Hilfe von den Pflegekräften. Im Laufe der Jahre nahmen die gesundheitlichen Beschwerden zu. Auch Demenz-Schübe wurden häufiger. In der Endphase plagten sie Erinnerungslücken und heftige Angstzustände. So haben wir die ganze Bandbreite des Wohnens im Heim miterlebt. Was habe ich daraus gelernt? Der Entschluss, in ein Heim zu gehen, entspringt meist dem Nachlassen der Gesundheit und ist eher erzwungen. Daher fällt es schwer, der neuen Situation einen Sinn abzugewinnen. Man sollte sich das bewusst machen und nicht nur sehen, was man verloren hat, sondern offen sein für die Chancen, die der neue Lebensrahmen bietet. Jede und jeder kann für sich die Maßstäbe suchen und finden, die unserem Älterwerden ein Format geben. Der Tübinger Ethiker Alfons Auer hat in seinem Buch „Geglücktes Altern“ eine hilfreiche Formel geprägt. Er sagt, wir sollten „die Chancen nutzen, die Zumutungen annehmen, die Erfüllungen auskosten“, die das Altwerden mit sich bringt. Die Chancen nutzen In den zehn, zwanzig oder gar dreißig Jahren, die uns beim Eintritt ins Rentenalter noch erwarten, ist die größte Chance die, dass wir in einer neuen Freiheit leben können, die uns im Berufs- oder Familienleben zuvor oft nicht gegeben war. Diese „späte Freiheit“ bedeutet wachsende Selbstbestimmung, die wir in vielfältiger Weise verwirklichen können, etwa in der Prof. Dr. Bruno Schmid ist seit Dezember 1993 Mitglied des Aufsichtsrats, seit Januar 2012 – ebenfalls ehrenamtlich – Vorsitzender des Ethikkomitees der Stiftung Liebenau, das den Vorstand in seinen Aufgaben berät. Beruflich arbeitete er bis zum Ruhestand (2007) als Professor für Katholische Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Weingarten (Deutschland). Einteilung unseres Tagesablaufs, in der angemessenen Sorge für unsere Gesundheit, im Wahrnehmen von Bildungsangeboten. Das gilt auch für die, die im Heim leben, wenngleich hier durch die Gemeinschaft ein Rahmen gegeben ist. Es bleiben Freiräume, zum Beispiel im Ausgestalten des eigenen Zimmers oder im Entdecken bisher verborgener Talente. Man kann auch Verantwortung übernehmen, indem man sich aktiv an der Gestaltung der Freizeitangebote beteiligt. Wichtig ist, sich von Anderen in Anspruch nehmen zu lassen und so die Überzeugung zu gewinnen, von ihnen gebraucht zu werden.

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